Sie befinden sich auf den Internetseiten von VIVA FAMILIA - Servicestelle für Lokale Bündnisse in Rheinland-Pfalz.



Drucken

Seite durchsuchen zurück zu letzten Seite Seite ausdrucken

Inhalt

Ferien zuhause - das Interview

Cordue heißt mit bürgerlichem Namen Cordula von Heymann. Sie ist diplomierte Bildende Künstlerin und an der Kinder- und Jugendkunstschule (KiJuSch) in Saarburg für das Ferienprogramm zuständig

Welche Angebote hat das Mehrgenerationenhaus in Saarburg für Familien und Kinder, die in den Ferien zuhause bleiben?

Wir haben am Mehrgenerationenhaus in Saarburg 2008 die Kinder- und Jugendkunstschule gegründet (KiJuSchu) und bieten in den Schulferien Ferienwerkstätten an. Unser Thema, dass uns das ganze Jahr über begleitet, heißt „Landkarten“: Wir malen beispielsweise Karten und bauen große Pappobjekte. In den Ferien wird daran ganz intensiv gearbeitet.

Die Kinder sind drei bis vier Stunden pro Tag da - vormittags die 6- bis 10-jährigen und nachmittags die Älteren - und das für wenigstens eine Woche. Als Ergebnis soll am Jahresende eine Karte der Region von Kindern für Kinder entstanden sein. Das soll wirklich eine kreative Kinderproduktion sein, die nicht von Erwachsenen gesteuert wird.

Wie ist das Interesse der Familien an den Kursen?

Die Nachfrage ist groß. Die Region um Saarburg wächst, es gibt hier sehr viele junge Familien und keine Familie kann es sich leisten, in den Sommerferien komplett sechs Wochen in Urlaub zu fahren. Von daher ist der Bedarf an Ferienprogrammen immer da.

Sind die Bedürfnisse von Kindern und Erwachsenen hinsichtlich der Feriengestaltung (zuhause) unterschiedlich? Was sollten Eltern beachten?

Erwachsene haben meist mehr das Bedürfnis nach Ruhe, Kinder wollen eher Aktivität und Entdeckungsreisen. Da muss man sich in der Familie einigen und Zeiten ausmachen, zum Beispiel: „Heute ist Elterntag und morgen Kindertag!“. Für jeden Tag gibt es dann eine „Bestimmerin“ oder einen „Bestimmer“.

Meine Erfahrung ist auch, dass Kinder heutzutage oft einen extrem durchorganisierten Alltag haben mit vielen Terminen. Davon sollten sie sich in den Ferien erholen können: Also raus gehen, Freunde besuchen, mal morgens nicht wissen, was man mit dem Tag machen wird. Auch in der KiJuSchu legen wir viel Wert darauf, dass Kinder nicht unentwegt etwas machen müssen. Wir bieten ihnen nicht ständig etwas, sondern lassen ihnen auch viel Freiraum. Was daraus entsteht, ist oft sehr überraschend und lehrreich.

Haben Sie Ideen und Tipps für die Feriengestaltung in der Heimat?

Die KiJuSchu veranstaltet am 8. August 2009 eine große Malpartie, mit Musik und DJ. Insgesamt gibt es in Rheinland-Pfalz 38 geförderte Kinder- und Jugendkunstschulen, die veranstalten bestimmt alle etwas in den Ferien.

Auch viele Museen machen Ferienprogramme, dann gibt es seit einigen Jahren die Kinderuniversitäten, die Kirchengemeinden bieten oft auch etwas an - und den Förster nicht vergessen: Viele Forstämter machen Waldcamps wie zum Beispiel bei uns das Forstamt in Trassem.

Im Sommer gibt es auch jede Menge Open-Air-Veranstaltungen und Festivals wie das „Sommer-Heck-Meck“ in der Eifel für Kinder und Jugendliche. Das Puppenmuseum in Bad Kreuznach zeigt bis Mitte September eine schöne Ausstellung über die „Augsburger Puppenkiste“.

Und in der Völklinger Hütte im Saarland gibt es die Sonderausstellung „Dein Gehirn“ zu sehen – aber auch die Hütte selber ist überwältigend beeindruckend. Einen Besuch lohnt auch das Freilichtmuseum „Roscheider Hof“ in Konz. Mit dem Rheinland-Pfalz-Ticket der Bahn sind solche Ausflüge ja auch relativ günstig.

Und wenn man mal keinen großen Ausflug machen, aber trotzdem nicht nur daheim rumhängen möchte?

Dann kann man zum Beispiel Touristen spielen und ins Tourismusbüro der Heimatstadt gehen und so tun, als ob man alles noch nicht kennt. Die Lösung liegt oft im Spielerischen – und auch Erwachsenen tut das gut, wenn sie mal spielen.

Besonders nervig sind ja Regentage. Wenn man in der Stadt wohnt, kann man dann einfach mal eine Tageskarte der Verkehrsbetriebe kaufen, mit Bus oder Straßenbahn bis zur Endstation fahren und sich erzählen, was man sieht. So lernt man die eigene Umgebung neu kennen. Etwas Witziges für schlechtes Wetter ist auch - angelehnt an die Kochshows im Fernsehen: Einer kauft 6 oder 7 Lebensmittel ein, die nicht wirklich zueinander passen, und der Rest der Familie muss daraus was kochen.

Fremde Länder bieten häufig auch fremde Kultur als Attraktion...

Man kann sich „das Fremde“ auch nach Hause holen, beispielsweise einen ausländischen Gaststudenten - wenn man die Möglichkeit dazu hat. Der Verein „Experiment e.V.“ vermittelt unter anderem solche Kontakte. In meiner Kindheit hatten wir zuhause oft ausländische Gäste und ich habe Welt dadurch kennen gelernt.

Sollten Familien die Ferien zuhause im Vorfeld planen wie eine Reise?

Ein paar Ideen für gemeinsame Unternehmungen, die man natürlich vorbereiten muss, sollte man schon sammeln. Man kann sich zum Beispiel ein 10-Punkte-Programm überlegen und jeden Vorschlag auf ein Kärtchen schreiben. Dann wird im Losverfahren gezogen. Aber unbedingt auch freie Zeit lassen, um die Seele baumeln lassen.

Weitere Informationen: 

Kinder- und Jugendkunstschule Saarburg

www.roscheiderhof.de

www.sommerheckmeck.de

www.kinderuni.rlp.de

www.voelklinger-huette.org

www.experiment-ev.de

 

Zum Bericht …