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Dr. Frank Stemberg ist Oberarzt in der Kinderklinik Worms und verantwortlicher Arzt für das Kinderschlaflabor. Hier beobachtet und behandelt er mit seinem Team Kinder, die etwa wegen nächtlicher Atempausen, Virusinfektionen, zu großer Mandeln oder Schwitzens Schlafprobleme haben.
Wann treten bei Babys die größten Schlafprobleme auf?
Viele Babys schlafen sehr schlecht zwischen sechs Wochen und drei bis sechs Monaten. In dieser Zeit findet nämlich die Einübung der Schlaf- und Trinkrhythmen statt. Die Mutter muss herausfinden, wann ihr Baby wirklich Hunger hat. Es ist nicht sinnvoll, es bei jedem Schrei gleich wieder zu stillen.
Wie groß die Abstände sind, hängt von den Kraftressourcen der Mutter ab - manche Kinder werden alle 2,5 Stunden gestillt. Allerdings empfiehlt es sich, die Trinkabstände langsam zu vergrößern - das ist einfach kräfteschonender. In dieser Phase braucht das Kind viel Zuwendung und Aufmerksamkeit, die Mutter muss unterscheiden lernen, warum ihr Kind schreit: Aus dem Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit, aus Schmerz oder aus Hunger. Wenn sich das Baby durch Hochnehmen schnell wieder beruhigen lässt, hat es meist keine Schmerzen und auch keinen Hunger.
Wie lassen sich schreiende Babys am besten wieder beruhigen?
Grundsätzlich kann man sagen, dass im ersten Lebensjahr alles erlaubt ist, was der Familie gut tut. Vor allem körperliche Nähe ist ganz besonders wichtig. Meinungen, nach denen das Kind alleine in seinem Bettchen liegen bleiben soll, sind mittlerweile veraltet. Wenn sich das Kleine also am besten beruhigt, wenn es mit ins elterliche Bett darf - warum nicht?
Ansonsten ist es ratsam, das Licht auszulassen, sich langsam und in Ruhe zu dem weinenden Kind zu bewegen, es zu streicheln und leise und beruhigend mit ihm zu reden. Vielleicht hat es auch nur seinen Schnuller verloren, dann beruhigt es sich schnell wieder. Allerdings sollten junge Eltern darauf achten, dass sich ihr Kind nicht dauerhaft nur beim Rumtragen beruhigt.
Was halten Sie von den unterschiedlichen Methoden, Babys das Durchschlafen beizubringen?
Einschlaf-Methoden wie die so genannte Ferber- oder die Sanduhr-Methode befürworten wir nur in Ausnahmesituationen, wenn die Familie überhaupt nicht mehr weiter weiß. Denn diese Methoden sind keine Einschlafhilfen, sondern Versuche, das Kind zu erziehen.
Bei der Sanduhr-Methode beispielsweise warten die Eltern zunächst drei Minuten - die Laufzeit einer Sanduhr -, bis sie ihr schreiendes Baby beruhigen. Später verdoppelt sich die Zeit auf sechs Minuten, bevor sie wieder zu ihrem Kind gehen. Bis auf neun Minuten ist diese Methode ausdehnbar. In der Regel sollten die Eltern aber vor allem auf ihre Intuition hören - die ist meist genau richtig.
Gibt es bei Babys krankheitsbedingte Einschlafprobleme?
Ja, vor allem Atemwegsinfekte können das Kind in den ersten sechs Lebensmonaten belasten und quälen. Besonders in den jetzt beginnenden Wintermonaten kommen diese Infekte häufig vor. Sie können asthmaähnliche Einengungen der Atemwege, Husten oder Schnupfen zur Folge haben.
Solche Virusinfekte der oberen Luftwege sind oft ein Fall fürs Schlaflabor - auch wenn sie nur in Ausnahmefällen bedrohlich sind. Im Schlaflabor wird die Atmung der Kleinen überwacht, eventuell durch zusätzlichen Sauerstoff oder Medikamente erleichtert. Wir geben aber keine Antibiotika, da das Kind die Infektion aus eigener Kraft überstehen muss. Solche Infektionen dauern oft länger als eine Woche, nicht selten zehn Tage.
Wie schlafen Babys am sichersten, um Risiken wie z.B. den plötzlichen Kindstod zu minimieren?
Ein Schlafsack ist in jedem Fall einer Decke vorzuziehen, da der Säugling ihn sich nicht über den Kopf ziehen kann. Während des ersten Jahres sollte das Baby ausschließlich (!!) auf dem Rücken liegen und das Schlafzimmer rauchfrei sein. Ein Kopfkissen ist nicht nötig.
Das Zimmer darf nicht zu warm sein, 18 Grad reichen aus, wenn das Kind vier, fünf Wochen alt ist. Ein Fell wie im Kinderwagen hat im Bettchen nichts zu suchen. Auch eine Mütze ist überflüssig, da das Baby seine Temperatur über den Kopf reguliert.
Gibt es bestimmte Rituale, um Babys das Einschlafen zu erleichtern?
Welche Vorgehensweise die Eltern wählen, hängt ganz allein von ihnen ab. In der Zeit kurz vor dem Schlafengehen jedoch braucht das Kind besonders viel Nähe und Zuwendung.
Dazu sollte eine gewisse Ruhe gehören und möglichst wenig Reize aus der Umgebung. Daher ist zum Beispiel fraglich, ob ein "Tatort" im Fernsehen beim Stillen der richtige Rahmen ist. Das Baby muss sich langsam von der Tagesaktivität umstellen; ins Bett legen und sofort das Licht ausmachen empfiehlt sich nicht.
Was für Schlafstörungen gibt es bei Kindern?
Eine häufige Schlafstörung bei Kindern zwischen drei und zehn Jahren ist der so genannte Pavor Nocturnus, eine Angstattacke. Die Kinder schrecken in größter Panik hoch, oft begleitet von einem markerschütternden Schrei.
Dabei wachen sie jedoch - ähnlich wie beim Schlafwandeln, das aber viel seltener vorkommt - nicht auf und haben am nächsten Tag auch keine Erinnerung an das Geschehene. Eltern sollten daher ihr Kind nicht aufwecken, es beruhigt sich meist selbst nach ein paar Minuten. Diese Angstattacken kommen nur einmal pro Nacht vor, meist zwei Stunden nach dem Einschlafen. Sie sind nicht bedrohlich, weisen auf keine Krankheit oder einen seelischen Konflikt hin. Eine wissenschaftliche Erklärung für diese ungerichtete, nicht bebilderte Angst gibt es noch nicht.
Alpträume hingegen sind mit konkreten Bildern verbunden - wie etwa der Hexe im Schrank. Sie können in verschiedenen Schlafphasen auftreten, kommen in jedem Alter vor und sind nicht immer nur durch Stress oder unverarbeitete Erlebnisse zu erklären. Kleinere Kinder haben meist ein bis zwei Alpträume im Monat. Eltern sollten dann ihr verängstigtes Kind in den Arm nehmen und beruhigen. Ein Grund, es im Schlaflabor überwachen zu lassen, ist ein Alptraum aber nicht.
Was halten Sie von Entspannungsverfahren wie Autogenem Training?
Davon halte ich sehr viel, vor allem, weil solche Ruheübungen viel Zuwendung von den Eltern erfordern. Und diese Zuwendung - das habe ich ja schon mehrfach deutlich gemacht - ist für mich ein ganz zentraler Aspekt, wenn es darum geht, Babys und Kleinkindern das Einschlafen zu erleichtern. Kinder können bereits mit fünf Jahren solche Methoden erlernen. Entspannungsverfahren wie Autogenes Training wirken sich in der Regel außerdem auch positiv auf Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen aus.