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Kinder und Ernährung - das Interview

Rosel Schmitt ist Ernährungswissenschaftlerin und Diabetesberaterin (Deutsche Gesellschaft–Diabetesberatung) in Kaiserslautern 

Wie sieht eine gesunde Ernährung für Kinder aus?

Kinder sollen „groß und stark“ werden, also sich körperlich, geistig und sozial gesund entwickeln können. Dafür brauchen sie ein vielfältiges Nährstoff-Angebot, das über passende Lebensmittel und kindgerechte Mahlzeiten alltäglich angeboten wird. Neben der schmackhaften ist auch eine verträgliche Zubereitung der Speisen wichtig. Beispielsweise ist „Gekochtes“ für den Darm eines Kleinkindes oft besser verdaulich. 

Vielfältige Angebote, können Sie das genauer erklären?

Eine gesunde Nahrungsauswahl umfasst reichlich pflanzliche Lebensmittel - also Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Salat, Obst – und natürlich ausreichend Getränke. Tierische Lebensmittel wie Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Eier sollten ebenfalls, aber in mäßigen Mengen, auf den Tisch kommen. Mit fettreichen Lebensmitteln sollte man dagegen sparsam sein. Und zur Verwunderung mancher Eltern: Kindern sollen und dürfen auch naschen. Absolut unnötig sind aber so genannte „Kinderlebensmittel“ wie besondere Kinderjoghurts oder speziell beworbene Pausenriegel. Sie enthalten meist zu viel Fett und Zucker.

Eine gute Orientierung ist das Konzept der „Optimierten Mischkost“ (optimiX), dass das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund für Kinder und Jugendliche entwickelt hat. Dabei lassen sich auch die Essensvorlieben der Kinder berücksichtigen: Ab und zu Pommes oder Fischstäbchen ist völlig okay, wenn die Mahlzeiten ansonsten vielfältig sind. Und wenn’s mal schnell gehen muss, ist selbstverständlich auch ein Fertiggericht - mit einem Salat oder einem Glas Fruchtsaft ergänzt – in Ordnung. 

Wie kann man Kinder an eine gesunde Ernährung heranführen? 

Die erste Voraussetzung ist, dass dem Kind die Vielfalt der Lebensmittel tatsächlich zur Verfügung steht: Sie müssen eingekauft sein, zubereitet werden und auf dem Tisch stehen. Vor allem profitieren Kinder vom Vorbild: Wenn die Eltern das Essen, was ihre Kinder essen sollen. Kinder lernen am alltäglichen Modell durch Abschauen. Kleine Kinder brauchen außerdem ein konkretes Angebot, also: Willst du einen Apfel oder eine Birne? Mit der Frage „Welches Obst möchtest du?“ können sie nichts anfangen.

Wichtig ist auch ein regelmäßiger Rhythmus von festen Mahlzeiten, um Heißhunger zu vermeiden. Es gibt Essens-Zeiten und Zeiten, in denen wird nicht gegessen. Die Mahlzeiten sollten möglichst gemeinsam eingenommen und vielleicht auch zusammen vorbereitet werden. Was Kinder selbst (mit-)gekocht haben, essen sie viel lieber. Je nach Familien- und Arbeitssituation ist das natürlich nicht immer möglich. Ein gemeinsames Frühstück als Start in den Tag und/oder ein gemeinsames Abendessen könnte man aber versuchen einzurichten. 

Manche Kinder verweigern Obst, andere essen nur die Kartoffeln oder nur das Fleisch ...

Kinder haben bestimmte Essphasen, das ist ganz normal. Dann werden beispielsweise nur rote oder nur grüne Lebensmittel gegessen oder irgendwas rausgepult. Die Mischung über den Tag verteilt ist wichtig. Und wenn ein Kind erst den Käse isst, danach die Butter vom Brot leckt und zum Schluss das Brot isst, dann ist das auch in Ordnung.

Kinder merken sehr schnell, wenn sie mit der Verweigerung von Speisen Macht über ihre (besorgten) Eltern bekommen. 

Das heißt, Eltern sollten auch akzeptieren, wenn Kinder den Teller nicht immer leer essen? 

Kinder haben genauso wie Erwachsene Vorlieben. Außerdem müssen sie lernen eine Portion einzuschätzen und fremde oder neue Lebensmittel zu tolerieren. Essen darf nicht aufgezwungen werden. Ein Tipp wäre „zu locken“, alles sollte wenigstens mal probiert werden. 

Kinder lieben Süßes. Wie viel Süßigkeiten sind in Ordnung?

Die Vorliebe für Süßes ist uns angeboren. Deshalb mögen kleine Kinder oft keine bitteren Gemüsesorten wie Rosenkohl oder Spinat. Diese Geschmacksrichtungen müssen erst durch ein wiederholtes Angebot toleriert werden.

Wichtig ist, dass Kinder einen maßvollen Umgang mit Süßigkeiten lernen – auch dabei ist das Vorbild der Eltern entscheidend. Vor allem sollten Süßigkeiten – und überhaupt Lebensmittel - nie als Erziehungsmittel eingesetzt werden. Wenn ein Kind traurig ist, braucht es die Zuwendung seiner Bezugspersonen und keinen Pudding oder ein Stück Schokolade als Trost. Und die Regel, dass das Gemüse gegessen werden muss, damit es Nachtisch gibt, wird vermutlich dazu führen, dass ein Kind Gemüse nicht mag. Deshalb sollten süße Sachen, beispielsweise ein Pudding oder ein Stück Kuchen, ganz normal in den Speiseplan eingebunden werden. 

Heißt gesunde Ernährung = Bio-Lebensmittel?

Bio-Lebensmittel haben verschiedene Vorteile, aber sie sind nicht zwingend für eine gesunde Ernährung notwendig. Wichtig ist eine ausgewogene, abwechselungsreiche Lebensmittelauswahl in der richtigen Menge – möglichst mit saisonalem Obst und Gemüse aus Region. 

Weitere Informationen:

optimiX: Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen (2008)

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