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Ferienzeit sorgenfrei - so gelingen die Sommerferien

Hans-Werner Eggemann-Dann, Leiter des Bereichs Jugendförderung und Erziehungsberatung der Stadt Ludwigshafen

Welche Ferien- und Freizeitangebote gibt es für die Kinder und Jugendlichen, die in den Sommerferien zuhause sind?

Kommunen, Verbände, Kirchen und Sportvereine bieten in unterschiedlicher Form Ferienprogramme an. So machen die Kinder- und Jugendfreizeitstätten Veranstaltungen in ihren Räumen. Es gibt aber auch mehrtägige Unternehmungen und Freizeiten.

Bei uns in Ludwigshafen zum Beispiel gibt es seit 80 Jahren die "Stadtranderholungen". Wie immer findet sie an der Großen Blies statt, einem Freizeitgelände mit Natursee. In zwei 14-tägigen Abschnitten können jeweils 350 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren teilnehmen. Das ist ein pädagogisch hochwertiges Angebot. Es gibt immer ein Motto - dieses Jahr sind es "Die alten Römer" - zu dem dann Spiele, Workshops und alle möglichen Aktionen gemacht werden. Es geht von morgens bis nachmittags, es gibt einen Bustransport und Verpflegung für die Kinder. Die Ludwigshafener Jugendförderung veranstaltet an zwei Sonntagen im Juli das Wasserspiel- und -sportevent "spielend baden gehen" für Kinder, Jugendliche und Familien. Während der Sommerferien findet in Ludwigshafen auch das Internationale Straßentheaterfestival statt.

Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, wie Familien miteinander Ferienaktionen organisieren können: Kanufahrten, Fahrradtouren, Wanderungen im Pfälzer Wald mit Hüttenübernachtung, Besuche von Zoos, Freizeitparks oder Museen. Beispielsweise zeigt das Historische Museum Speyer die Ausstellung "Attila und die Hunnen" und es gibt noch das ganze Jahr ein begleitendes Kinderprogramm. Sogar ein Ausflug nach Frankreich in den Elsass ist aus der Südpfalz nicht aufwendiger und teurer als eine Fahrt in die Nachbarstadt, und für Kinder ist es ein besonderes Erlebnis ins Ausland zu fahren.

Angebote gibt es also genug ...

Ja, das Problem sind meist nicht mangelnde Angebote. Es gibt eine Fälle von Möglichkeiten wie Kinder und Familien die Sommerferien gestalten können. Wichtig ist, dass sich Eltern Informationen holen und die Familie in einem Abstimmungsprozess je nach den Interessen und dem Alter der Kinder gemeinsam aushandelt, wie die Zeit gestaltet werden soll. Dieser Aushandlungsprozess jedoch braucht Raum und Zeit, Geduld und Fantasie und dann auch Mut zur Entscheidung.

Wo können Eltern denn fündig werden und wie teuer sind solche Ferienangebote?

Informationen gibt es bei den Kommunen, ihren Jugendämtern und -einrichtungen. Ludwigshafen hat zum Beispiel die eigene Website mit Infos für Eltern, Kinder und Jugendliche (www.lu4u.de). Die kirchlichen Träger, beispielsweise die Caritas, und die anderen Träger, wie die Arbeiterwohlfahrt, Naturschutzverbände oder Sportvereine, informieren über ihre eigenen Angebote. Jede Tageszeitung hat inzwischen eine Beilage mit Freizeit- und Veranstaltungstipps, im Internet werden sie fündig. Plakate hängen in den Stadtteilen und Hinweise in den Touristinformationen. Leihbüchereien haben Wanderführer und Verzeichnisse über Fahrradtouren.

Die Angebote der Kommunen sowie konfessioneller und freier Träger sind günstig und oft sozial gestaffelt. Die Stadtranderholung in Ludwigshafen zum Beispiel kostet regulär für das erste Kind 92 Euro, für das zweite 61 Euro und das dritte 31 Euro. Es gibt auch Ermäßigung für Arbeitslose.

Schwierig sind Sommerferien zuhause oft dann, wenn Kinder kaum Freunde haben oder diese in Urlaub sind ...

Kinder sind unterschiedlich kontaktfreudig. Für Eltern ist das oft keine einfache Situation, gerade weil heute viele nicht mehr an Vereine oder die Kirchen angedockt sind. Manche Kinder sind auch gerne für sich. Eltern sollten ihren Kindern dann keine Vorwürfe machen. Die Werbeklischees braun gebrannter, flirtender Junge und Mädchen an Traumstränden sind so unwirklich wie deren perfekte Figuren, aber sie können Druck und Stress erzeugen.

Ferien sind auch eine Zeit, um als Familie etwas miteinander zu machen und Neues zu probieren. Vater und Sohn könnten beispielsweise eine mehrtägige Fahrradtour inklusive Zelten unternehmen. Mutter und Tochter besuchen gemeinsam die nächste Stadt, gehen ins Kino oder Konzert. Wenn die Eltern-Kind-Beziehung trägt, kann das eine tolle Erfahrung sein und die Beziehung dadurch neue Impulse erhalten. Familien haben ihre eigenen Strukturen, sind nicht konfliktfrei und nicht alle haben die gleichen Interessen. Wenn die Familienmitglieder etwas Unterschiedliches erleben, haben sie auch wieder etwas zu erzählen, wenn sie zusammentreffen.

Kein spezielles Ferienprogramm aber ein Tipp für Eltern, deren Kinder wenig Anschluss haben, ist das "Big Brother, Big Sister"-Programm, bei denen Kinder einen Mentor bekommen, der mit ihnen Zeit verbringt, ihnen zuhört und mit ihnen etwas unternimmt. Außerdem veranstaltet der Internationale Bauorden, der in Worms ansässig ist, Baucamps, bei denen Jugendliche ab 16 Jahren gemeinsam in sozialen Bauprojekten handwerklich arbeiten.

Was sollten Familien für die Ferien zuhause bedenken?

Ferien geben Raum anders mit Zeit umzugehen. Den Moment zu erleben, sich bewusster und freundlich wahrzunehmen. Zeit miteinander genießen, die Schönheiten der Natur und sich den anderen mitzuteilen. Familien haben Erfahrungen damit, Freizeiten und Ferien zuhause zu organisieren. Also erinnert man sich, wann das für alle besonders angenehm war und knüpft an solch schöne Erfahrungen an. Wichtig ist, dass die Ferienzeit gemeinsam im Familienrat besprochen wird. Vorher sollte sich jeder überlegen, was er gerne tun möchte. Wenn man nicht weg fährt, ist die Planung fast wichtiger, weil man mehr überlegen und organisieren muss. Eltern sollten auch offen und ehrlich sagen, wenn nicht viel Geld vorhanden ist und dieses Thema nicht tabuisieren, sonst ist es schwierig, etwas kreativ entwickeln zu können. Ein Fernurlaub muss nicht glücklicher machen, als gut organisierte Ferien im Umfeld, bei denen die Familie aus dem Alltagstrott rauskommt.

Die Ferienplanung fordert die Familie, einen Gesprächs- und Einigungsprozess hinzukriegen. Das ist nicht immer einfach, aber Kompromisse auszuhandeln, Interessen gerecht zu werden und beispielsweise Rücksicht auf kleinere Geschwister zu nehmen, ist eine wichtige erzieherische Möglichkeit. Der Vater muss nicht immer seine Idee durchsetzen. Die Wünsche aller dürfen benannt und ernst genommen werden, und plötzlich gibt es viele neue und schöne Optionen.

Links
Jugendportal Ludwigshafen: www.lu4u.de
Big Brother, Big Sister: www.bbbsd.org
Internationaler Bauorden: www.bauorden.de

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