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... sich für die Medien der Kinder interessieren

Stefan Aufenanger ist Professor für Medienpädagogik am Pädagogischen Institut der Universität Mainz

Computer-Kenntnisse werden heute schon Grundschulen vermittelt - andererseits werden PC-Spiele und Fernsehen gerne für soziale Probleme und Gewalt verantwortlich gemacht ...  

Tatsache ist, dass Medien in der Erlebniswelt von Kindern heute eine große Rolle spielen - ob wir das wollen oder nicht. Und Medien helfen ja auch, dass Kinder etwas über die Welt erfahren. Der Anteil von Wissenssendungen im Fernsehen - wie "Löwenzahn" oder "Die Sendung mit der Maus" - hat beispielsweise stark zugenommen und sie werden gerne gesehen. Auch im Internet oder mit Lernsoftware können sich Kinder mit Themen, die sie interessieren auseinandersetzen. Natürlich verführen Medien auch dazu, viel Zeit mit ihnen zu verbringen, vor allem wenn Fernseher oder Computer im Kinderzimmer stehen. Und ein übermäßiger Medienkonsum ist auf jeden Fall bedenklich.
Wichtig ist, dass Kinder lernen, mit Medien umzugehen, in dem die Eltern auch die negativen Folgen oder Gefahren mit ihnen besprechen. Eltern sollten aber auch Vertrauen haben und ihren Kindern Medienerfahrung ermöglichen. Schon im Grundschulalter können Kinder einen eigenverantwortlichen Umgang mit Medien lernen.

Das Fachwort für den richtigen Umgang mit Medien heißt "Medienkompetenz", was ist das eigentlich?

In der Medienpädagogik verstehen wir darunter den sinnvollen, selbstbestimmten, kreativen und sozial verantwortlichen Umgang mit Medien. Medienkompetenz ist also nicht nur darauf beschränkt, dass man beispielsweise mit dem Computer technisch umgehen kann. Man muss auch verstehen lernen, dass Mediennutzung und mediale Kommunikation Folgen für die sozialen Beziehungen haben: Die Zeit, die ich vor dem Fernseher verbringe, fehlt mir für Freundinnen und Freunde. Eine SMS ersetzt keinen Brief und kein persönliches Gespräch. Der Unterschied muss deutlich sein, sich von seiner Freundin per SMS zu trennen oder ihr das persönlich zu sagen.

Sie haben vorhin gesagt, Kinder müssen den richtigen Umgang mit Medien lernen ...

Auf jeden Fall, und unsere Erfahrung ist: Je früher Eltern damit anfangen den Medienkonsum von Kindern pädagogisch zu begleiten, desto eher lernen Kinder, mit Medien sinnvoll umzugehen. Fernsehen und Computer ermöglichen Kindern, ihre Erfahrungen zu erweitern. Und wenn das sinnvoll pädagogisch begleitet wird, hat das keine negativen Konsequenzen. Wichtig ist dabei natürlich, auf altersgerechte Computerspiele und Sendungen zu achten. Es gibt viele Broschüren und Ratgeber, die Eltern unterstützen, die richtigen Angebote auszuwählen. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass man seine Kinder möglichst früh an Medien heranführen muss.

Was würden Sie Eltern raten, die nach einem Zeitrahmen für sinnvollen Medienkonsum fragen?

Bei Vorschulkindern sollte die Mediennutzung, also die Zeit vor dem Fernseher oder am PC-Spiel, auf 30 bis 60 Minuten am Tag beschränkt sein. Im Grundschulalter können es schon ein bis zwei Stunden täglich sein. Älteren Kindern ab etwa zwölf Jahren sollten Eltern allmählich mehr Freiräume gewähren und die Möglichkeit geben, den Medienkonsum selbst zu regulieren - natürlich in Absprache mit den Eltern. Dabei sollten Eltern keine strenge Kontrolle ausüben, sondern das Medienverhalten vor allem beobachten. 
In manchen Situationen haben Medien eine bestimmte Funktion, beispielsweise wenn Kinder und Jugendliche Stress in der Schule haben oder Probleme mit ihren Freundinnen und Freunden. Manche lesen dann vielleicht um abzuschalten, andere schauen stundenlang Fernsehen oder sitzen vor ihrem Computerspiel. Das müssen Eltern ihren Kindern und Jugendlichen auch mal zugestehen - es aber auch beobachten. Wenn diese übermäßige Mediennutzung zu lange andauert, sollten sich die Eltern Zeit nehmen, mit ihren Kinder über die Gründe zu sprechen.

Wann ist Medienkonsum bedenklich? 

Das ist schwer zu Verallgemeinern: Es gibt Schüler, die ein gutes Abitur machen und trotzdem viel fernsehen oder ständig am Computer sitzen. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die Zeit, die Kinder mit Medien verbringen, nicht das größte Gewicht im Tagesablauf haben sollte, sondern dass es ein Gleichgewicht geben sollte zwischen Mediennutzung und anderen Freizeittätigkeit wie Freunde treffen, Sport machen und draußen spielen - über einen längeren Zeitraum gesehen. Das heißt, wenn Kinder Probleme haben, kann Medienkonsum zeitweise auch mal zunehmen. Wichtig ist, dass Kinder da wieder rauskommen.

Ist es sinnvoll, Fernsehen als Belohnung oder als Strafe einzusetzen?  

Davon rate ich ab, denn die Faszination nimmt dadurch eher zu, weil die Bedeutung überbetont wird. Deshalb bin ich auch ein Gegner prinzipieller Medienverbote. Sie bergen immer die Gefahr, dass Kinder dann bei Freunden heimlich Fernsehen schauen oder am Computer spielen und zuhause lügen.

Was können Eltern tun, damit Kinder lernen, ihren Medienkonsum zu regulieren? 

Mit Kindern im Vorschul- und Grundschulalter können Eltern beispielsweise verabreden, wie viele Stunden pro Woche sie Fernsehen schauen oder Computerspiele machen dürfen. Dann gibt man den Kindern entsprechende Zeitmarken, die sie dann einlösen können. Wenn sie Dienstags schon die gesamte Zeit verbraucht haben, gibt es den Rest der Woche eben nichts mehr. Sind die Kinder schon älter, sollten Eltern und Kinder gemeinsam Regeln für die Mediennutzung aushandeln - und auch Sanktionen für den Fall, dass die Absprachen nicht eingehalten werden. Auf jeden Fall sollten Eltern ihre Kinder nicht zu sehr kontrollieren, sondern ihnen auch vertrauen - und dazu gehört auch, dass Kinder mal scheitern. Wichtig ist, dass Eltern die Mediennutzung ihrer Kinder beobachten und sich dafür interessieren, in dem sie sich beispielsweise das PC-Spiel erklären lassen oder gemeinsam mit den Kindern einen Film anschauen.

Zum Bericht: Medienkompetenz entwickeln