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Ein Interview mit Klaus Wilms und Petra Sandmann-Gilles, Referat Gesundheitsförderung der AOK - Die Gesundheitskasse in Rheinland-Pfalz
Mit der Einschulung verändert sich der Alltag von Kindern sehr stark. Was sollten die Eltern beachten?
Wilms: Die Kinder sollten vor allem die Möglichkeit erhalten, sich frühzeitig auf den neuen Tagesrhythmus einzustellen - also nicht erst am ersten Schultag, sondern möglichst schon ein bis zwei Wochen vorher. Sie brauchen beispielsweise mehr Schlaf und klar geregelte Abläufe, um besser lernen zu können. Vielleicht ist es auch nötig, den Freizeitkalender zu durchforsten, um besonders in der Anfangsphase die Belastung zu reduzieren.
In jedem Fall sollten die Eltern vermeiden, dass die Kinder nach dem Tag in der Schule direkt wieder nur sitzen - etwa vor dem Computer, dem Fernseher oder vor den Hausaufgaben. Es ist wichtig, feste Bewegungszeiten für das Kind einzuplanen. Denn Kinder brauchen Bewegung, um hinterher konzentriert lernen zu können. Da ist auch ein Schulweg, der zu Fuß zurückgelegt wird, kein Nachteil.
Wie bereiten die Eltern ihr Kind auf den Schulweg vor?
Wilms: Die Gestaltung des Schulwegs und das Alter, ab dem ein Kind allein zur Schule gehen kann, hängen sehr stark von den räumlichen Gegebenheiten ab. In der Stadt Ludwigshafen wird das sicher anders sein als im Hunsrück oder im Pfälzer Wald. In jedem Fall muss das Kind den Schulweg und die dort auftretenden Gefahrenstellen in- und auswendig kennen, bevor es alleine losgeht. Denn in der Gefahrensituation muss es automatisch reagieren, für Überlegungen ist ein Grundschüler einfach noch zu klein. Daher muss der Schulweg intensiv trainiert werden. Die Eltern sind dabei nur Begleiter. Das Kind geht den Weg eigenverantwortlich, die Eltern greifen nur im Notfall ein und klären durch Rückfragen die Gründe für die Entscheidungen des Kindes.
Wie sieht es mit anderen wichtigen Vorbereitungen aus: Was ist beispielsweise beim Schulranzenkauf zu beachten?
Wilms: Auf keinen Fall sollte der Ranzen als Überraschung unter dem Weihnachtsbaum liegen. Das Kind sollte ihn wie ein paar Schuhe vorher selbst anprobieren. Schon im Fachgeschäft muss das Kind den Ranzen selbst einstellen können. Denn im Schulalltag muss es auch alleine mit den Trageriemen zurechtkommen, je nachdem ob es den Ranzen mit oder ohne Jacke trägt, ob ein Sportbeutel mit reinkommt oder nicht. Die Gurte sollten gut gepolstert sein und nicht scheuern. Es sollte nichts haken und nichts klemmen. Darüber hinaus benötigt der Ranzen Lichtreflektoren und Leuchtfarben für die dunklen Monate. Ranzen in dunkelgrau und schwarz sind für Schulanfänger ebenso wenig geeignet wie die so genannten Schulrucksäcke, die nicht über die notwendige ergonomische Passform verfügen.
Einer der wichtigsten Faktoren neben Passform und Ergonomie ist das Gewicht: In den ersten beiden Jahren sollte der Ranzen leer nicht mehr als 1200 Gramm wiegen, später nicht mehr als 1500 Gramm. Das Gesamtgewicht sollte dann zehn Prozent des Körpergewichtes nicht übersteigen.
Dann kann ein zierliches Mädchen von 18 Kilogramm außer dem Schulbrot und dem Getränk fast nichts einpacken??
Wilms: Das stimmt. Da ist es sehr sinnvoll, vorher mit den Lehrern abzusprechen, was denn tatsächlich von den Kindern hin- und hergetragen werden muss. Sie sollten nur die Bücher mit nach Hause nehmen, die sie auch tatsächlich für die Hausaufgaben brauchen. Der Rest kann in der Schule bleiben. Klassenweise oder schulweise lässt sich vielleicht auch organisieren, dass Getränke in der Schule vorrätig sind, so dass die Kinder diese nicht tragen müssen. Beim Packen am Morgen oder am Vorabend sollten Eltern darauf achten, dass keine Dinge im Schulranzen landen wie Elektronikgeräte oder Spielzeug, die zum Unterricht nicht nötig sind.
Und wie sieht das optimale Pausenbrot aus?
Sandmann-Gilles: Damit die Kinder es mit Spaß und Appetit essen, sollte es ein leckeres Pausenbrot sein, das auch optisch attraktiv ist. Kinder mögen gerne bunte Sachen. Daher empfiehlt es sich, auf jeden Fall mundgerechte Stücke von Möhre oder Gurke oder einige rote Cocktailtomaten mitzugeben. Dazu ein Vollkorn- oder Mehrkornbrot oder -Brötchen, dünn mit Streichfett versehen und mit magerem Käse oder Wurst belegt. Keinesfalls sollte es täglich die fette Salami sein, sondern auch mal Schinken oder Schinkenwurst. In drei bis vier Stücke geschnitten und in eine Brotdose gepackt sieht das Pausenbrot auch nach zwei Stunden noch lecker aus und wird nicht matschig. Für die zweite Pause kann man dem Kind noch etwas Obst mitgeben, das am besten schon in handliche Stücke geschnitten oder zerlegt wurde.
Als Getränk empfiehlt sich Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertee, leicht oder gar nicht gesüßt oder Saftschorlen mit viel Wasser. Während der Schulzeit braucht das Kind 300 bis 500 Milliliter, also knapp die Hälfte seines Tagesbedarfs. Denn Trinken ist wichtig für die Konzentration.
Und wann kommen Süßigkeiten ins Spiel? In der Schultüte?
Sandmann-Gilles: Natürlich können die Eltern die eine oder andere Süßigkeit in die Schultüte packen. Sinnvoller sind jedoch praktische Dinge für die Schule wie Lineal, Stifte, ein bunter Radiergummi oder das Mäppchen, falls das Kind noch keines hat. Auch eine leichte Brotdose, eine Trinkflasche, der zusammengerollte Stundenplan oder bunte Sportsocken kann das Kind gut gebrauchen. Darüber hinaus machen ihm kleines Spielzeug wie ein Springseil, Schlüsselanhänger oder Tauschbilder eine Freude. Obendrauf noch ein paar Minitütchen Gummibärchen und ein Apfel und der erste Schultag ist perfekt!
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