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Väter in Elternzeit

Spielen, wickeln, spazieren gehen, Babyschwimmen, einkaufen und Kinderarzttermine wahrnehmen. Seit drei Monaten bestimmt die kleine Lotte den Alltag von Christoph K., denn er ist in Elternzeit. Wie Christoph K. nutzen immer mehr Väter das Anfang 2007 eingeführte Elterngeld für eine berufliche Auszeit. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden seit Januar 2007 bis März 2008 insgesamt 720.000 Elterngeld-Anträge bewilligt, darunter gut 87.000 von Vätern (12,1 Prozent). <personname>I</personname>n Rheinland-Pfalz lag ihr Anteil bei 10,7 Prozent. Das Elterngeld beträgt 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoverdienstes. Es wird während der Elternzeit für zwölf Monate gezahlt. Hinzu kommen zwei weitere Monate, wenn auch der Partner für mindestens zwei Monate beruflich aussetzt.

Die Zahl der Männer, die eine Auszeit für ihre Kinder nehmen, hat sich seit Einführung des Elterngeldes mehr als verfünffacht. Beim früheren Erziehungsgeld lag ihr Anteil bundesweit konstant unter 5 Prozent. Allerdings bleiben bisher zwei Drittel der Väter nur die zwei Partnermonate zuhause. Lediglich jeder zehnte setzte beruflich ein Jahr aus - das waren bisher genau 6.884 Väter. Dagegen nehmen 89 Prozent der Mütter zwölf Monate Elternzeit.

Christoph K. bleibt ein halbes Jahr zuhause, die ersten acht Monate nach Lottes Geburt hat seine Frau Annette übernommen. <personname>I</personname>m Unternehmen war der <personname>I</personname>ngenieur der erste, der die neue Regelung in Anspruch genommen hat. Deshalb befürchtete er eine ablehnende Haltung seines Chefs und Karriereeinbußen. Doch obwohl sein Vorgesetzter sehr überrascht und nicht gerade begeistert von dem Anliegen war, reagierte er letztlich erstaunlich offen.

Empfehlenswert ist, die Väterzeit möglichst früh dem Arbeitgeber anzukündigen, damit sich das Unternehmen auf Veränderungen einstellen kann. Christoph K. hält außerdem auch während der Elternzeit Kontakt zum Unternehmen und nimmt auch mal an einer Besprechung teil, wenn es wichtig ist. Volker Baisch vom Hamburger Verein "Väter" erklärte im <personname>I</personname>nterview mit der "Zeit", dass erfahrungsgemäß die Väter, "die sich intensiv auf das Gespräch mit ihren Vorgesetzten vorbereiten, gute Chancen auf eine Auszeit haben - und darauf, danach problemlos wieder in den Job einsteigen zu können." Zunächst sollte man sich genau über die gesetzlichen Regelungen zur Elternzeit informieren und dann überlegen wie der eigene Arbeitsalltag aussieht. "Wer seine Arbeitszeit reduzieren möchte, sollte seinem Vorgesetzten konkret vorschlagen können, welche Aufgaben abzugeben wären und wer sie übernehmen könnte", so Baisch. Wichtig sei, vor dem Gespräch mögliche Reaktionen des Arbeitgebers durchzuspielen und zu überlegen, wie man auf Einwände reagieren könnte. Wie die Verhandlungen laufen, hängt letztlich auch von der Person des Vorgesetzten ab. Lebt er selbst das klassische Rollenbild, hat er möglicherweise weniger Verständnis als ein Chef, der Kinder hat und dessen Partnerin berufstätig ist.

Mit der steigenden Zahl von Männern, die im Beruf kürzertreten wollen, ändert sich allmählich auch die Einstellung der Arbeitgeber - vor allem in großen Unternehmen, die eher flexibel reagieren können als Kleinbetriebe. In einer Umfrage des Allensbach-Instituts vom März 2008 befürworteten es 61 Prozent der Personalverantwortlichen aus 508 repräsentativ ausgewählten Unternehmen, wenn Väter Elternzeit nehmen. Und die Untersuchung "Kinder und Karrieren" (2008) der Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin zeigte, dass sich das Unverständnis gegenüber Vätern vor allem im Vorfeld abspielte und das Unternehmen sich anschließend mit der Situation arrangierte. Baisch ist überzeugt, dass auch die Firmen von mehr Flexibilität profitieren: "Wer eine Zeitlang ein Kind betreut, lernt vieles, das auch im Beruf wichtig ist: Einfühlungsvermögen, Führungsstärke, Flexibilität, Konfliktfähigkeit. Eigentlich ist so ein Erziehungsurlaub aus Sicht der Betriebe wie eine Weiterbildung, die sie nicht bezahlen."

Für die Beziehung zwischen Vater und Kind lohnt sich der Einsatz in jedem Fall. Christoph K., der bei seinem Sohn Tom (3) noch keine Väterzeit genommen hat, erlebt die Erfahrung, Lotte während ihrer ersten Lebensmonate so nah und rund um die Uhr zu begleiten, als etwas einmaliges. Längst ist klar, dass Väter eine zentrale Rolle für ihre Kinder spielen. Die Bindungsqualität steigt und es entsteht ein engeres Vertrauensverhältnis, wenn Väter mehr Betreuungs- und Erziehungsaufgaben übernehmen. Während der Elternzeit können Väter ihr Kind im Alltag erleben, wie es sonst nicht möglich wäre. Sie entwickeln ein größeres Verständnis für die Bedürfnisse und Verhaltensweisen ihrer Kinder. Untersuchungen haben gezeigt, dass Kleinkinder, die eine enge Bindung zu ihrem Vater besitzen, später besser mit emotionalem Stress zurechtkommen. Die kanadische Soziologin Andrea Doucet hat zudem beobachtet, so schreibt die "Süddeutsche Zeitung", dass Väter eher als Mütter den Nachwuchs anspornen, Risiken einzugehen und selbstständig zu werden.

Auf die Partnerschaft der Eltern wirkt es stabilisierend, wenn beide Partner in beiden Welten - der beruflichen und der familiären - zu Hause sind, so die Studie "Kinder und Karrieren". Durch die Erwerbsunterbrechung erfahren auch Väter, was es heißt, rund um die Uhr ein Kind zu versorgen und den Haushalt zu führen. Wer einmal die Rollen getauscht hat, wird dem anderen nicht so schnell Vorwürfe machen. Die Umverteilung der Rollen kann aber auch zu Konflikten führen. <personname>I</personname>n der Regel nehmen die Mütter die ersten Monate nach der Geburt Elternzeit und organisieren die Kinderbetreuung und den Haushalt nach ihren Vorstellungen. Das dann auf einmal dem Vater zu überlassen, der manches sicherlich anders macht, ist oft nicht leicht. Auch Christoph hatte anfangs Probleme, sich als Organisator des Haushalts durchzusetzen und sich von Annette nicht ständig reinreden zu lassen. Damit die neue Rollenverteilung klappt, sollten Eltern ihre Erwartungen und Vorstellungen immer wieder besprechen.

Links:

Elterngeld: Informationen des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz

http://www.masgff.rlp.de/Familie/Familienfoerderung/Elterngeld.asp

Familienservice "Das neue Elterngeld":

http://www.familienservice-rlp.de/index.php?id=415&L=0%20class%3Dl

Informationen des Bundesfamilienministeriums zu Elternzeit und Elterngeld

http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Service/themen-lotse,did=76746.html

"Elterngeld und Elternzeit", Broschüre des Bundesfamilienministeriums zum Bestellen und als Download

http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Service/themen-lotse,did=89272.html

Im 2001 gegründeten Hamburger Verein "Väter" haben sich Väter zusammengeschlossen, die in Elternzeit sind oder waren oder aus familiären Gründen reduziert arbeiten. Auf seiner Website informiert der Verein über Elternzeit für Väter - von rechtlichen Rahmenbedingungen bis zu Argumentationshilfen gegenüber dem Arbeitgeber.

http://www.vaeter.de/beruf/strategien/elternzeit_nehmen

Literatur:

Stefan Frey: Papas große Zeit - Kleiner Elternzeitratgeber für Männer, Novum Verlag 2008, ISBN: 3-850-222-640

106 Seiten, 15,90 Euro.

Svenja Hofert: Papa ist die beste Mama, MVG Verlag 2007, ISBN: 3-636-063-103, 225 Seiten, 15,90 Euro. 

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