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... wenn möglich, zu Fuß

Dr. med. Gabriele von der Weiden ist Schulärztin in der Kreisverwaltung Mainz-Bingen und Sprecherin des Fachausschusses Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes

Schulanfänger sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Was sind die größten Risiken?

Die meisten Unfälle auf dem Schulweg passieren beim Überqueren der Straße. Schulanfänger sind nicht groß genug, um über parkende Autos hinwegsehen zu können und sie können Geschwindigkeit und Entfernungen noch nicht richtig einschätzen. Außerdem glauben sie oft, wenn sie ein Auto sehen, müsse der Fahrer auch sie sehen.
Deshalb ist es ganz wichtig, dass Eltern ihren Kindern diese Gefahren verdeutlichen und ihnen klar machen, dass Autofahrer sie nicht unbedingt sehen und dass Autos - im Gegensatz zu Fußgängern - nicht sofort anhalten können, sondern einen längeren Bremsweg haben.
Im Herbst und Winter sind Dunkelheit und schlechte Sichtverhältnisse weitere Risikofaktoren. Dann sind helle Kleidung und Reflektoren an Ranzen und Jacke wichtig.

Wie sieht es aus, wenn Kinder gemeinsam zur Schule gehen?

Das ist einerseits gut, weil eine Gruppe Kinder von Autofahrern besser gesehen wird. Andererseits lenken sich Kinder oft gegenseitig ab. Eltern müssen das mit ihre Kindern besprechen und darauf hinweisen, wie wichtig es ist, aufmerksam am Straßenverkehr teilzunehmen.
Was übrigens ganz oft unterschätzt wird, ist der Risikofaktor Hektik. Wenn ein Kind spät dran ist und sich beeilen muss, ist die Gefahr groß, dass es unkonzentriert ist. Deshalb unbedingt genug Zeit für den Schulweg einplanen.

Wie können Eltern ihre Kinder auf den Schulweg vorbereiten?

Vor dem ersten Schultag sollten Eltern mit ihren Kindern den Schulweg mehrfach abgehen, das richtige Verhalten üben und wichtige Verkehrsschilder erklären.
Als Schulweg sollte auf jeden Fall der sicherste - und nicht unbedingt der kürzeste - Weg ausgewählt und festgelegt werden, dass das Kind diesen auch geht. Für viele Schulen gibt es so genannte Schulwegpläne, in denen sind sichere und unsichere Stellen gekennzeichnet.
In den ersten Wochen sollten Eltern ihr Kind noch begleiten, damit es mehr Erfahrung sammeln kann. Wenn ein Kind sich sicher fühlt und alleine zur Schule gehen will, ist es ratsam, dass die Eltern noch ein paar Mal heimlich folgen und beobachten, wie sich das Kind verhält.
Ganz entscheidend für das Verhalten von Kindern im Straßenverkehr ist natürlich das Vorbild der Eltern. Sie müssen sich deshalb unbedingt an die Regeln halten.

Ab wann können Kinder den Schulweg alleine bewältigen?

Man geht davon aus, dass auch schon Schulanfänger den eingeübten Schulweg nach ein paar Wochen alleine bewältigen können. Das ist aber auch etwas von der Situation abhängig: In einer unübersichtlichen Großstadt mit viel Verkehr und großen Kreuzungen ist eventuell eine längere Begleitung durch die Eltern nötig. Und es kommt auf das Kind selbst an - wie selbstständig es beispielsweise ist.
Auch Kinder, die unter ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) leiden, haben es schwieriger und müssen unter Umständen länger begleitet werden.

Inzwischen gibt es Schulranzen zum Ziehen. Sind sie mit Blick auf die Sicherheit empfehlenswerter als ein traditioneller Ranzen?

Bei diesen Trolley-Ranzen geht es nicht um Sicherheit, sondern um eine Erleichterung für den Rücken. Man kann natürlich sagen, dass ein viel zu schwerer Ranzen langsam macht - auch beim Überqueren der Straße. Aber das gilt genauso für einen zu schweren Trolley.

Was sieht es mit dem Fahrrad aus? Ab wann können Kinder damit zur Schule fahren?

Was das Radfahren angeht, wird grundsätzlich geraten, dass Kinder erst nach bestandener Fahrradprüfung - und die findet in der Regel in der 4. Klasse statt - alleine mit dem Rad zur Schule fahren. Außerdem sollte man bedenken, dass Schulkinder einen mitunter schweren Ranzen und vielleicht noch einen Turnbeutel transportieren müssen. Radfahren ist auf jeden Fall riskanter als zu Fuß gehen.

Und was ist mit anderen Verkehrsmitteln wie Inliner oder dem Bus?

Von Inlinern, Skateboards oder City-Rollern rate ich ab. Die Unfall- und Verletzungsgefahren sind sehr groß, weil das Bremsen so problematisch ist - vor allem mit einem Ranzen auf dem Rücken. Wenn Kinder mit dem Bus zur Schule fahren müssen, ist vor allem wichtig, dass geordnete Ein- und Aussteigen zu üben.

Was halten sie davon, dass viele Eltern aus Sorge vor Unfällen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen?

Statistiken besagen, dass viel mehr Kinder als Beifahrer im Auto schwer verunglücken als zu Fuß. Außerdem lernen Kinder, die zur Fuß zur Schule gehen, viel schneller, sich sicher im Straßenverkehr zu verhalten und verunglücken seltener.
Zu Fuß gehen ist aber auch aus anderen Gründen empfehlenswert, vor allem wegen des Gesundheitsaspektes: Die häufigste Ursache für Übergewicht ist, dass wir uns im Alltag zu wenig bewegen.
Neuere Studien besagen auch, dass ein aktiver Lebensstil ein wichtiger Schutzfaktor vor Atemwegs- und sogar psychischen Erkrankungen ist. Und tägliches zu Fuß gehen ist ein wichtiger Beitrag für mehr Alltagsbewegung.
Für Kinder ist zu Fuß gehen zu allen Jahreszeiten und Witterungen außerdem eine tolle Umwelterfahrung. Den Schulweg alleine zu bewältigen, anstatt im Eltern-Taxi, stärkt zudem das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit - und es ist ein Beitrag zum Umweltschutz.

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