Sie befinden sich auf den Internetseiten von VIVA FAMILIA - Servicestelle für Lokale Bündnisse in Rheinland-Pfalz.



Drucken

Seite durchsuchen zurück zu letzten Seite Seite ausdrucken

Inhalt

Dauerthema Taschengeld

Lars (14) ist der Meinung, dass er zu wenig bekommt und beklagt sich regelmäßig, bei seinen Eltern, dass seine Freunde viel mehr Taschengeld bekommen. Für die fünfjährige Sophie dagegen spielt Taschengeld noch gar keine Rolle. Aber vermutlich wird das Interesse bald geweckt, wenn sie im Sommer in die Schule kommt und andere Kinder sich von ihrem Taschengeld nach der Schule kleine Herzenswünsche erfüllen. 

Es gibt kein Gesetz, das Eltern vorschreibt, ob und wie viel Taschengeld sie ihren Kindern geben müssen. Trotzdem ist Taschengeld sinnvoll. Denn den Umgang mit Geld - es einzuteilen, finanzielle Prioritäten zu setzen und damit auszukommen -, kann nur lernen, wer auch über Geld verfügen darf. Mit Taschengeld begreifen Kinder, wie man eigenen Wünschen durch Sparen näher kommt, aber auch, dass Wünsche nicht unbegrenzt finanzierbar sind. Der Umgang mit Taschengeld ist ein wichtiger Schritt zu Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.

Die Höhe des Taschengeldes müssen sich Eltern individuell überlegen, schließlich ist das in erster Linie vom Familienbudget abhängig. Aber auch das Alter des Kindes ist ausschlaggebend und welche Ausgaben Kinder und Jugendliche davon bestreiten sollen. Als Orientierungswerte empfiehlt der Deutsche Kinderschutzbund:

  • unter 6 Jahre: 0,50 Euro wöchentlich
  • 6-7 Jahre 1-2 Euro wöchentlich
  • 8-9 Jahre 2-3 Euro wöchentlich
  • 10-11 Jahre 15 Euro im Monat
  • 12-13 Jahre 20 Euro im Monat
  • 14-15 Jahre 25 Euro im Monat
  • 16-17 Jahre 30-50 Euro im Monat 

Weil kleinere Kinder einen längeren Zeitraum schlecht überblicken und deshalb das Geld nicht entsprechend einteilen können, sollten sie ihr Taschengeld wöchentlich erhalten. Später sollten Kinder lernen, auch längere Perioden finanziell zu überschauen. Taschengeld sollte regelmäßig, an einem bestimmten Tag in der Woche beziehungsweise im Monat ausgezahlt werden - ohne dass Kinder ihre Eltern daran erinnern müssen. So lernt Ihr Kind, sich ebenfalls an Absprachen und Verpflichtungen zu halten.

Vom Taschengeld dürfen Kinder und Jugendliche kaufen, was sie wollen. Eltern sollten sich nicht einmischen, wenn das Geld für Dinge ausgegeben wird, die aus Elternsicht überflüssig sind. Ein Kind ernst zu nehmen, heißt dass es seine eigenen Erfahrungen mit Geld machen darf. Begleiten Sie ihr Kind dabei, indem sie beispielsweise in einem Gespräch auf bessere Möglichkeiten hinweisen, Geld auszugeben, aber halten Sie keine Moralpredigt. Einzige Bedingung: Gefährliche oder wirklich gesundheitsgefährdende Sachen dürfen nicht gekauft werden. Eltern sollten ihrem Kind auch keine Vorwürfe machen, wenn es das Taschengeld sofort auf den Kopf haut. Es ist schon Strafe genug, wenn man dann bis zum nächsten Auszahlungstermin nichts mehr hat. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es sinnvoll ist, nicht alles gleich auszugeben. Kinder können allmählich unterscheiden lernen, was weniger wichtig ist und was ihnen so wichtig ist, dass es sich lohnt, dafür zu sparen.

Taschengeld ist kein Erziehungsmittel, es darf nicht als Strafe oder Belohnung herab- oder heraufgesetzt werden. Auch die Erledigung alltäglicher Haushaltsarbeiten wie Tisch decken oder Spülmaschine ausräumen sollte nicht daran geknüpft sein, denn es ist normal, dass jedes Familienmitglied im Haushalt hilft. Taschengeld ist auch nicht dazu da, Schulmaterial, Lebensmittel oder Kleidung damit zu bezahlen. Es sei denn, ein Kind möchte beispielsweise eine besonders teure Markenhose. Dann können Sie mit Ihrem Kind verabreden, dass Sie einen Grundbetrag geben und Ihr Kind legt auch etwas dazu.

Geld ist nicht nur dafür da, Wünsche zu erfüllen, sondern in erster Linie ein Mittel zum Lebensunterhalt und es fällt einem nicht in den Schoß – auch das sollte Ihr Kind lernen. Erklären Sie ihm, was die Tüte Gummibärchen kostet und ein paar Schuhe, was die Miete für die Wohnung oder der Strom kosten. Wenn das Familienbudget gering ist, sollten Eltern das thematisieren, damit Kinder nicht denken, über Geldmangel dürfe man nicht sprechen.

Taschengeld sei aber nur der erste Schritt der Gelderziehung, so Hermann Liebenow, Psychotherapeut und Autor des Buches „Taschengeld & Co.“ Er vertritt die Ansicht, dass Jugendliche in einem zweiten Schritt selbst erfahren sollten, wie viel Energie und Zeit nötig sind, um Geld zu erarbeiten. Liebenow empfiehlt deshalb mit Jugendlichen ab etwa 12 Jahren bezahlte Hausjobs auszuhandeln, die über die alltäglichen Hausarbeiten hinausgehen – beispielsweise Rasen mähen oder Auto putzen.

Links:

www.taschengeldgangster.de
Mit dem „Taschengeldtraining“ der Verbraucherzentrale Thüringen können Kinder lernen, Einnahmen und Ausgaben besser zu kontrollieren und auch mal ein paar Euro für spätere Wünsche zurück zu legen. Die Website informiert außerdem über Schuldenfallen wie das Handy oder das Herunterladen von Klingeltönen aus dem Internet.

Hermann Liebenow: Gelderziehung und Taschengeld (Online-Familienhandbuch)

Literatur:

Hermann Liebenow: Taschengeld & Co - So lernt Ihr Kind sparen und ausgeben, Reinhardt-Verlag 2002, ISBN: 3-497-01609-8, 9,90 Euro.

Unser Geld, Ravensburger Verlag 2008 (Reihe: Wieso? Weshalb? Warum?, Nr. 15), ISBN 3-473-33264-X, 12,95 Euro. (ab 4 Jahre)

Rainer Crummenerl: So ist das mit dem Geld, Arena-Verlag 2004, ISBN 3-401-05754-5, 8,50 Euro. (ab 6 Jahre)

Sigrid Born/Nicole Würth (Hrsg.): Geld spielt (k)eine Rolle - Fragen zu Geld und Wirtschaft, Fischer Taschenbuch2007, ISBN 3-596-80656-9, 6,95 Euro. (ab 10 Jahre) 

Nikolaus Piper: Felix und das liebe Geld, Roman vom Reichwerden und anderen wichtigen Dingen, Beltz & Gelberg 2008, ISBN 3-407-74079-4, 9,50 Euro. (ab 12 Jahre)

Zum Interview