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Das "Fest der Liebe" endet leicht im Familienstreit

Weihnachten ist für viele Menschen das wichtigste Familienfest des Jahres. Wochen vorher wird gebacken und geschmückt, ganze Innenstädte erstrahlen im Weihnachtsglanz. Das "Fest der Liebe" soll friedvoll, gemütlich und harmonisch sein. Die Realität sieht allerdings oftmals anders aus: In vielen Familien naht mit Weihnachten der größte Krach des Jahres. Zu hohe Erwartungen und unterschiedliche Vorstellungen enden schnell in Enttäuschung. Vor allem wenn schon die Adventszeit mit Stress behaftet ist, können die Nerven an Weihnachten blank liegen.

Susanne L. beispielsweise freut sich sehr auf ein großes Familienfest an Weihnachten, zudem auch ihr Sohn Lukas, der in einer anderen Stadt studiert, nach Hause kommt. In der Vorweihnachtszeit backt sie, besorgt Geschenke, dekoriert die Wohnung und plant das Menü. Die zwölfjährige Tochter Anna ist schon seit Wochen aufgeregt. Susannes Mann Reiner arbeitet bis Heiligabend und muss dann noch schnell eine Kleinigkeit für Susanne besorgen. Er wünscht sich eine ruhige Zeit mit viel Faulenzen. Am ersten Weihnachtstag, an dem sich auch die Großeltern von Anna und Lukas angesagt haben, steht Susanne schon frühmorgens in der Küche. Beim Essen beschwert sich Reiner, die Gans sei zu fettig und Lukas will danach am liebsten sofort los zu seinen alten Freunden, die er lange nicht gesehen hat. Susanne ärgert sich, dass Anna von den Großeltern mit Geschenken überhäuft wird. Die Stimmung ist gereizt. Als sich Lukas von den Ansichten seines Großvaters provoziert fühlt, geht der Streit los.

Die vielen unterschiedlichen Erwartungen gepaart mit vorweihnachtlichem Stress und dem starken Wunsch nach Harmonie sind die Hauptgründe für Missstimmung an den Weihnachtstagen, weiß Familientherapeut Daniel Fauth zu berichten. In einer Emnid-Erhebung sahen das auch 35 Prozent der Befragten so und nannten zu hohe Erwartungen an die Harmonie als Ursache für Streit an Weihnachten. Besuchsverpflichtungen machten 18 Prozent als Konfliktherd aus, vor allem jüngere Menschen fühlten sich davon gestresst. Weitere neun Prozent nannten zu hohen Alkoholkonsum. Enttäuschungen bei den Weihnachtsgeschenken dagegen sind laut Umfrage kaum ein Streitauslöser.

Aus Sorge, dass der Weihnachtstraum nicht Wirklichkeit wird, neigen manche Menschen dazu, noch mehr zu schenken, noch mehr zu dekorieren und ein noch größeres Essen zu planen. Dabei ist eher das Gegenteil, nämlich etwas weniger von allem, empfehlenswert - und vor allem: Früh genug planen, die Erwartungen besprechen, überlegen, mit wem man feiern möchte, und den Ablauf abstimmen, damit sich alle darauf einstellen können.

Dabei sollte man langjährige Rituale, gerade wenn sie aufwändig oder anstrengend sind, auch mal hinterfragen und vielleicht einsparen. Auf jeden Fall sollten alle Familienmitglieder in die Vorbereitungen einbezogen, Aufgaben und damit Verantwortung aufgeteilt werden. Um unnötigen Stress zu vermeiden, sollte man nur erledigen, was unbedingt nötig ist und vom Perfektionismus Abstand nehmen. Der Tannenbaum oder das Weihnachtsessen können auch mal kleiner ausfallen. Gerade für Mütter, die oft die meiste Arbeit und Verantwortung haben, ist das wichtig. Auch Ernährungswissenschaftler raten dazu, das Menü abzuspecken, denn ein typisches Weihnachtsessen liefere die perfekten Zutaten für einen Familienstreit: Ein voller Magen, zu viele Kohlenhydrate, zu viel Fett und Salz machen mürrisch.

Wer beim Schenken auf Nummer sicher gehen will, sollte auf den guten alten Wunschzettel zurückgreifen. Der Überraschungseffekt ist zwar dahin, es gibt aber auch keine enttäuschten Gesichter, die das dritte Paar Socken auspacken. Und es geht nicht darum, jedes Jahr neue Geschenkrekord aufzustellen. Lieber nur ein Geschenk, das aber wirklich Freude macht.

Konfliktträchtige Themen, die unweigerlich zum Streit führen, sollte man auf einen Zeitpunkt nach Weihnachten verschieben. Kommt doch ein Reizthema auf, möglichst nicht darauf eingehen. Damit das gelingt, ist es hilfreich, sich schon im Vorfeld in die anderen hineinzuversetzen und sich zu fragen: Womit muss ich rechnen? Wie kann ich die anderen besser verstehen? Grundsatzgespräche oder sehr emotionale Themen sollten an Weihnachten unbedingt vermieden werden.

Wichtig ist auch, nicht die gesamte Weihnachtszeit zu verplanen und nicht drei Tage am Stück zusammen verbringen zu müssen. Verwandtenbesuche sollten nicht in unliebsame Verpflichtungen oder Terminstress ausarten. Auch hier gilt, lieber eine Einladung weniger und niemanden zu Besuchen zwingen. Freiräume, die Möglichkeit, sich auch an den Weihnachtstagen eine "familienfreie" Auszeit nehmen zu dürfen, helfen Zank aus dem Weg zu gehen. Und eine gemeinsame Aktivität, wie ein Gesellschaftsspiel, kann die Atmosphäre auflockern. Ebenso nützlich sind Bewegung an der frischen Luft, ein Spaziergang oder mit Kindern einen Schneemann bauen - auch als Ausgleich zum reichlichen Essen.

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