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Interview: Sims und Co

Interview mit Dr. Klaus Wölfling, Psychologische Leitung - Ambulanz für Spielsucht, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Viele Familien kennen das: Das Kind sitzt stundenlang vor dem Computer und spielt. Ab wann wird so etwas zum Problem?

Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Es kommt ja auch darauf an, was gespielt wird. Online-Rollenspiele, die gerade unter Jugendlichen sehr verbreitet sind, haben zum Beispiel ein sehr hohes Suchtpotential. Trotzdem: Es ist möglich, diese Spiele zu spielen, ohne abhängig zu werden. Wir schätzen, dass neunzig Prozent aller Spieler die Kontrolle behalten können. Bei den restlichen zehn Prozent  besteht allerdings die Gefahr, dass sie spielsüchtig werden. Das sind nicht wenige; bei einigen Online-Rollenspielen finden sich bis zu zwölf Millionen registrierte Nutzer.

Ist es da nicht besser, den Kindern das Spielen zu verbieten?

Nein, das empfehlen wir nicht. Das kann zu Aggressionen führen, besonders dann, wenn es schon zu einer Abhängigkeit gekommen ist. Erst einmal sollten Eltern schauen, ob bei ihrem Kind tatsächlich ein problematisches Verhalten vorliegt. Das kann man auch nicht allein daran festmachen, wie lange gespielt wird. Die Eltern sollten schauen, womit sich ihr Kind am PC und im Internet beschäftigt. Wenn es Einschränkungen auf der körperlichen Ebene gibt, dann ist das zum Beispiel ein Warnsignal. Dann muss man von abhängigem Verhalten ausgehen.

Welche körperlichen Einschränkungen sind das?

Es sind vor allem Schlafstörungen, die auftreten, auch Zittern, Schwitzen und innere Unruhe. Die Betroffenen sind nervös, aber auch aggressiv. Aggression ist das, was viele Eltern am ehesten bemerken: Nämlich dann, wenn sie durch Erziehungsmaßnahmen den Internetzugang begrenzen. Dann kommt es zu Aggressionen, sie sind Ausdruck der Entzugserscheinungen.

Gibt es noch andere Warnsignale?

Es dauert eine Weile, bis sich eine Sucht entwickelt hat, das ist ein schleichender Prozess: Der Jugendliche trifft seine Freunde immer weniger, sein Leben spielt sich zunehmend im virtuellen Raum ab. Alle anderen Kontakte und Lebensbereiche werden vernachlässigt - die Schule, die Ausbildung, Hobbys oder auch Sport. Die Spielzeiten werden länger. Es ist dann nicht selten, dass Spieler 75 Stunden am Stück vor dem Computer sitzen, nur mit den notwendigsten Unterbrechungen.

Was können Eltern tun, um zu verhindern, dass es so weit kommt?

Es ist wichtig, im Gespräch zu bleiben, aufmerksam zu sein. Sucht kommt nicht von heute auf morgen. Eltern sollten wissen, was ihre Kinder fühlen, welche Probleme sie haben - gerade in dieser schwierigen Phase des Heranwachsens. Wie jedes Suchtverhalten dient auch übermäßiges Spielen dazu, unangenehme Sachen zu vermeiden, sich von Problemen abzulenken. Wir erleben es oft, dass der Computer die Rolle eines Trösters hat. Kinder, für die sich niemand Zeit nimmt, haben ein höheres Risiko abhängig zu werden.
    
Und was sollen Eltern tun, wenn sie glauben, dass der Sohn oder die Tochter tatsächlich schon abhängig sind vom Spielen?

Sie sollten mit dem Kind darüber reden. Auf keinen Fall sollten sie problematisches Spielverhalten tolerieren. Es soll noch einmal betont werden: Totale Computerverbote helfen nicht weiter. Sie sind in der heutigen Gesellschaft lebensfremd und provozieren geradezu Gegenreaktionen. Aber Eltern könnten mit dem Kind Spielregeln verabreden, zeitliche Begrenzungen, die dann aber auch eingehalten und durchgesetzt werden müssen. Eltern sollten sich auch nicht scheuen, professionellen Rat und Hilfe einzuholen. Je früher das passiert, umso besser.

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