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Wolfgang Schaubruch ist Fachübungs- und Familiengruppenleiter beim Deutschen Alpenverein Sektion Mainz e.V.
Ist Klettern auch ein Wintersport – und für die ganze Familie geeignet?
Klettern ist durchaus ein Ganzjahressport. Im Winter macht es allerdings draußen weniger Spaß, weil es in der Regel kalt und nass ist. Die Gefahr abzurutschen ist dann einfach größer. Dann ist Hallenklettern eine gute Möglichkeit, man kann natürlich auch das ganze Jahr über in der Halle klettern. Klettern als Familiensport – das würde ich etwas differenzierter sehen: Als Familie kann man natürlich gemeinsam in einer Halle klettern. Aber wenn die Kinder noch kleiner sind, werden kletterbegeisterte Eltern weniger auf Ihre Kosten – sprich Klettermeter - kommen. Ältere Kinder wollen eher mit Gleichaltrigen klettern, weshalb es wichtig ist, für entsprechenden Anschluss zu sorgen – sei es in einer Familiengruppe oder in einer Jugendgruppe.
Ich bin beim Mainzer Alpenverein ja Leiter einer Familiengruppe. Wir gehen auch klettern, machen aber mehr. Beispielsweise wandern wir gemeinsam und versuchen dabei die Natur kindgerecht mit einzubeziehen: Wir überwinden Bachläufe, klettern auf und über Bäume und kraxeln in Geröllfeldern herum. Wir versuchen ein Erlebnis zu schaffen, das lange nachhält.
Ab welchem Alter können Kinder klettern?
Sobald Kinder laufen können, haben sie einen starken Bewegungsdrang und wollen immer auch klettern. Ab dem 3. bis 4. Lebensjahr kann man das in geeigneten Hallen ganz langsam aufbauen. Zunächst geht es um das Bewegungsgefühl und darum, die Angst vor der Höhe zu nehmen. Selbstständig Klettern – also auch richtig sichern und vorsteigen – können Kinder ab etwa 10 Jahren.
Muss man fürs Klettern besondere körperliche Fähigkeiten mitbringen?
Nein, normale Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer reichen. Wer groß ist, hat natürlich eine große Reichweite und wer besonders gelenkig ist, hat es etwas leichter. Aber einiges kommt dann ja auch mit dem Training.
Bei Kindern ist wichtig, dass man nichts mit Gewalt erzwingen darf, sonst wird ein Kind nie wieder Spaß am Klettern haben. Im Kindergarten- und Grundschulalter haben Kinder oftmals Probleme mit der Höhe, sie glauben nicht an die Sicherheit des Seils und die Distanz zu ihren Eltern am Boden verunsichert sie. Da kann es hilfreich sein, wenn eine Bezugsperson parallel mitklettert.
Ist Klettern nicht auch gefährlich wegen der Sturzgefahr ...
Klettern ist ein Risikosport: Wenn es einen Fehler in der Sicherung gibt, kann das sehr schlimme Folgen haben. Beim Indoor-Klettern sind die Gefahren aber relativ gering, denn die Abstände der Haken in der Kletterhalle sind so bemessen, dass man nicht tief stürzen kann. Klettern im Freien erfordert auf jeden Fall mehr Können. Die richtige Sicherung ist elementar wichtig. Dann ist Klettern aber ausgesprochen gesundheitsförderlich, weil viele Muskelgruppen gefordert sind. Bei Rückenproblemen ist Klettern beispielsweise ein idealer Ausgleichssport.
Kann man in der Halle einfach drauflos klettern oder braucht man einen Kletterschein?
Nur wenige Hallen verlangen einen Kletterschein. Aber keine Halle erlaubt einem einfach los zu klettern, allein aus haftungsrechtlichen Gründen. Die Regel ist, das Klettern in einem Kurs zu lernen, wie sie beispielsweise vom Alpenverein angeboten werden. Nach einem Anfänger- und einem Vorstiegskurs – die dauern jeweils zwei Abende - ist man soweit fit, um in der Halle selbstständig zu klettern. Wer dann auch draußen klettern will, sollte außerdem einen Fels- oder Alpinkurse machen.
Gibt es auch Kurse für Kinder?
Ja, unsere Jugendabteilung bietet Kurse für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren an.
Welche Ausrüstung braucht man?
Beim Anfängerkurs wird die Ausrüstung gestellt. Es ist auch sinnvoll, das erst mal auszuleihen, um zu sehen, was benötigt wird. Wenn man dann weiter klettern will, macht es Sinn, einen Klettergurt (etwa 50 Euro) und Hallenkletterschuhe (ab 60 Euro) anzuschaffen. Die nächste Stufe ist der Vorstieg, dann braucht man ein Kletterseil (etwa 150 Euro) und diverses anderes Sicherungsmaterial. Wer im Freien Klettern will, braucht noch deutlich mehr. Gebrauchte Ausrüstung würde ich nicht kaufen, bei sicherheitsrelevanten Sachen ist das nicht empfehlenswert.
In Rheinland-Pfalz gibt es auch Hochseilgärten. Hat das was mit Klettern zu tun?
Bedingt ja, weil es in der Höhe stattfindet und man mit einem Seil gesichert ist. Es hat aber eher einmaligen Eventcharakter, da die Tour immer die gleiche ist. Außerdem sind Hochseilgärten relativ teuer. Mit dauerhaft betriebenem Sport und einer Steigerung von Können hat das nichts zu tun.
Weitere Informationen:
Deutscher Alpenverein (DAV) Sektion Mainz