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Medienkompetenz entwickeln

Die fünfjährige Katrin liebt Fernsehen. Egal ob "Sandmännchen", "Die Sendung mit der Maus" oder irgendein Zeichentrickfilm, wenn es nach ihr ginge, kann es nicht genug sein - auch wenn sie manchmal gar nicht so genau erfassen kann, was sie da sieht. David (9) spielt begeistert und hochkonzentriert Computerspiele und surft auch schon mal gemeinsam mit seinen Eltern im Internet.
Chatten ist die Lieblingsbeschäftigung von Christiane (14). Sie verbringt damit so viel Zeit, dass es immer wieder Auseinandersetzungen mit ihren Eltern gibt. Corinna und Klaus, die Eltern der drei Kinder, fragen sich immer wieder, ob und wie viel Zeit am Bildschirm richtig ist. Beide sitzen aber auch öfter mal am PC und bei der Hausarbeit läuft der Fernseher.

Elektronische Medien gehören zu unserem Alltag - und eben auch zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Laut Medienpädagogischem Forschungsverbund Südwest, der seit 1998 regelmäßig Studien zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen durchführt, ist Fernsehen für Kinder bis 13 Jahren mit Abstand das wichtigste und beliebteste Medium. Je älter sie werden, desto mehr verschieben sich die Vorlieben hin zum Computer. Bei männlichen Jugendlichen steht der PC ganz klar an erster Stelle, für Mädchen zwischen 12 und 19 Jahren sind Computer und Fernsehen in etwa gleich bedeutend. Fast alle Jugendlichen (92 Prozent) besitzen mindestens ein Mobiltelefon, zwei Drittel haben einen eigenen Fernseher und 60 Prozent einen Computer.

Fernsehen und Internet vertreiben Langeweile, entspannen, erzählen Geschichten, vermitteln Information und Wissen. Handys sind nützlich, um immer und überall mit der Familie oder Freunden in Kontakt zu bleiben. Medien bergen aber auch Gefahren wie fragwürdige Vorbilder, ein verzerrtes Bild der Realität und Gewaltdarstellungen oder extrem hohe Handykosten. Medien können in Extremfällen auch abhängig machen. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern ihren Kindern den richtigen Umgang mit Medien (Medienkompetenz) vermitteln und ihren Medienkonsum begleiten.

Um übermäßigen Medienkonsum zu verhindern, sind vor allem klare Regeln wichtig. Verabreden Sie mit Ihren Kindern entsprechend deren Alter eine Zeit, die sie täglich oder wöchentlich vor dem Fernseher oder am Computer verbringen dürfen. Im Interview mit Prof. Aufenanger werden dazu konkrete Empfehlungen gegeben.
Gemeinsam von Eltern mit ihren Kindern entwickelte Vereinbarungen werden eher befolgt als Verbote. Wichtig ist außerdem altersgemäße Angebote auszuwählen und solche zu meiden, die ängstigen oder verunsichern. Bei gewaltverherrlichenden Medienangeboten sollten Eltern deutlich "Nein" sagen und das auch begründen.

Fernsehen eignet sich nicht als Babysitter und kleinere Kinder sollten auch nicht alleine am Computer sitzen. Fernseher und Computer gehören deshalb auch nicht ins Kinderzimmer, denn dann wird es schwierig, die Mediennutzung zu beobachten. Eltern und Kinder sollten Medien möglichst gemeinsam nutzen. So erkennen Sie, was ihr Kind davon versteht, was ihm Spaß macht oder wo notwendige Grenzen zu ziehen sind.

Es ist kaum zu vermeiden, dass sich Kinder auch an Medien orientieren, aber sie dürfen nicht zur einzigen Quelle von Wissen und Vorbildern werden. Deshalb ist es wichtig, mit Kindern über ihre Medienerlebnisse zu reden, diese kritisch zu hinterfragen und fragwürdigen Medienvorbildern gegenzusteuern. Kinder brauchen vor allem Unterstützung, wenn Gewalt dargestellt wird.
Da Gewalt in ihren unterschiedlichen Schattierungen und Härtegraden in den Medien allgegenwärtig ist - beispielsweise auch in Zeichentrickfilmen oder Nachrichtensendungen - werden Kinder früher oder später damit konfrontiert. Reden Sie mit Ihren Kindern über das Gesehene, beantworten Sie die Fragen und stellen Sie klar, dass Gewalt keine Konfliktlösung ist.

Ob Gewalt Kinder negativ beeinflusst, hängt in erster Linie vom Umfeld ab, in dem sie aufwachsen, welches Gewaltverständnis ihnen vermittelt wird und ob sie die Möglichkeit haben, das Gesehene in Gesprächen zu verarbeiten.
Für Jungen stellt in der Regel Gewalt ein größeres Gefahrenpotential dar als für Mädchen. Jugendliche Mädchen hingegen sind anfälliger für negative Einflüsse z.B. durch Top-Model-Vorbilder, die eine tolle Figur als Problemlöser darstellen.

Bei der Nutzung des Internet kommen außerdem noch Sicherheitsfragen dazu. Neben Antiviren-Programmen gibt es spezielle Filterprogramme, die einige nicht jugendfreie Internetseiten blockieren. Letztlich gibt es aber keinen absoluten Schutz vor den Gefährdungen im Internet und auch "Kindersicherungen" lassen sich mit ein paar Computerkenntnissen knacken.
Die größte Sicherheit bietet deshalb das gemeinsame Surfen und die Vereinbarung von Sicherheitsregeln: Erklären Sie Ihrem Kind, dass Dateien "Viren" enthalten können, dass es persönliche Daten nicht an Unbekannte weitergeben darf und beim Chatten nie den richtigen, sondern einen Fantasienamen benutzen soll.
Suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind altersgerechte - am besten moderierte - Chats. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass sein Chatpartner nicht unbedingt der ist, für den er sich ausgibt, und dass es sich mit fremden Chat-Partnern nicht oder nur im Beisein der Eltern treffen darf.

Aufmerksam sollten Eltern auch werden, wenn Kinder das Handy übermäßig nutzen. PrePaid-Verträge schützen vor explodierenden Kosten, denn Handys sind heute die größte Schuldenfalle für Jugendliche. Viel problematischer aber ist das so genannte "Happy Slapping" (fröhliches Dreinschlagen): Gewalttaten werden per Handy gefilmt und herumgereicht. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über diesbezügliche Sorgen und erklären Sie, dass nicht nur die Gewalttat, sondern auch die Filme menschenverachtend und strafbar sind. 

Grundsätzlich gilt für Mediennutzung: Kinder lernen den Umgang mit Medien vor allem zu Hause. Medien sollten ein Element in einem abwechslungsreichen Alltag sein, in dem Familienzeit ohne und mit Medien gestaltet wird.
Corinna und Klaus achten mittlerweile darauf, dass der Fernseher nicht ständig nebenbei läuft. Und sie nehmen sich Zeit, das eine oder andere PC-Spiel gemeinsam mit ihren Kindern zu spielen.
Klaus bezieht seine Großen immer häufiger mit ein, wenn er am PC bastelt oder neue Software installiert. Dabei wird besprochen, was neu und wichtig am PC-Programm ist, und was Gefahren bergen kann - vom Virenalarm bis zum Chat-Portal. Katrin darf dabei manchmal mit zugucken und die Enter-Taste drücken, wenn Windows wieder einmal neu gestartet werden muss.

Interessante Links:

www.flimmo.de: Besprechung von Kindersendungen und medienpädagogische Ratschläge rund ums Thema Fernsehen

www.top-videonews.de: Internetmagazin des Kinder- und Jugendfilmzentrums mit Empfehlungen für DVD- und Video-Filmen

Best of 2007 - Die besten Filme für Kinder und Jugendliche auf DVD http://www.top-videonews.de/themen/bestof2007.htm

www.kindersoftwarepreis.de: Innovative und pädagogisch wertvolle Computerspiele

www.spieleratgeber-nrw.de: Empfehlung pädagogisch wertvoller Computerspiele

www.schau-hin.info: Die Initiative des Bundesfamilienministeriums gibt Eltern praktische Orientierungshilfen zur Mediennutzung und -erziehung, unter anderem auch Tipps zu TV-Sendungen, PC-Spielen und (Hör-)Büchern

www.zappen-klicken-surfen.de: Online-Materialbörse, die pädagogische Fachleute und Eltern in Fragen der Medienerziehung unterstützt.

www.erfurter-netcode.de: Der Verein erstellt Kriterien für gute Kinder-Webseiten und vergibt ein entsprechendes Qualitätssiegel

www.seitenstark.de: Online-Initiative, die vielfältige und unkommerzielle kindgerechte Internet-Angebote zusammengestellt hat

www.blinde-kuh.de: Internet-Suchmaschine für Kinder ab acht Jahren, die die Inhalte überprüft und für die Kinder redaktionell aufbereitet zusammenstellt

www.jugendschutz.net: jugendschutz.net überprüft die Einhaltung von Jugendschutzbestimmungen im Internet, außerdem bietet die Seite Leitfäden zur Medienkompetenz für Eltern an.
Auf www.chatten-ohne-risiko.net gibt jugenschutz.net Tipps zum sicheren chatten und hat in einem Chat-Atlas viele Chat-Angebote mit Risikoeinschätzung und Altersempfehlung zusammengestellt 

www.internet-abc.de: Infos, Tipps und Tricks rund ums Internet für Kinder von fünf bis zwölf Jahren und Eltern 

www.klicksafe.de: Informationen über Sicherheitsthemen im Internet

www.bildung-beratung-erziehung.de Medienpädagogik für KITA und Grundschule

Broschüren: 

Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz: Elterninfo 4 "Kinder & Medien" (pdf, 530 kb)
http://www.lzg-rlp.de/lzg-shop/download/Elterninfo_kinder_medien.pdf

Institut für Medienpädagogik: "zappen klicken surfen - Familien leben mit Medien" (pdf, 380 kb)
http://www.jff.de/zappen/dokumente/ElternMaterial.pdf

"Spiel- und Lernsoftware pädagogisch beurteilt, Band 17" zum Bestellen oder Herunterladen
http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=22916.html

Studien:

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: KIM-Studie 2006, Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13jähriger (pdf, 389 kb) http://www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf06/KIM2006.pdf

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: JIM-Studie 2006, Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19jähriger (pdf, 350 kb) http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf06/JIM-Studie_2006.pdf

Zum Interview: - sich für die Mediennutzung der Kinder interessieren