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„Ich will einfach mal weg“

Viele junge Deutsche wollen nach der Schule im Ausland arbeiten

Sie arbeiten in einem Kinderheim in Rumänien, sie bauen irgendwo in Afrika eine Dorfschule mit auf, sie unterstützen Straßenkinder-Projekte in Südamerika - viele junge Deutsche zieht es nach der Schule in die Ferne. Sie wollen sich sozial oder entwicklungspolitisch engagieren. Aber das ist es nicht allein, auch Abenteuerlust treibt sie in die fremden Länder. „Ich will mal über meinen Tellerrand schauen“, begründet die 18jährige Hannah aus Mainz ihren Wunsch, eine Zeitlang im Ausland zu arbeiten. Im März geht die Abiturientin für drei Monate auf die Philippinen, dort wird sie ein Praktikum in einem Kinderheim machen. Das Kinderheim wurde von der René-Pedrozo-Hilfe gegründet, ein gemeinnütziger Verein, der seit dreißig Jahren Kinder und deren Familien auf den Philippinen unterstützt. Die Idee, den Ärmsten dort zu helfen, stammt von Familie Pedrozo, die seit langem in Mainz lebt. Daher kennt Hannah den Verein. Sein größtes Projekt war der Bau eines Heimes für Findelkinder in der Nähe von Pandi Bulacan.

Hannah weiß zwar genau, dass sie beruflich nichts im sozialen Bereich machen will - trotzdem hat sie sich entschieden, ein Vierteljahr in dem Kinderheim zu arbeiten. Es ist nicht nur die Kultur der Philippinen, die sie interessiert. „In Deutschland geht es uns sehr gut“, sagt sie. Sie möchte wissen, wie es ist, in einem Land zu sein, das von Armut geprägt ist. Sie findet es wichtig, im Leben auch solche Erfahrungen zu machen. Hannah war schon mal länger und ohne ihre Eltern im Ausland - das war im letzten Jahr. Sie lebte bei Freunden ihrer Familie in den USA, zwei Monate war sie dort, um in einer Computerfirma zu arbeiten. „Es war alles sehr amerikanisch“, erzählt sie. Die Mentalität der Leute. Und überall Fast-Food-Ketten. Das war schon anders als zu Hause in Deutschland. Trotzdem: Irgendwie war es kein fremdes Land. „Es war doch alles sehr westlich geprägt.“ Das Erlebnis der Fremde sucht Hannah jetzt auf den Philippinen.

Ein Praktikum oder Auslandssemester machen, einfach ein paar Monate jobben, die Sprache lernen. „Das macht sich gut im Lebenslauf“, findet Max. Der 22jährige BWL-Student hat schon mehrere Aufenthalte im europäischen Ausland hinter sich. England, Frankreich, auch Spanien. Er wollte seine Sprachkenntnisse verbessern. Nichts Aufregendes, sagt er. Aufregend findet er Asien. Oder Afrika. Möglichkeiten gebe es viele. Nun will er sich einmal beraten lassen.

Zu einer ausführlichen Beratung rät Norbert Wenzel jungen Menschen, die sich für einen Auslandseinsatz interessieren. Wenzel arbeitet bei Volunta, einer Gesellschaft des Deutschen Roten Kreuzes in Hessen, die weltweit Freiwilligendienste vermittelt. „Die meisten jungen Leute, die zu uns kommen, haben zwar sehr genaue Vorstellungen davon, was sie machen wollen. Trotzdem sind Beratungsgespräche wichtig, auch um das passgenaue Angebot zu finden.“ Wenzel empfiehlt, sich vorher auch sehr genau überlegen, welche Motive man habe: „Ist es die Lust auf Abenteuer? Will ich einfach nur weg? Was interessiert mich überhaupt an diesem Land?“ Das seien alles Fragen, sagt Wenzel, über die man intensiv nachdenken sollte. Er hält es auch für erforderlich, sich genau über den Träger der Freiwilligendienste zu informieren: „Gibt es schriftliche Vereinbarungen, einen Vertrag, der mich im Ausland absichert? Werden die Teilnehmer gut auf ihren Einsatz vorbereitet?“ All das seien wichtige Kriterien für die Auswahl des Trägers.

Max will sich jetzt bei „Weltwärts“ bewerben, dem entwicklungspolitischen Freiwilligenprogramm der Bundesregierung. "Weltwärts" vermittelt Einsätze in allen Kontinenten und arbeitet mit etwa 350 Einrichtungen zusammen. Aber auch die Kirchen bieten freiwillige Dienste an, vor allem in Afrika, Lateinamerika und Osteuropa. Das Angebot ist groß und vielfältig - für jeden ist etwas dabei.

Links:

Literatur:

Georg Beckmann. Das Au-Pair Handbuch: Europa und Übersee. Aupairs, Gastfamilien, Agenturen. Interconnections 2009. 15,90 Euro

Katja Clowes / Jörn Fischer. Internationale Freiwilligendienste: Lernen und Helfen im Ausland. Interconnections 2010. 15,90 Euro.

Annike Henrix / Jens Hirschfeld / Thomas Terbeck. Handbuch Weltentdecker. Der Ratgeber für Auslandsaufenthalte: mit übersichtlichen Service-Tabellen für Au-Pair, Freiwilligendienste, Gastfamilie ... Sprachreisen, Studium, Work & Travel. Weltweiser 2010. 14,80 Euro

Thomas Terbeck. Handbuch Fernweh. Der Ratgeber zum Schüleraustausch: mit übersichtlichen Preis-Leistungs-Tabellen von High-School-Programmen für 18 Gastländer. Weltweiser 2010. 18,50 Euro

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