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Daniel Fauth ist Diplom-Sozialpädagoge und systemischer Familientherapeut in Mainz.
Das Fest der Liebe soll es eigentlich sein, doch gerade an Weihnachten gibt es in vielen Familien Zoff. Wie ist das zu erklären?
Weihnachten ist ein Fest, an welchem viele Erwartungen und Vorstellungen unterschiedlichster Personen aus mehreren Generationen aufeinander treffen. Am "Fest der Liebe" sollen endlich alle Konflikte der Vergangenheit angehören und die Atmosphäre von Harmonie geprägt sein - das kann Stress erzeugen. Die Konflikte sind aber trotzdem da und alte Muster greifen so auch an diesen Tagen immer wieder. Ein weiterer Faktor ist die, durch die ergreifende Weihnachtsstimmung entstehende Emotionalität. Diese lässt Konflikte eher aufbrechen und in einer Eskalation enden. Viele sehen Weihnachten auch als Chance des Neuanfangs, denn das alte Jahr geht zu Ende und ein neues beginnt - diese Hoffnung wird dann enttäuscht, wenn doch alles so bleibt, wie es immer war.
Was sind typische Konflikte in der Weihnachtszeit? Wodurch werden Streitigkeiten ausgelöst?
Die unterschiedlichen Vorstellungen führen zu Wert- und Zielkonflikten. Für Mütter ist Weihnachten beispielsweise das Fest, an dem alle endlich zusammen kommen und Zeit miteinander verbringen. Für Jugendliche ist es möglicherweise eher ein Konsumfest, alles soll möglichst schnell gehen und die Geschenke sind die Hauptsache. Hinzu kommt der Stress, der ja schon in der Vorweihnachtszeit beginnt und oft hauptsächlich auf Müttern lastet. Bis zum Heiligen Abend kann sich da unter Umständen schon ein gewisser Druck angesammelt haben, der auf der anderen Seite auch nach einem Ausgleich verlangt. Die Enttäuschung ist dann groß, wenn statt dem erwarteten Dank lieber alle Fernsehen schauen wollen.
Oder junge Erwachsene kommen nach Hause und in der intensiven Nähe über einige Tage, brechen alte Konflikte mit den Eltern wieder auf. Sie fühlen sich wieder wie Kinder behandelt oder sogar bevormundet, obwohl sie aus dieser Nähe bereits herausgewachsen sind. Bei Kleinkindern kann die Mischung aus Reizüberflutung, Besuchsmarathon und wenig Schlaf zum "Ausrasten" führen. Großeltern haben ihre Vorstellungen, wie es früher an Weihnachten war und wollen diese Zeit zurückholen - auch gegenüber kleinen Kindern, von denen sie beispielsweise erwarten, dass sie immer schön "Danke" sagen. Oder die Großeltern verwöhnen die Kinder in den Augen der Eltern zu sehr. Bei Besuchen von Onkeln oder Tanten kann der Wunsch nach einer guten Außendarstellung zum Krach führen, weil die Kinder sich nicht so präsentieren, wie erhofft.
Auch erhöhter Alkoholkonsum an den Festtagen kann Streit auslösen, denn durch die enthemmende Wirkung ist die Impulskontrolle geringer und man sagt eher Sachen, die sonst nicht zur Sprache kommen.
Wie können Konflikte unterm Tannenbaum vermieden werden?
Wichtig ist, Erwartungen schon im Vorfeld abzufragen, entsprechende Absprachen rechtzeitig zu treffen und sich auf Rituale zu einigen. Die Beteiligten sollten klare Grenzen setzen und dann auch sagen: "Stopp, mehr mache ich nicht, das muss jemand anderes tun." Das ist gerade für Mütter wichtig - beispielsweise zu sagen, statt eines wahnsinnig aufwendigen Essens gibt es Würstchen mit Kartoffelsalat. Die Verantwortung für Weihnachten sollte von Anfang an aufgeteilt werden und jeder seinen Teil zur Vorbereitung und Gestaltung des Festes beisteuern. Vielleicht kann eine gemeinsame Aktivität zur Auflockerung beitragen, ein Gesellschaftsspiel zum Beispiel, und es sollten Freiräume eingeplant werden, damit an den Weihnachtstagen nicht alle permanent aufeinander sitzen müssen.
Man sollte sich im Vorfeld die eigenen Erwartungen bewusst machen und konfliktträchtige Themen ansprechen oder deren Klärung auf einen bestimmten Zeitpunkt verlegen. Es ist zwar nicht zu verhindern, dass jemand anderes etwas anspricht, aber man muss nicht unbedingt unmittelbar darauf eingehen, sondern kann das Thema verschieben, um später in Ruhe darüber zu reden.
Und wenn es doch Enttäuschungen oder Streit gibt?
Als erstes durchatmen und rausgehen. Wenn man dann zurückkommt, sollte der Konflikt angesprochen werden, denn wenn sich Ärger und Enttäuschungen aufstauen, knallt es erst recht. Man muss ausloten, was und wie man etwas ansprechen kann, damit die Situation nicht wieder eskaliert. Bei sehr emotionalen Themen oder wenn erhöhter Alkoholkonsum mit im Spiel ist, sollte das Gespräch unbedingt verschoben und später ein Einzelgespräch gesucht werden.
Bei allen Gesprächen ist es wichtig, seine Meinung in "Ich-Botschaften" zu verpacken, also lieber sagen "Ich bin traurig, weil ich etwas anderes erwartet habe", als "Du hast mir weh getan". Mit solchen Aussagen klagt man nur den anderen an und riskiert die Antwort: "Nein, habe ich nicht", was in eine Spirale von Anklage und Verteidigung führen kann. Es sollte versucht werden, sich "aktiv zuzuhören", das bedeutet durch Nachfragen herauszufinden, was genau der Gesprächspartner meint, und zurückzumelden, was man verstanden hat. Um Missverständnissen vorzubeugen und eine Eskalation zu vermeiden, ist es wichtig, sich für die Position des anderen zu interessieren und ihm zu signalisieren, dass man ihn versteht und seine Meinung akzeptiert - auch wenn man sie nicht teilt.
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