Sie befinden sich auf den Internetseiten von VIVA FAMILIA - Servicestelle für Lokale Bündnisse in Rheinland-Pfalz.
direkt zur Hauptnavigation direkt zum Inhalt


Viel erlebt hat er heute wieder, strahlt der dreizehnjährige Tobi, gegen Drachen gekämpft, Dämonen abgewehrt und sogar den Fürsten der Finsternis besiegt, das war ein Abenteuer! Und in der Spiele-Bestenliste liegt er jetzt auch höher, zwanzig Punkte über Tim, das hat er gleich in seinem Internet-Profil ergänzt, seine Mitschüler werden Augen machen.
Aktiv und vernetzt sind sie, unsere Kinder, nur nicht immer so, wie wir uns das wünschen. Spielplatz oder Schnitzeljagd, Rausgehen und Freunde treffen, mit solchen Vorschlägen haben wir nicht selten schlechte Karten, denn Fernsehen, Computer oder Konsole machen unseren traditionellen Freizeitvorstellungen Konkurrenz. Heute gehören Medien ganz einfach zum Alltag dazu, der Umgang damit von Kindesbeinen an wird zunehmend selbstverständlich.
Wie viel Zeit verbringen Kinder täglich mit der Nutzung von Medien? Seit 1999 führt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (MPFS) regelmäßig die Basisstudie „Kinder und Medien“ (KIM-Studie) zum Stellenwert der Medien im Alltag von Kindern im Alter von sechs bis dreizehn Jahren durch. Das Fernsehen ist laut KIM-Studie 2008 nach wie vor das meistgenutzte Medium: Die geschätzte TV-Nutzungsdauer liegt dabei zwischen rund einer- bis ein dreiviertel Stunden täglich. Doch auch dem Computer kommt laut Studie eine wichtige Rolle zu: Jedes zweite Kind im Alter von sechs und sieben Jahren hat demnach bereits Erfahrungen am PC gesammelt. Insgesamt betrachtet nutzen drei Viertel der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren zumindest ab und zu einen Computer.
„Generell kann man eine Verschiebung hin zum Computer beobachten, je älter die Kinder werden“, weiß Diplom-Soziologe und -Pädagoge Michael Grunewald, Referent für Jugend und Gesellschaft beim Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung (ZGV) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Gestützt wird diese Aussage auch durch Ergebnisse der aktuellen KIM-Studie, in der erhoben wird, wie oft Jugendliche in einem festgelegten Zeitraum bestimmte Medien nutzen (Nutzungsfrequenz). Dabei wird deutlich, dass die PC-Nutzungsfrequenz mit wachsendem Alter zunimmt. „Bei den Jugendlichen ist der Computer inzwischen sogar das neue ‚Leitmedium’ und hat damit den Fernseher abgelöst“, so Grunewald. Interessant sei auch, dass dies für alle Bildungsschichten gelte, wohingegen der Stellenwert des Fernsehmediums stärker vorhandene Bildungsunterschiede widerspiegele. Das bedeutet, dass unabhängig vom formalen Bildungshintergrund in durchweg allen befragten Familien ein Anstieg der PC-Nutzungsfrequenz zu beobachten ist.
Dass Medien differenziert zu betrachten sind, zeigt sich auch in der unterschiedlichen Bedeutung, welche wir den einzelnen Medien zuweisen. Als „Medien“ bezeichnet werden neben Fernseher, PC und Internet beispielsweise auch Bücher.
Laut KIM-Studie 2008 haben TV und Internet nach Ansicht der Haupterzieher nicht nur einen hohen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft der Kinder, sondern sie vermitteln auch zahlreiche für Kinder ungeeignete Informationen. Für viele Eltern ist das Fernsehen daneben aber auch die bedeutsamste Instanz, wenn es um die Darstellung des wirklichen Lebens bzw. um die Akzeptanz des Kindes im Freundeskreis geht. Auch bei der Vermittlung von Werten und Normen spielen nach Ansicht der Haupterzieher das Fernsehen und Bücher eine prägende Rolle; weiter ergibt die Studie, dass dem Buch die höchste Bedeutung für Lern- und Schulerfolg sowie die Förderung der Phantasie zugeschrieben wird.
„Wie viel Medienkonsum verträgt mein Kind? - Bei dieser Frage geht es also nicht nur um die Nutzungsfrequenz, sondern auch darum, welches Medium genutzt wird, unter welchen Umständen und mit welcher Funktion“, erläutert Michael Grunewald. Wenn Peter zwei Stunden am PC für die Schule lernt, während Marie zwei Stunden Online-Games spielt, macht das einen nicht geringen Unterschied. Und auch, ob Maries Eltern wissen, in welchen virtuellen Welten ihre Tochter sich zu Hause fühlt und ob sie das Internet (www) alleine erkundet oder mit Freunden, sind wesentliche Aspekte. „Wir sprechen daher vielmehr von Mediennutzung als von Medienkonsum, um auszudrücken, dass mit dem Mediengebrauch immer auch eine Erwartung und ein Nutzen verbunden ist – und diesen Hintergrund gilt es, zu verstehen.“
Link-Tipps der LZG…
Eltern und Erziehungsbeauftragte in ihrer Rolle Vorbild als und als kompetente Ansprechpartner in Sachen Medien finden nützliche Informationen und praktische Tipps in diesen beiden Ausgaben der Elterninfo-Reihe der LZG:
Mit übermäßiger Mediennutzung ist die Gefahr einer möglichen Suchtentwicklung verbunden. Informationen zum Thema „Spielsucht“ können abgerufen werden unter:
… und außerdem:
Literatur-Tipps:
Bergmann, Wolfgang: „DigitalKids – Kindheit in der Medienmaschine“ Beust 2003
Bergmann, Wolfgang: „Computerkids. Die neue Generation verstehen lernen.“ Kreuz, 1996
Nieswiodek-Martin, Ellen: „Generation Online. Jugendliche und Internet – Alles, was Erwachsene wissen sollten“ Hännsler 2008
Nieswiodek-Martin, Ellen: „Kinder in der Mediengesellschaft. Fernsehen, Computer und Erziehung“ Hänssler 2006