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Sims und Co - wenn der Bildschirm das Leben ersetzt

Viele Eltern kennen folgende Situation: Teenager sitzen pausenlos am Computer. Wenn sie von der Schule kommen, verschanzen sie sich sofort im Zimmer. Einige nehmen nicht mehr am gemeinsamen Essen teil. Sie spielen. Stundenlang. Bis in den späten Abend. Die Jugendlichen treffen nur noch selten Freunde und geben Hobbys auf. Ganze Wochenenden werden vor dem Computer verbracht. Wenn Eltern nachfragen, was ihre Kinder da eigentlich die ganze Zeit machen, erleben sie oft aggressive Zurückweisungen: „Er schreit mich an, ich solle ihn in Ruhe lassen. Ich würde sowieso nichts davon verstehen“ erzählt eine beunruhigte Mutter. Die Schulnoten ihres Sohnes würden immer schlechter. Morgens sei er müde. Sie hat versucht, ihm das Spielen zu verbieten. Aber das kann sie nicht durchsetzen: „Am letzten Wochenende hat er sich sogar in seinem Zimmer eingeschlossen. Da hätte ich ihm nur noch den Strom abdrehen können.“ Sie hat Angst, dass er abhängig wird, es vielleicht schon ist. Sie beruhigt sich aber mit dem Gedanken, dass es vielleicht nur eine Phase sein könnte. Schließlich sei der Junge in einem schwierigen Alter. Jetzt wartet sie ab, wie sich das weiter entwickelt.

Keine einfache Situation, weiß Dr. Klaus Wölfling von der Ambulanz für Spielsucht in der Mainzer Uniklinik. Aber er rät Eltern, solches Verhalten auf keinen Fall zu tolerieren: „Es ist wichtig, hier früh einzugreifen.“ Auch wenn das schwer sei, Eltern sollten versuchen, im Gespräch mit ihren Kindern zu bleiben. Denn wie jedes Suchtverhalten dient auch übermäßiges Spielen dazu, unangenehme Sachen zu vermeiden, sich von Problemen abzulenken. Darüber sollten Eltern mit ihren Kindern sprechen. Und sie sollten herausfinden, was sie eigentlich spielen. Denn es kommt nicht nur auf die Dauer des Spielens an, es ist auch von Bedeutung was gespielt wird. Ein besonders hohes Suchtpotential haben Online-Rollenspiele.

Es sind zumeist Minderjährige und Heranwachsende, die bei solchen Spielen registriert sind. Spieler können hier eine beliebige Rolle annehmen. Beispielsweise kämpfen sie als Krieger oder Zwerg, Mann oder Frau gegen Monster und Banditen. Ihr Ziel ist es, bei den Abenteuern immer stärker zu werden. Es geht darum, möglichst viele Waffen und Kräfte zu gewinnen - und die erhält man über ein Belohnungssystem. Dieses System ist gefährlich, so die einhellige Expertenmeinung: Denn wer eine bestimmte Wunderwaffe haben will, spielt solange bis er sie endlich hat. Diese Spielregeln ähneln dem Glücksspiel, sie fördern die Sucht.

Belohnt wird aber nicht nur, wer geschickt Monster erlegt und Gegner tötet. Auch wer lange spielt, wird in manchen Spielen belohnt! Dies geschieht z. B. wenn Spieler für Anwesenheitszeiten Punkte erhalten, die sie ihren Zielen näher bringen. Es gilt: Je länger man spielt, desto besser. Schon aus diesem Grund lohnt es sich kaum, nur ein paar Minuten online zu sein. Das ist ein Teufelskreis: Denn wer lange und intensiv spielt, verliert mit der Zeit jedes Zeitgefühl.

Je länger Jugendliche spielen, umso schwieriger wird es für sie, sich von ihrer Spielsucht zu befreien, weiß Klaus Wölfling. Er betont, dass aber auch totale Computerverbote nicht weiter helfen. Sie sind in der heutigen Gesellschaft lebensfremd und provozieren geradezu Gegenreaktionen. Es geht eher darum, Spielregeln zu verabreden, zeitliche Begrenzungen, die dann aber auch eingehalten und durchgesetzt werden müssen. Eltern sollten sich bei diesem Thema nicht scheuen, professionelle Hilfe zu holen. Allgemeine Informationen zur Spielsucht, aber auch persönliche Hilfe, können Ratsuchende Tag und Nacht unter der Suchthotline 0800-5511600 erhalten.

Literatur:

Farke, Gabriele: Gefangen im Netz? Onlinesucht: Chats, Onlinespiele, Cybersex. Huberverlag, Bern 2011. 17,95 Euro

Grüsser, Sabine M./Thalemann, Ralf: Computerspielsüchtig? Rat und Hilfe. Huberverlag, Bern 2008. 16,95 Euro

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Elterninfo Nr. 4 - Kinder & Medien. Zu bestellen unter: http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/ 

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Elterninfo Nr. 5 - Spiel mit mir! Zu bestellen unter: http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/ 

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Elterninfo Nr. 24 – Fantasie. Zu bestellen unter: http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/ 

Lerchenmüller-Hilse, Hedwig/ Hilse, Jürgen: Kinder am Computer - Vermeiden Sie Spielsucht, Übergewicht & Co. Fördern Sie Konzentration und Kreativität. Ein Ratgeber für Eltern. Humboldt, Schluetersche 2009. 8,90 Euro

Links:

www.lzg-rlp.de/fileadmin/pdf/2007_Doku_Fachtag_Spielsucht.pdf  

www.onlinesucht.de

www.unimedizin-mainz.de/psychosomatik/startseite/kompetenzzentrum-verhaltenssucht/computerspielsucht.html

Ergänzende Materialien zur Medienkompetenz:

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Medienplan.
Medienplan mit Aufklebepunkten, DIN A 3. Zu bestellen unter:  http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Medientagebuch für Kinder / Jugendliche im Hosentaschenformat. Zu bestellen unter:  http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Medientagebuch für Erwachsene im Hosentaschenformat. Zu bestellen unter:  http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/ 

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