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Marita Krist ist Dipl.-Sozialpädagogin sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Sie leitet die Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Hermeskeil.

Für Eltern mag die Trennung ein Befreiungsschlag sein, für Kinder ist es meist eine Katastrophe ...

Wie belastend eine Trennung ist, hängt vom Konfliktniveau der Eltern ab. Es gibt eine kleine Gruppe, etwa 5 bis 10 Prozent der Trennungspaare, die "hochstrittig" sind. Die Konfliktthemen eskalieren zunehmend, es wird um alles gestritten und zum Schluss geht es nur noch darum zu gewinnen, egal um welchen Preis. Dabei werden auch die Kinder massiv instrumentalisiert. Diese Kinder entwickeln große Ängste bis hin zu psychischen Krankheiten und brauchen dringend professionelle Hilfe. Das ist aber wirklich nur eine kleine Gruppe. Für die meisten Familien ist eine Trennung nur vorrübergehend belastend und führt nicht zwangsläufig zu Verhaltensauffälligkeiten der Kinder, weil den Eltern gute Vereinbarungen gelingen. Eine Trennung kann auch der Wechsel in einen harmonischen, stressfreien Alltag sein.

Wie reagieren Kinder auf die Trennung ihrer Eltern?

Jedes Kind reagiert natürlich anders, aber einige Reaktionen zeigen fast alle Kinder: Angst verlassen zu werden, Misstrauen gegenüber anderen Menschen, Wut und Trauer, weil sie die Trennung nicht wollen. Oftmals entwickeln Kinder Schuldgefühle und glauben, die Eltern trennen sich, weil sie mal frech waren. Manchmal leidet auch das Selbstbewusstsein und Kinder trauen sich Dinge nicht mehr zu, die vorher kein Problem waren.

Kinder zwischen etwa 3 und 10 Jahren leiden am stärksten unter der Trennung ihrer Eltern. Das ist auch die Altersgruppe, die am häufigsten von der Trennung ihrer Eltern betroffen ist. Jungs zeigen ihre Betroffenheit eher durch Auffälligkeiten nach außen wie Aggressivität oder schlechte Schulleistungen. Mädchen verstecken ihre Gefühle wie Trauer und Wut meist, scheinen sehr vernünftig und neigen dazu, sich um den Elternteil zu sorgen, dem es augenscheinlich schlechter geht.

Wie können Eltern ihren Kindern die Trennung erleichtern?

Wenn man Kinder in Trennungssituationen fragt, was sie sich wünschen, sagen sie meist einstimmig: "Meine Eltern sollen aufhören zu streiten und nicht schlecht über den anderen reden". Deshalb ist es wichtig, dass Eltern versuchen, sich selbst zu stabilisieren, denn die Kinder orientieren sich an den Eltern. Je klarer sie mit der Krise umgehen und sich eingestehen, dass sie Probleme haben, umso besser kann ihr Kind die Situation verstehen und einschätzen.

Kinder brauchen die Sicherheit, dass sie sich weiterhin auf beide Eltern verlassen können. Wichtig ist, dass Eltern faire Absprachen bezüglich Alltagsgeschäft und Umgang treffen, die auch eingehalten werden, und gut zusammenarbeiten, also sich auch nach der Trennung über den Alltag des Kindes austauschen. Kinder wollen weiterhin den Kontakt zu vertrauten Personen wie Opa und Oma, Tante und Onkel. Behalten Eltern Rituale, beispielsweise ein Zubettgeh-Ritual oder gemeinsame Essenszeiten, machen sie ihrem Kind deutlich dass es sich weiterhin auf sie verlassen kann. Und Kinder brauchen ein soziales Netz aus Freunden und Großeltern, wo sie Abstand zu der Krisensituation haben können. Es ist auch sinnvoll Kinder an gewissen Dingen zu beteiligen, zum Beispiel das Kinderzimmer in der neuen Wohnung einzurichten.

Wann und wie sollten Eltern den Kindern sagen, dass sie sich trennen werden?

Schon wenn sich eine Trennung anbahnt sollten Eltern aktiv das Gespräch mit ihren Kindern suchen und ihnen versichern, dass die Auseinandersetzungen nur Sache der Eltern sind und nichts mit den Kindern zu tun haben. Die Trennung selbst sollten Eltern aber erst ansprechen, wenn sie direkt bevorsteht, also der Auszugstermin des einen Elternteils feststeht - sonst macht man Kindern unnötig Ängste. Ideal wäre es, wenn dann beide Eltern gemeinsam mit den Kindern reden. Kinder wollen in dieser Situation keine Details der Trennungsgeschichte hören, sondern was das für sie bedeutet, was sich verändert und was bleibt, und zwar so konkret wie möglich: Wo wohnt das ausziehende Elternteil? Wann darf ich ihn sehen? Wie komme ich da hin? Ist da auch mein Kuscheltier und werde ich da Freunde haben?

Haben Kinder ein Mitspracherecht, bei welchem Elternteil sie leben wollen?

Eltern sind gesetzlich dazu verpflichtet, den Willen des Kindes zu berücksichtigen und Entscheidungen zum Wohle der Kinder zu treffen. Sie sollten die Wünsche ihrer Kinder berücksichtigen, aber ich würde nie raten, Kinder direkt zu fragen, bei wem sie leben wollen. Damit bringt man sie nur in Loyalitätskonflikte. Kinder und Jugendliche signalisieren meist von sich aus deutlich, bei wem sie leben wollen. Das sollten Eltern akzeptieren - wenn es umsetzbar ist - selbst wenn es nicht leicht fällt. Sofern Beratungsstellen, das Jugendamt oder das Familiengericht Eltern im Scheidungsverfahren begleiten, werden Kinder immer beteiligt.

Wo können sich Eltern bei Beziehungskonflikten oder im Trennungsfall Hilfe holen?

Beim zuständigen Jugendamt, sowie Erziehungs-, Ehe-, und Familienberatungsstellen in Trägerschaft zum Beispiel der Caritas oder des Diakonischen Werkes. Mediatoren helfen dem Paar, gute Lösungen im Trennungsfall zu finden und auch psychotherapeutische Hilfe ist möglich. Die Beratungsstellen des Bistums haben auch pädagogisch-therapeutische Angebote für Kinder aus Trennungsfamilien. Erste Unterstützung bieten zudem Erzieherinnen, Lehrer und Anwälte. Sie haben in der Regel Adresslisten von Beratungseinrichtungen. Sie sind oft die ersten Ansprechpartner für die betroffenen Eltern.

Lebensberatungsstellen des Bistums Trier in Rheinland-Pfalz und im Saarland:

Beratungsangebote der Evangelischen Kirche in Rheinland-Pfalz:

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