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Interview mit Ulrich Gerth, Caritas-Beratungszentrum St. Nikolaus, Mainz
Die Tochter will reiten, der Sohn Tennis spielen – was raten Sie Eltern?
Zunächst sollte man mit teuren Hobbys genauso umgehen wie mit anderen auch, das heißt es muss klar sein, dass das keine Eintagsfliege ist. Das Kind kann sich frei für ein Hobby entscheiden, danach ist es aber auch verpflichtet, dabei zu bleiben - gerade wenn es Kosten verursacht. Ich halte auch nichts von Hobbys, die mit regelmäßigen Fahrdiensten von Eltern verbunden sind. Das Kind sollte sein Hobby allein bewerkstelligen - also mit dem Fahrrad oder dem Bus. Das Elterntaxi sollte nur bei besonderen Gelegenheiten wie Auswärtsspielen erforderlich sein.
Und wenn das geklärt ist? Sollten Eltern dann auch teure Hobbys ermöglichen?
Dann ist natürlich erst mal die Frage, wie viel Geld eine Familie zur Verfügung hat. Darüber sollte man mit dem Kind sprechen und gemeinsam überlegen, ob und wie das Hobby finanziert werden kann. Ich halte es auch für richtig, ein Engagement des Kindes zu verlangen. Wenn jemand etwas Besonderes haben will, sollte er auch etwas dafür leisten. Das halte ich für wichtig. Wie man das macht, darüber muss man reden. Ein Teil des Taschengeldes könnte einbehalten werden oder wenn das Kind alt genug ist, könnte es kleinere Jobs übernehmen.
Könnte man nicht einfach vereinbaren, dass das Kind an Geburtstagen und Weihnachten etwas weniger bekommt?
Das ist sehr ungenau, so etwas vergisst man schnell. Ich bin für klare Absprachen: Zum Beispiel 100 Euro pro Jahr werden für das Hobby abgeführt – von Geldgeschenken aus der Verwandtschaft zum Beispiel.
Was sollen Eltern tun, wenn sie das Wunsch-Hobby des Kindes nicht finanzieren können?
Sie sollten der Situation ins Auge zu blicken, auch wenn das für Eltern nicht unbedingt einfach ist. Es bringt nichts zu sagen: Wir kriegen das schon irgendwie hin. Ich rate, genau zu rechnen. Ein Hobby muss dauerhaft finanzierbar sein. Und wenn das Geld dafür nicht da ist, sollten die Eltern klar sagen, dass es nicht geht, weil sie kein Geld dafür haben.
Und wie sollen Eltern mit der Enttäuschung des Kindes umgehen?
Sie sollten dieses Gefühl des Kindes erst einmal annehmen und nicht versuchen, es wegzudiskutieren. Also dem Kind sagen, dass sie gut verstehen können, dass es enttäuscht und traurig ist, aber dass es leider nicht geht. Wenn der erste Frust dann vorbei ist, sollten sie mit dem Kind überlegen, ob es ein Hobby gibt, das auch Spaß macht und gleichzeitig bezahlbar ist.
Was sollen Familien tun, bei denen ein kostenpflichtiges Hobby generell ein Problem darstellt und die nicht einmal das Geld für die Mitgliedschaft im örtlichen Turnverein aufbringen können?
Die Familie könnte beim Verein nachfragen, ob es Sonderkonditionen für sie gibt. Gerade Familien, die mehrere Kinder haben, sollten sich nicht davor scheuen. Für die Bezieher von Arbeitslosengeld gibt es in diesem und auch im nächsten Jahr die Möglichkeit, über das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung Zuschüsse zu beantragen. Da muss man sich ans Jobcenter wenden. Wenn man da nicht weiterkommt, kann man im Jugendamt um Hilfe bitten. Auch die Lokalen Bündnisse für Familie helfen hier gerne weiter.
Welche Folgen hat ein teures Hobby? Kann sich da nicht das soziale Umfeld des Kindes verändern?
Das muss nicht sein, aber man sollte diesen Punkt ansprechen: Das Kind sollte wissen, dass es mit Gleichaltrigen zusammenkommen kann, die sich viel mehr leisten können. Da kann es schnell passieren, dass man neidisch wird. Und es könnte auch dazu kommen, dass das Kind immer mehr haben will, um mithalten zu können. Eltern sollten von Anfang an gegensteuern.
Und wie verhindern Eltern, dass die Kinder mit dem teuren Hobby angeben?
Wenn Kinder selbst etwas leisten müssen, um ihrem Hobby überhaupt nachgehen zu können, ist die Gefahr der Angeberei gar nicht so groß. Wer weiß, dass er jede Woche Zeitungen austragen muss, um das machen zu können, der prahlt nicht. Der ist vielleicht stolz auf seine Leistung, aber das ist ein anderer Stolz, als den tollen Reitanzug zu zeigen, den die Eltern bezahlt haben.