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Geschenke für die Eltern und die Schwiegereltern, einige Kleinigkeiten für den Bruder und seine Frau, dazu kommen noch eine Tante und ein Onkel. Und natürlich die Kinder. Viele nehmen sich vor, die Geschenke vor der Adventszeit zu besorgen. Aber alle Jahre wieder dasselbe: Hektik und Stress. Und in letzter Minute besorgt man den Weihnachtsbaum. „Ich kann Weihnachten und auch den Advent nicht genießen“, so hört man es von Vielen.
Andere dagegen lieben diese Zeit, in der es so früh dunkel wird. Eine 30jährige Mutter berichtet, dass sie es kaum abwarten kann, am ersten Advent ihre Wohnung weihnachtlich zu schmücken und überall Kerzen anzuzünden. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter backt sie Plätzchen - Vanillekipferl und Zimtsterne. Und die Lebkuchen nach Rezepten ihrer Großmutter. Die sind für Weihnachten. Sie packt kleine Päckchen für Freunde, Kollegen und Nachbarn, wie in jedem Jahr. Auch die Geschenke für ihre Familie hat sie längst besorgt.
Jede Familie erlebt den Advent anders, die einen mehr, die anderen weniger besinnlich. Aber für die meisten gilt: Der Konsumdruck ist groß. Schon im Herbst geht das Weihnachtsgeschäft los. Und so mancher Weihnachtsbrauch wird über all dem Rummel vergessen. So auch der Sinn von Weihnachten, die Geburt Christi zu feiern, geht in dieser Zeit immer mehr verloren. Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2006 hat jeder zehnte Bundesbürger keine Ahnung, welche Bedeutung Weihnachten hat. 90 Prozent der Befragten wussten, dass das Fest alljährlich wegen der Geburt Christi begangen wird. Zehn Prozent glaubten dagegen, Weihnachten habe andere Hintergründe.
Die Bonner Soziologin Cynthia Degen bedauert das: „Es ist schade, dass viele die ursprüngliche Bedeutung von Weihnachten nicht mehr kennen. Aber man kann auch niemandem vorschreiben, wie er Weihnachten für sich und seine Familie deutet. Für manche Menschen ist der religiöse Rahmen nicht wichtig.“ Sie sieht aber auch Möglichkeiten, Weihnachten trotzdem zu einem Familienfest mit schönen Ritualen zu machen: „Für viele sind die kulturellen Praktiken, die man seit der eigenen Kindheit kennt, an Weihnachten wichtig. Auch wenn diese keinen religiösen Bezug haben. Zum Beispiel am Adventssonntag gemeinsam die Kerzen anzuzünden und zu singen“. Sie appelliert an die Familien, diese Zeit zu nutzen, um etwas Ruhe einkehren zu lassen: „Gerade in dieser Zeit könnten Menschen versuchen, den Stress unserer Zeit einmal außen vor zu lassen.“ Nicht nur für Kinder wäre das schön: Anstatt durch die überfüllte Innenstadt zu hetzen, sitzt die Familie zusammen. Man erzählt Geschichten und packt die alten Gesellschaftsspiele aus. „Es gibt viele Möglichkeiten, den Advent für die Familie zu gestalten und alte Weihnachtsbräuche zu beleben“, meint Cynthia Degen. Solche Bräuche und Rituale sind für Familien von großer Bedeutung. „Sie stiften Identität, sie geben die Möglichkeit, sich als Gruppe zu erleben.“ Feste Rituale sind gerade für Kinder wichtig: Der Adventskranz, der Stiefel vor der Tür an Nikolaus, der gemeinsame Besuch der Christmette, das Schmücken des Baums - was immer wiederkehrt gibt Sicherheit und strukturiert das Jahr.
Wo zwei Familien in einer Patchwork-Familie aufeinander treffen, müssen oft Kompromisse her und neue Rituale ausgehandelt werden. Wichtig findet Cynthia Degen hier: „Die Erwachsenen sollten sich klar machen, dass es dabei vor allem darum geht, für die Kinder ein schönes Fest zu gestalten.“
Bei aller Weihnachtsplanung sollte aber auch immer darauf geachtet werden, dass man sich nicht überfordert. Denn an erster Stelle ist die Adventszeit eine Zeit der Besinnung und Ruhe. Und damit auch das Weihnachtsfest für alle ein schönes Ereignis wird, ist es notwendig, sich immer wieder daran zu erinnern.