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Die Fragen im Interview beantwortet Eva Ismail. Frau Ismail ist Geschäftsführerin des Stadtjugendrings Mainz und dort unter anderem zuständig für den Geschäftsbereich "Ferienfreizeiten". Als Ansprechpartnerin steht Sie Ihnen gerne zur Verfügung.
Der Stadtjugendring Mainz e.V. ist die freiwillig gewählte, gemeinnützige Dachorganisation von derzeit 20 Jugendverbänden- und organisationen aus dem kirchlichen, sportlichen, gewerkschaftlichen und sozialen Bereich. Die Mitgliedsverbände im Stadtjugendring Mainz sind parteipolitisch unabhängig, demokratisch aufgebaut und nehmen eine öffentlich anerkannte, jugendpflegerische Tätigkeit wahr.
Frau Ismail, welche Bedeutung kommt der Ferienzeit im Sinne von gemeinsam verbrachter Familienzeit zu?
Ein gemeinsamer Urlaub bietet Familien die Möglichkeit, jenseits von zeitlichen Zwängen und der oft mühsamen Organisation des Alltags Gemeinsamkeit zu leben. Eine gelungene "Auszeit" stärkt die Familien und hilft ihnen dabei, Alltagskonflikte leichter zu bewältigen. Familie braucht gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen, Familie muss immer wieder neu erlebt und gelebt werden. Wann ginge das besser als in gemeinsam verbrachten Ferien?
Was ist zu berücksichtigen, damit die gemeinsame Familienzeit den Erwartungen aller Familienmitglieder gerecht wird?
In den Familienferien haben die Familienmitglieder die Chance, sich zu erholen, endlich wieder zu sich selbst und zueinander zu finden. Mütter und Väter brauchen ein bisschen Zeit für sich, in der sie los lassen können, das Paar braucht einmal ungestörte Zeit miteinander, und die Kinder brauchen Zeit - unverplante Zeit - mit Mutter und Vater, die im Alltag leider oft zu kurz kommt. Nicht das übervolle abwechslungsreiche Tagesprogramm allein ist familiengerecht, sondern Angebote und Urlaubsorte, die Anregungen für die gemeinsame Familienzeit geben und den einzelnen Familienmitgliedern Zeit für sich selbst ermöglichen.
Was kann man vorbeugend tun, damit es im Urlaub/ in der gemeinsam verbrachten Familienzeit nicht zum großen Streit kommt?
Bereits bei der Urlaubsplanung sollten die Interessen und Erwartungen der Familie und der einzelnen Familienmitglieder berücksichtigt werden. Für die Eltern heißt das, auch die Wünsche und Anregungen ihrer Kinder aufzunehmen und in die Urlaubsplanung mit ein zu beziehen. Und auch im Urlaub selbst bietet es sich an, noch mal die einzelnen Erwartungen und deren Umsetzung ins Auge zu fassen.
Welche Freizeitmöglichkeiten gibt es für Daheimgebliebene?
Welche Unternehmungen empfehlen Sie für die ganze Familie?
Auch die freie Zeit im eigenen Heim kann gute Erholung und Spaß für alle bringen. Ein paar Tipps vorab: Sie haben jetzt Urlaub, egal, ob Sie in Frankreich sind oder in den eigenen vier Wänden. Das heißt, der Computer bleibt aus und für die Kollegen sind Sie nicht erreichbar! Sicherlich ist die Verlockung immer groß, mal eben die E-Mails zu checken oder ein kurzes Telefonat zu führen. Aber das trübt die Urlaubsstimmung und gerade die Kinder haben sich so auf die Familienzeit gefreut! Stecken Sie vorher ab, wie viel Geld sie für die Urlaubszeit zur Verfügung haben. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind ja schon gespart! Die Bedürfnisse und Wünsche der einzelnen Familienmitglieder sind unterschiedlich, daher bietet es sich an, eine Wunsch-Woche ins Leben zu rufen. Jedes Familienmitglied hat also mindestens einen Wunsch frei, den es auf einem Blatt Papier notieren darf. Alle Wünsche werden dann in einen Briefumschlag gesteckt. Ist es eine Aktion für schönes Wetter, wird eine Sonne auf den Umschlag gemalt, ist der Wunsch etwas für trübe Tage, so wird der Umschlag mit einer Wolke gekennzeichnet. Jeden Tag wird je nach Wetterlage ein Umschlag geöffnet. So wird nach und nach jeder Wunsch erfüllt, und jeder Tag birgt aufs Neue viele Überraschungen. Hier ein paar Ideen für mögliche Wunschaktionen: Fahrradtour, Zoobesuch, Erlebnisbad, Waldspaziergang, Grillen oder Zelten - für Kinder immer ein Erlebnis. Es kommt dabei nicht darauf an, wie weit Sie wegfahren, vielmehr bereitet die Aktion an sich Spaß und Freude.
Nicht alle Eltern haben ausreichend Zeit, um ihre Kinder in der schulfreien Zeit zu betreuen. Wie stellt sich die Ferienzeit für berufstätige Eltern dar?
Kindergartenschließung und erst recht die ausgedehnten Schulferien verlangen von vielen berufstätigen Eltern Jahr für Jahr eine planerische Meisterleistung. Wer bekommt wann wie viel Urlaub? Welche Wochen werden gemeinsam mit den Kindern verbracht, und was geschieht mit der restlichen Zeit? Diese Fragen stellen sich alle Familien, die ohne zuverlässige Unterstützung von Großeltern oder privat finanzierter Kinderbetreuung zurecht kommen müssen. Nachdem eingegrenzt ist, wann Mutter, Vater oder auch beide gemeinsam Urlaubstage nehmen können, muss die Betreuung für die restlichen Wochen geplant werden.
Wie gestalten Eltern die schulfreie Zeit ihrer Kinder, wenn sie aus beruflichen Verpflichtungen die Betreuung ihrer Kinder nicht übernehmen können?
Welche Angebote gibt es für Kinder berufstätiger Eltern?
Es lohnt sich, die Ferienprogramme von Vereinen oder anderen Trägern der Jugendhilfe anzuschauen. Hier steht das Erleben in der Gruppe im Mittelpunkt und jede Menge Spaß und Action mit Gleichaltrigen. Der Stadtjugendring Mainz zum Beispiel, die gemeinnützige Dachorganisation von 20 Jugendverbänden in Mainz, unterstützt mit der Pflege der Internetseite www.jugendunterwegs.de das Engagement regionaler Veranstalter von Freizeiten. Zur Zeit kann unter 170 Angeboten ausgewählt werden: vom Erlebnis-Zeltlager im Hunsrück über einen Relaxurlaub an der Ostsee, von der Kanutour auf der Lahn über Reiterfreizeit oder Klettercamp bis hin zur naturnahen Selbstversorgungsfreizeit. Mainzer Familien mit geringem Einkommen können beim Jugendamt der Stadt Mainz einen Zuschuss zu den Teilnahmebeiträgen beantragen.
Ansonsten bieten die Ferienbetreuungsinitiativen (FBI), beispielsweise in Mainz, ein abwechslungsreiches Freizeit- und Betreuungsprogramm. Die FBI sind meist eigenständige gemeinnützige Vereine. Betreut werden können Kinder zwischen 5 und 12 Jahren, der Kostenbeitrag pro Betreuungstag liegt bei ca. 10 Euro.