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Barbara Tillmann ist Diplom-Pädagogin und arbeitet bei der Sucht- und Jugendberatungsstelle in Ingelheim.
Die Pubertät stellt für Kinder und Eltern gleichermaßen ein Problem dar. Was passiert in dieser Zeit?
Die Pubertät beginnt heutzutage ja schon recht früh, zum Teil mit zehn Jahren. Doch die dicksten Probleme entstehen in der Regel, wenn die Kinder zwischen 14 und 16 Jahre alt sind. Neben der starken körperlichen und psychischen Entwicklung erleben die Jugendlichen in dieser Zeit einen größeren schulischen Erwartungsdruck durch bevorstehende Abschlüsse oder durch die Entscheidung über die weitere Ausbildung. Die Erwartungen der Eltern an die guten Leistungen sind in dieser Zeit - meist unbewusst - auch besonders hoch.
Zugleich sind die Kinder mit einem Prozess der Selbstfindung und Abgrenzung beschäftigt. Sie entwickeln Ablösungstendenzen vom Elternhaus, sie testen ihre Grenzen und gehen gerne Risiken ein. Außerdem üben sie in dieser Zeit verstärkt Normen und Regeln ein - beispielsweise in der Clique - entwickeln ihre emotionale Bindungsfähigkeit, ihre Fähigkeit Probleme zu lösen und gewinnen Vertrauen in die eigene Belastbarkeit.
Ein ganz konkreter Streitpunkt sind häufig die Ausgehzeiten. Wie lange sollte ein Jugendlicher von 14 Jahren abends ausgehen dürfen?
Ich würde empfehlen, ein schulpflichtiges Kind in dem Alter wochentags bis 21 Uhr und am Wochenende bis 22 Uhr ausgehen zu lassen. Wenn alles gut läuft, und die Jugendlichen sich grundsätzlich an die Absprachen halten, sollten die Eltern hier und da sicher auch mal Großzügigkeit walten lassen.
Wie schaffen Eltern es, ihre Kinder von übermäßigem Alkoholgenuss und Drogen fernzuhalten?
Grundsätzlich kann man sagen, dass sich in der Pubertät besonders stark die Früchte der Erziehung vom Kleinkindalter an bemerkbar machen. Wenn das Kind sich früh angenommen fühlt und zugleich lernt, dass es eigene Wege gehen kann, weil ihm vertraut wird, entwickelt es ausreichenden Selbstwert und Stärke. Und die braucht es, um mit 14 auch "nein" zu sagen, wenn in der Clique eine Zigarette, ein Joint oder eine Flasche Bier angeboten wird.
Was tun, wenn der Sohn oder die Tochter trotzdem mit 14 völlig betrunken nach Hause kommt?
Meiner Meinung nach hilft es nicht, die ganz harte Linie zu fahren. Die Eltern sollten Vertrauen in ihr Kind haben und es ein Stück weit auch seine eigenen Erfahrungen machen lassen. Letztendlich sollte sich der Jugendliche aber nach den Regeln richten, die mit den Eltern vereinbart wurden. Und die müssen ganz klar ihre Grenzen deutlich machen, also keinen "Laisser-faire"-Stil an den Tag legen. Sanktionen ankündigen und dann nicht einhalten, würde direkt dazu führen, dass der/die Jugendliche tut, was er oder sie für richtig hält. Anfänglich hilft vielleicht schon eine "liebe Kontrolle".
Wenn es ganz problematisch wird, sollten die Eltern gegebenenfalls Hilfe holen - aber keinesfalls nach der ersten Grenzüberschreitung.
Streit bleibt in der Pubertät nicht aus. Wie sollten Eltern mit Konflikten umgehen?
In Bezug auf den Umgang mit Konflikten haben Eltern eine große Vorbildfunktion. Die Kinder schauen sich von klein auf bei den Eltern ab, wie diese streiten. Mit diesem Wissen und dem Mut zur Selbstreflexion fällt es oft schon leichter, mit einem Konflikt umzugehen. Es kann beispielsweise durchaus helfen, wenn die Eltern reflektieren, was sie an dem entsprechenden Konflikt an die eigene Herkunftsfamilie erinnert. Das wirft gelegentlich ein ganz neues Licht auf einen Streit.
Wichtige Regeln sind außerdem: Die Beteiligten sollten sich nicht gegenseitig anschreien, sondern ruhig und sachlich reden. Wenn das nicht möglich ist, können die Eltern ruhig auch mal sagen: "Ich bin so aufgewählt, lass uns später weiterreden." Generell halte ich es für sehr vernünftig, wenn die Eltern signalisieren, dass sie auch nicht alles wissen, dass sie sich aber weiter auseinandersetzen und den Konflikt lösen wollen. Ganz wichtig ist, dass die Eltern immer Gesprächsbereitschaft signalisieren.
Unterstützung von außen kann ebenfalls eine Hilfe sein. Gerade Mütter finden in guten Freundinnen oft eine Entlastung. Wenn es gar nicht mehr weiter geht, sollten Eltern schließlich auch den Mut haben, sich Unterstützung in einer Beratungsstelle zu holen.
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