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Interview mit Norbert Wenzel, Volunta

Was reizt junge Leute an einem Auslandsaufenthalt?

Den meisten Jugendlichen geht es darum, ihren Horizont zu erweitern, sie wollen ihre Sprachkenntnisse verbessern oder diese überhaupt erst einmal erwerben. Viele wünschen sich, eine andere Kultur kennenzulernen, andere wollen einfach bloß weg. Sie wollen einmal etwas anderes sehen und erleben. Gerade bei jungen Menschen ist das verständlich. Und dann gibt es noch die Motivation, in anderen Ländern helfen zu wollen.

Können denn die Erwartungen der Jugendlichen erfüllt werden?

 

Was auf jeden Fall passiert: Die Jugendlichen entwickeln sich weiter. Ich habe noch keinen getroffen, der genauso zurückkam, wie er losgefahren ist. Diese persönliche Reifung ist spürbar, man sieht sie den Leuten förmlich an. Sie haben viel über das Land erfahren, in dem sie gewesen sind, sie beschäftigen sich intensiver mit den Problemen dieser Region, sie sind offener für die Nachrichten, die von dort kommen. Sie haben neue Freunde gewonnen, sie haben Kontakte im fremden Land. All das verändert einen Menschen. Und was auch ein Aspekt ist: So ein Auslandsaufenthalt führt immer dazu, die eigene Herkunftskultur besser zu verstehen. Die wird einem, wenn man eine Zeitlang im Ausland lebt, oft zum ersten Mal richtig bewusst.

Raten Sie jedem zu einem solchen Auslandsaufenthalt?

Zunächst sollte man offen sein gegenüber neuen Eindrücken und anderen Lebensstilen. Wer erwartet, dass überall auf der Welt deutsch oder zumindest englisch gesprochen wird, wen schon die Geräuschkulisse der Einwanderer-Familie nebenan nervt - also der ist, glaube ich, nicht der richtige Kandidat für so ein Programm. Aber auch die, die meinen, sie hätten da keine Probleme, müssen erleben, dass es in der Konfrontation mit der fremden Situation Schwierigkeiten geben kann. Und die gehören auch dazu: Das Spannende ist doch, wie man damit klarkommt. Ich denke, niemand sollte allzu große Erwartungen haben an sein Gastland. Man sollte einfach offen sei, für das, was einen dort erwartet.

Gibt es ein Mindestalter für Ihre Programme?

 

Wir haben Angebote, die gehen mit fünfzehn Jahren los, das sind eher schulisch orientierte Auslandsaufenthalte. Wir bieten zum Beispiel ein Kombijahr an, das heißt: Die Jugendlichen besuchen die Schule und haben die Möglichkeit, ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung zu machen. Dann gibt es Programme, da stehen eher der Spracherwerb und das interkulturelle Lernen im Mittelpunkt. Wir bieten auch kurzzeitige Aufenthalte von sechs Wochen Dauer an. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, die ganze Palette vom Au Pair-Aufenthalt bis zum Internationalen Jugendfreiwilligendienst. Am besten lässt man sich beraten.

Ist es nicht auch riskant, ins Ausland zu gehen?

 

Man darf nicht unvorbereitet losfahren, man muss wissen, wie funktioniert das im Gastland. Alltagskriminalität ist so ein Thema. Wenn man in Entwicklungsländer geht, muss man in besonderer Weise auf die eigene Gesundheit achten. Das sind alles Themen, die wir in Vorbereitungsseminaren vermitteln. Wir entsenden nur in Länder, die eine gewisse politische Stabilität haben. Sollte es einmal Probleme geben, haben wir gute Voraussetzungen, um einzugreifen: Wir arbeiten weltweit innerhalb und außerhalb der weltumspannenden Rotkreuzbewegung mit erfahrenen Partnern zusammen, das ist eine gute Infrastruktur für den Fall des Krisenmanagements.

Kann sich denn jeder einen solchen Aufenthalt im Ausland leisten?

 

Ich bin früher monatelang arbeiten gegangen, um mir einen Jahresaufenthalt in Costa Rica zu finanzieren. Heute kann sich das ein junger Mensch kaum noch leisten, der Druck ist groß. Für die jungen Leute ist es schwieriger geworden. Es gibt zwar Programme, die relativ großzügig staatlich gefördert werden, aber ganz ohne Geld geht es nie. Wir regen deshalb an, sogenannte Unterstützerkreise zu bilden, das heißt bei uns „friends and family“. Der Jugendliche macht quasi Werbung für das, was er im Ausland vorhat, und sucht sich dafür Sponsoren im Verwandten- und Bekanntenkreis. Das funktioniert ziemlich gut, die jungen Leute sind da sehr kreativ.

Bleiben die besorgten Eltern - werden die denn auch ein bisschen betreut?

 

Bei den jüngeren Teilnehmern werden die Eltern mit einbezogen, sie nehmen an der Vorbereitung teil. Aber auch bei denen, die schon volljährig sind, haben wir immer mal wieder Anrufe von Eltern. Zum Beispiel, wenn Nachrichten kommen, die die Eltern verunsichern. Wir klären dann ab, ob tatsächlich ein Problem vor Ort besteht.

Aber es ist einfacher geworden als früher, da war es schwer, den Kontakt zu den Kindern im Ausland zu halten. Ein Brief war wochenlang unterwegs. Heute bloggen die jungen Leute, man kann live verfolgen, was sie erleben. Es gibt engen Kontakt über E-Mail oder Skype. Die Welt ist zu einem Dorf geworden. Das beruhigt Eltern. Viele Eltern nutzen auch die Möglichkeit, im Rahmen einer Urlaubsreise ihre Kinder im Ausland zu besuchen.

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