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Susanne Mattern ist Diplom-Pädagogin und im Landesvorstand des Kinderschutzbundes Rheinland-Pfalz.
Es gibt zig Bücher und Webseiten zum Thema Kindergeburtstag. Wissen Eltern heute nicht mehr, wie sie Kindergeburtsage gestalten können?
Ich habe den Eindruck: Je mehr Ratgeber und Tipps es gibt, desto unsicherer werden Eltern. Ihr „Bauchgefühl“ und die Selbstverantwortung gehen abhanden. Das ist bei allen Themen zu spüren. Viele Eltern überlegen nicht mehr, welche Vorstellungen sie selber haben und was für ihr Kind gut ist, sondern kaufen erst mal ein Buch. Die Verunsicherung, etwas nicht richtig zu machen, ist tatsächlich groß.
Ab welchem Alter ist ein Kindergeburtstag sinnvoll?
Eltern spüren, wann Kinder anfangen, sich dafür zu interessieren. Es gibt Zweijährige, die sind schon sehr „fit“, weil sie in die Krippe gehen oder ältere Geschwister haben. Die wissen zwar nicht wann ihr Geburtstag ist, aber wenn man ihnen sagt: „Bald hast du Geburtstag“, freuen sie sich auf diesen besonderen Tag. Manches Einzelkind, das nicht in der Krippe oder einer Spielgruppe ist, hat vermutlich nicht so früh Interesse an seinem Geburtstag.
Eltern sollten auch überlegen, ob es Kinder gibt, über deren Besuch sich das Geburtstagskind freuen würde und ab welchem Alter sie selbst die Kapazitäten für einen Kindergeburtstag haben, ohne sich selbst zu überfordern.
Die Kinder sind ja die Gastgeber. Sollten sie frei aussuchen dürfen, welche und wie viele Kinder eingeladen werden?
Solche Fragen sind eine gute Möglichkeit, mit Kindern demokratisches Verhalten einzuüben. Eltern sollten nicht direkt über Formalien verhandeln, sondern erst einmal das Anliegen verstehen, wenn ihr Kind am liebsten alle einladen und niemanden ausschließen möchte – das ist ja auch ein positiver Zug. Erst dann das Problem schildern, das eben nicht die ganze Kindergartengruppe kommen kann, weil das den Rahmen sprengt. Eltern sollten ihren Kindern helfen zu entscheiden, wer unbedingt kommen soll. Der Hinweis, dass ja im Kindergarten zusätzlich mit der ganzen Gruppe gefeiert wird, kann bei der Entscheidung helfen.
Manchmal gibt es auch den Konflikt, dass Eltern mit anderen Eltern befreundet sind und sich verpflichtet fühlen, deren Kinder einzuladen – auch wenn die Kinder untereinander nicht befreundet sind. Auch das sollte man offen ansprechen und den Kindern erklären, was das eigene Problem ist. Wenn das Geburtstagskind sich sträubt, sollte man ehrlich mit den Freunden sprechen.
Was ist wichtig, was sollten Eltern planen und bedenken?
Die Überlegung sollte sein: Was möchte und braucht das Kind? Manchmal wollen Kinder genau das, was andere machen. Meine Erfahrung ist auch, dass Jungen und Mädchen da oft auch unterschiedlich sind: Während viele Mädchen einen Kuchentisch und Spiele wie Topfschlagen mögen, wollen Jungs eher frei spielen und toben. Gut für die Eltern-Kind-Beziehung ist auf jeden Fall, gemeinsam die Einladung zu gestalten, mit dem Kind Spiele auszusuchen und zu dekorieren.
Was Kinder nur selten schon überblicken können, ist der zeitliche Rahmen. In der Regel sind im Kindergartenalter drei Stunden Geburtstagsfeier genug. Dann ermüden die Kinder und es gibt schnell Streit und Tränen.
Wie viel sollten Eltern steuern und beispielsweise Spiele vorgeben?
Auf gar keinen Fall zu viel. Wenn die Hälfte der vorbereiteten Spiele weg fällt, sollten Eltern nicht sagen: „Und das noch und das noch.“ Oft spielen die Kinder irgendwann für sich und je schöner sie sich selbst überlassen spielen, desto glücklicher können Eltern sein. Ein Kindergeburtstag muss nicht drei Stunden Dauerstress für die Eltern sein. Sie können es sich ja selber auch mal mit einer Tasse Kaffe gemütlich machen. Das erlauben sich viele Eltern aber nicht und vergessen vor lauter Perfektionismus, dass der Geburtstag auch ein schöner Tag für sie sein kann.
Kindergeburtstage entwickeln sich zunehmend zu einem Event, man feiert Motto-Partys, geht in den Zoo oder ins Museum. Was ist das richtige Maß?
Das sollte man nach den Bedürfnissen des Kindes und nach den , z.B. räumlichen und finanziellen Möglichkeiten der Eltern entscheiden. Auch hier sollten Eltern keine Macht ausüben und einfach sagen: „Darüber brauchen wir nicht zu reden, das gibt’s nicht.“ Wichtig ist zuzuhören, warum ein Kind etwas möchte. Eltern sollten sich auch fragen: Wie ist das Konkurrenzverhalten zu anderen? Geht es hier noch um das Kind oder darum, wer die tollste Party ausrichtet? Und wie ist denn noch eine Steigerung möglich, wenn schon der vierte Geburtstag ein riesiges Event ist? Der richtige Rahmen ist eine „Win-Win-Situation“: Wenn das Kind und die Eltern zufrieden sind und die Eltern alles zeitlich, inhaltlich und auch finanziell verantworten können.
Fast schon eine ungeschriebene Regel ist die kleine Geschenk- oder Süßigkeiten-Tüte, die es nach einem Geburtstag gibt ...
Wir leben nun mal nicht auf dem Mond, sondern in einem Umfeld. Manches findet man selber blöd, aber alle machen es – und es schadet ja nicht. Auch hier sollte man mit seinem Kind entscheiden und fragen: Wie findest du das? Ist dir das wichtig? Was machen die anderen? Wollen wir mal ausprobieren, das Tütchen wegzulassen?
Wenn das alle so machen, ist ja auch ein gewissen Druck vorhanden und man würde sich und sein Kind vielleicht zum Außenseiter machen, wenn man die „Regel“ bricht. Wenn der Kontakt zu den anderen Eltern gut ist, kann man das vielleicht miteinander absprechen.