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„Mein Kind hat ein teures Hobby – wie gehe ich damit um?“

Schon früh hat sich die dreizehnjährige Charlotte für Pferde interessiert. „Das ging bereits im Kindergarten los“, erzählt ihre Mutter. All den Pferdepuzzles und Pferdebilderbüchern folgte bald der Wunsch, selbst reiten zu lernen. Dann kam der Traum vom eigenen Pferd. Das kann Charlottes Mutter – sie ist alleinerziehend mit zwei Kindern – der Tochter nicht ermöglichen. Es reicht gerade für Reitstunden. „Dank der Großeltern, die regelmäßig etwas dazugeben, geht das“, sagt die Mutter. „Und dazu kommt noch eine sehr großzügige Patentante.“ Es sind nicht allein die wöchentlichen Reitstunden, die Geld kosten. Die Mitgliedschaft im Verein muss bezahlt werden, die Ausrüstung ist nicht billig, immer wieder fallen Kosten an. Jeden Cent steckt Charlotte in ihr Hobby, mit kleinen Hilfsarbeiten in der Nachbarschaft verdient sie sich Geld dazu. „Und sie spart sogar noch fürs eigene Pferd“, erzählt die Mutter nicht ohne Stolz.

Was teuer ist und was nicht, da gehen die Meinungen auseinander. Abhängig ist diese Entscheidung vom Geldbeutel der Eltern. Sie haben letztendlich zu entscheiden, ob sie ihrem Kind den Reit- oder Tennisverein ermöglichen können.

Aber gerade bei kostspieligen Hobbys sollten Eltern darauf achten, dass das Kind nicht nur aus einer Laune heraus damit anfangen will. Kinder sind schnell für etwas zu begeistern. Und für Eltern ist es nicht leicht einzuschätzen, ob diese Begeisterung wirklich von Dauer ist. Oft ist es möglich, erst einmal Probestunden zu vereinbaren, bevor man sich an eine lange Vertragslaufzeit bindet. Auch die nötige Ausstattung kann man sich für die ersten Male ausleihen – von Nachbarn oder befreundeten Familien beispielsweise.

Der Mainzer Diplom-Psychologe Ulrich Gerth rät Eltern, gerade bei teuren Hobbys oder bei hohen Anfangskosten, wie dem Kauf eines Musikinstruments, auf diesen Punkt zu achten. „Eltern und Kinder sollten sich Zeit nehmen, um abzuklären, wie groß und wie dauerhaft das Interesse wirklich ist. Denn aus einer freiwilligen Entscheidung wird dann eine Verpflichtung.“ Das müsse den Kindern klargemacht werden.

Der Psychologe schlägt vor, das neue Hobby erst richtig durchzurechnen. „Gerade Eltern, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben, leiden darunter, wenn ihr Kind nicht mithalten kann.“ Aber es bringe nichts zu sagen: „Wir kriegen das schon irgendwie hin.“ Ein Hobby, sagt Gerth, solle dauerhaft finanzierbar sein. Auch Folgekosten, wie zum Beispiel Fahrtkosten zu Auswärtsspielen des Fußballvereins oder zu Turnieren beim Reitsport, sollten frühzeitig bedacht werden. Gerth plädiert dafür, dass sich auch Kinder aus finanziell gut gestellten Familien an den Kosten beteiligen. Damit bekomme das Hobby für die Kinder einen größeren Wert.

Eltern sollten sich auch trauen, im Verein nach Sonderkonditionen zu fragen. Darüber hinaus weist Gerth auf das Bildungspaket der Bundesregierung hin. Danach stehen Kindern und Jugendlichen, deren Eltern Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld beziehen, Zuschüsse für sportliche und kulturelle Aktivitäten zu. Informationen dazu gibt es im Jobcenter oder auch beim Jugendamt.

Wenn das Geld nun einmal nicht reiche, meint Gerth, sollten Eltern das klar sagen. Und sie sollten bei dieser Aussage bleiben – auch wenn ihnen sicher schwer fällt. Wichtig ist hier, das Selbstbewusstsein des Kindes zu stärken und ihm klar zu machen, dass es nicht weniger wert ist als seine Freunde, die ein teures Hobby haben können. Auch bei günstigen Hobbys können Kinder Spaß haben und gemeinsam mit anderen etwas Tolles erleben.

 

Literatur:

Barbara Kettl-Römer: So erziehen Sie Ihre Kinder im Umgang mit Geld, FinanzBuch Verlag 2010, 9,95 Euro

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Freizeitstress, Elterninfo 12

http://www.lzg-rlp.de/service/printmedien-shop/elterninfos/elterninfo-12-freizeitstress/

Links:

Http://www.arbeitsgemeinschaft-finanzen.de/soziales/taschengeld-tabelle.php

Http://www.elternwissen.com/urlaub-und-freizeit/sport-fuer-kinder/art/tipp/hobbys-fuer-kinder-begabung-foerdern.html

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