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(November-) Depression. Was tun, wenn Ihr Kind betroffen ist?

„Das ist die Pubertät!“ denken viele Eltern, wenn der Umgang mit ihren Kindern schwieriger wird. Eine Mutter erzählt, wie sie Veränderungen bei ihrer dreizehnjährigen Tochter feststellte: „Meine Tochter kam kaum noch aus ihrem Zimmer heraus. Auf Fragen, was denn mit ihr los sei, reagierte sie abweisend und aggressiv. Sie veränderte sich völlig.“ Die Tochter ging nicht mehr zum Turnverein, sie traf ihre Freundinnen nicht mehr, sie hatte auch keine Lust, ihren Geburtstag zu feiern. Nicht einmal mit einer Einladung ins Kino konnte man sie locken. Das früher so kontaktfreudige und unternehmungslustige Mädchen war nicht mehr wiederzuerkennen: „Sie zog sich zurück, manchmal lag sie stundenlang nur auf ihrem Bett“, berichtet die Mutter.

In solchen Fällen sollten Eltern in Betracht ziehen, dass ihr Kind an einer Depression erkrankt ist: „Wenn Kinder sich so stark verändern, ist das ein Warnzeichen“, sagt Thilo Ast, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der Rheinhessenfachklinik in Mainz. Dass auch Kinder und Jugendliche an Depressionen erkranken, ist nicht ungewöhnlich. Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in dieser Altersgruppe. Nach Schätzungen des „Deutschen Bündnis gegen Depression“ sind zwischen drei und zehn Prozent aller Jugendlichen zwischen zwölf und siebzehn Jahren von einer Depression betroffen. Aber auch schon kleine Kinder können erkranken: Im Vorschulalter liegt die Häufigkeit bei etwa einem Prozent, im Grundschulalter leiden rund zwei Prozent der Kinder an der Krankheit.

Die Symptome bei Kindern können sich anders äußern als bei Erwachsenen. Daher wird die Krankheit bei Kindern und Jugendlichen oft nicht, oder erst sehr spät, erkannt. Während Erwachsene vor allem durch Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit auffallen, bemerkt man bei Kindern oft andere Verhaltensauffälligkeiten.

Die Symptome sind alters- und entwicklungsabhängig: Kleinkinder bis drei Jahre können auffallen, weil sie viel weinen, oder auch schlecht essen und schlafen.  Weitere Anzeichen für eine Depression können Entwicklungsverzögerungen sein: Die Kinder lernen später laufen und sprechen, entwickeln geringere grob- und feinmotorische Geschicklichkeit. Erst Kinder im Vorschulalter zeigen Vorformen typisch "erwachsener" Symptome: Sie klagen zum Beispiel, dass keiner mit ihnen spielen wolle, keiner sie liebe, keiner Zeit für sie habe. Sie sind traurig und ängstlich, können sich über nichts freuen. Bei Schulkindern bis etwa zwölf Jahre können sich die Auffälligkeiten noch steigern. Die Schülerinnen oder Schüler können niedergeschlagen und resigniert sein. Oft leiden sie unter Konzentrationsproblemen, haben möglicherweise Schwierigkeiten in der Schule, Zukunftsangst, unangemessene Schuldgefühle und übertriebene Selbstkritik. In diesem Alter tauchen die ersten Gedanken an Selbstmord auf. Jugendliche schließlich leiden unter vermindertem Selbstvertrauen, Apathie, Lustlosigkeit, Konzentrationsmangel, dem Gefühl, den sozialen und emotionalen Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Es kommt zu einem Anstieg der Suizidgedanken und eventuell auch erster Versuche.

Für Eltern ist es nicht einfach zu erkennen, wann sie es bei ihrem Kind mit einer Depression zu tun haben. Viele der Krankheitsmerkmale sind auch Bestandteile einer ganz normalen jugendlichen Entwicklung und können tatsächlich mit der Pubertät zusammenhängen. Nicht jeder, der zum Grübeln neigt und mit sich und der Welt unzufrieden ist, muss gleich an einer Depression erkrankt sein. Wenn Schwierigkeiten aber andauern, sollten Eltern aktiv werden. „Im Zweifelsfall sollten Eltern den Rat eines Experten oder einer Expertin einholen“, rät Thilo Ast. Die Krankheit sollte auch bei Kindern und Jugendlichen nicht unterschätzt werden.

Links: 

www.rlp-gegen-depression.de

www.buendnis-depression.de/depression/kinder-und-jugendliche.php

www.kinder-psych.de

www.kinder-und-jugendtelefon.de

Literatur:

Stefanie Grippehoven:
Wenn die Kinderseele nicht mehr lachen kann. Depressionen bei Kindern. GRIN Verlag, 2009. 7,99 Euro 

Christiane Nevermann / Hannelore Reicher:
Depressionen im Kindes- und Jugendalter. Erkennen, Verstehen, Helfen. Beck-Verlag, 2009. 12,95 Euro 

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) : Elterninfo 21: Kinderdepression. Download unter:
http://www.lzg-rlp.de/service/elterninfos/elterninfo-21-kinderdepression

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