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Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können, ist ein zentrales Anliegen der Lokalen Bündnisse für Familien. Die Servicestelle für lokale Bündnisse in Rheinland-Pfalz stellt nachfolgend die Arbeit von "ZeitZeichen", Informationsstelle für innovative Arbeitszeitmodelle beim Institut für Mittelstandsökonomie an der Universität vor. Sie berät alle Interessenten, die nach Lösungen für familiengerechte Arbeitszeiten suchen. Das nachfolgende Interview wurde mit Martina Josten, Projektleiterin von "ZeitZeichen" geführt.
Wie sieht ein familienfreundliches Arbeitszeitmodell aus?
Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle ermöglichen es, die eigene Arbeitszeit auf familiäre Anforderungen wie Kinderbetreuung oder Pflege abzustimmen. Das kann dauerhaft der Fall sein, wenn beispielsweise Eltern ihre Arbeitszeiten an die Öffnungszeiten einer Kindertagesstätte anpassen müssen oder auch für akute Engpässe wie die Erkrankung eines Familienmitglieds in Frage kommen.
Die Arbeitszeit wird grundsätzlich von drei Faktoren bestimmt: Dauer (z.B. 35 Stunden pro Woche), Lage (z.B. von 9-17 Uhr) und Verteilung (z.B. von Montag bis Freitag). Familienfreundlich ist ein Arbeitszeitmodell dann, wenn mindestens einer dieser Faktoren dauerhaft veränderbar ist und wenn Arbeitnehmende gleichberechtigt Einfluss auf die Gestaltung der flexiblen Arbeitszeit haben.
Wie kann das in der Praxis aussehen?
Bei einem Arbeitszeitkonto ist die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit variabel. Zwar wird eine Arbeitszeit von beispielsweise 35 Stunden vereinbart, davon kann aber nach oben und unten abgewichen werden. Arbeitnehmende können so "Zeitguthaben" und "Zeitschulden" aufbauen. Das angesammelte "Zeitguthaben" könnte dann in den sechswöchigen Sommerferien abgebaut werden, die Eltern häufig vor große Probleme stellen.
Der Klassiker unter den flexiblen Arbeitszeitmodellen ist Teilzeit. Eine der Varianten ist Teilzeit in Heimarbeit (Telearbeit). Häufig wird dieses Modell im Rahmen der Elternzeit genutzt. Denn ein Ausstieg aus dem Berufsleben würde aus Sicht des Unternehmens zu einem vollständigen Verzicht auf das Know-how der Beschäftigten führen und oft auch deren Dequalifikation bedeuten.
Für wen kommen familienfreundliche Arbeitszeitmodelle in Frage?
Prinzipiell können in allen Branchen und für alle Beschäftigte familienfreundliche Arbeitszeitmodelle konzipiert werden. Zwar gibt es Wirtschaftszweige und Arbeitsformen, in denen dies auf den ersten Blick schwierig erscheint wie Schichtdienst oder Einzelhandel, doch auch hier geht man mit innovativen Arbeitszeitmodellen neue Wege.
Ein Beispiel, das in vermeintlich "familienunfreundlichen" Branchen von einer starren Arbeitszeit weg geht, ist das Modell der "Arbeitszeitfestlegung im Team": Hier werden Service- und Funktionszeiten vereinbart, in denen Kunden immer einen Ansprechpartner antreffen oder die Produktion läuft. Innerhalb dieser Service- und Funktionszeiten wird die Arbeitszeit durch die Beschäftigten eigenverantwortlich frei gestaltet.
Gibt es denn handfeste wirtschaftliche Vorteile für die Unternehmen?
Die Unternehmen können beispielsweise ihre Betriebszeiten erweitern. Sie haben dadurch längere Ansprechzeiten und einen besseren Service, da sie flexibler auf die Wünsche ihrer Kunden eingehen können. Darüber hinaus kann die unternehmerische Tätigkeit an saisonale oder konjunkturelle Schwankungen angepasst werden.
Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle können Mitarbeiter langfristig binden und verhindern, dass betriebsspezifisches Know-how ausfällt. Mehrkosten bei der Rekrutierung, Einarbeitung oder Nachschulung von Personal fallen dadurch niedriger aus. Und es wird nachweislich ein Beitrag zur Reduzierung von Fluktuation, Fehlzeiten und Krankenstand der Beschäftigten geleistet.
Denn eine familiengerechte Arbeitszeitgestaltung erhöht etwa aufgrund der geringeren Stressbelastung die Motivation und Zufriedenheit der Beschäftigten. Auch die Chancen beim Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitende mit Blick auf den zukünftigen Fachkräftemangel steigen.
Warum werden familienfreundliche Arbeitszeiten immer stärker nachgefragt?
Die klassische Rollenverteilung -männlicher "Ernährer", weibliche "Erzieherin" - wird in immer mehr Familien aufgeweicht: Männer übernehmen verstärkt Familienaufgaben; und Frauen wollen oder können trotz der Entscheidung für Familie nicht auf ihren Beruf verzichten. Führungskräfte wollen in stärkerem Maße Beruf und Familie vereinbaren. Teilzeitarbeit könnte dadurch aus ihrem Nischendasein als Domäne für "unterbezahlte" Frauenarbeit in hierarchisch niedrigen Positionen befreit werden.
Und auch die Unternehmen selbst sind zunehmend auf familienfreundliche Arbeitszeitmodelle angewiesen, da sie dadurch das Know-how der Beschäftigten binden können. Durch das Angebot familienfreundlicher Arbeitszeiten kann also eine Win-win-Situation geschaffen werden, die berufliches und familiäres Engagement ermöglicht. Starre Arbeitszeiten dürften dagegen entweder einen Rückzug der Beschäftigten aus dem Beruf oder Unzufriedenheit und eine wesentlich geringere Motivation im Beruf zur Folge haben.
Wie sieht die Zukunft aus?
Bei Männern ist bereits der geäußerte Wunsch nach Teilzeit mehrheitlich immer noch als "Karrierekiller" stigmatisiert. Hier gilt es, Arbeitgebende und Beschäftigte zu sensibilisieren. Mit Blick auf die relativ kurzen Teilzeitarbeitszeiten und die relativ langen Vollzeitarbeitszeiten in Deutschland wünschen sich Frauen, die 85% aller Teilzeitbeschäftigten stellen, häufig attraktivere Arbeitszeitmodelle, die zum Beispiel ein höheres Einkommen und die Wahrnehmung familiärer Aufgaben zugleich ermöglichen.
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