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Weihnachtsstress vermeiden - das Interview

Deutschland, ein Weihnachtsmärchen. So sieht es zumindest aus, das Ideal für die festlichen Tage zum Jahresabschluss. Schön eingepackt liegen die Geschenke unter dem Tannenbaum, der jüngste Spross gibt den Großeltern ein Ständchen auf dem neuen Keyboard und das Festmahl wartet perfekt angerichtet auf die verwöhnten Mägen. Der erste Schnee liegt spätestens jetzt vor der Türe, und endlich hat man sie: die langersehnte Zeit füreinander.

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Zum Fest soll alles perfekt sein – schnell haben sich bemühte Mütter und Väter unter diesem Anspruch zu viel auf die Schultern geladen. Allein schon die Vorstellung an ein in jeder Hinsicht gelungenes Fest und die ganzen Vorbereitungen für die Feiertage verursachen in vielen Familien Stress. Doch es lässt sich auch anders an Weihnachten herangehen. Entspannt genießen zu können ist dabei nicht nur eine Frage eines ausgetüftelten Zeitplans, sondern vor allem eine Frage der Erwartungen an das Weihnachtsfest.

Damit die Vorbereitungen nicht an einer einzelnen Person hängen bleiben, sind Absprachen im Vorfeld wichtig. Sprechen Sie deshalb mit Ihrer Familie und den Angehörigen konkret über Ihre Vorstellungen. Klären Sie außerdem, wer welche Aufgaben übernimmt. Wer bastelt mit den Kindern zusammen den Adventskranz? Wer kocht das Weihnachtsessen, wer schmückt den Weihnachtsbaum? Wer übernimmt die Weihnachtseinkäufe? Und wie hält man es mit dem Weihnachtsputz, zumal doch die Schwiegereltern kommen? Wer sich im Vorfeld genau überlegt, was wichtig ist und wie sich der Aufgabenberg am besten verteilen lässt, fühlt sich zum einen nicht allein gelassen. Zum anderen stärken gemeinsame Vorbereitungen das Gemeinschaftsgefühl.

Doch was soll man schenken? Auch hier ist es sinnvoll, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, damit kurz vor Weihnachten der Geschenkekauf nicht zum zeitraubenden Marathonlauf durch die Innenstadt wird. Ein Bummel durch die weihnachtlichen Gassen der Altstadt gehört natürlich dazu, und ließe sich das nicht mit einem Gang über den Weihnachtsmarkt mit der oder dem Liebsten verknüpfen? Verbinden Sie möglichst das Angenehme mit dem Nützlichen. Das gilt auch für die Frage, wem man etwas schenkt und wie viel. Dazu meint Diplom-Psychologe Stefan Ewald, Leiter der Lebensberatung Betzdorf des Bistums Trier: „Schenken Sie im Familienkreis etwas, das Ihren persönlichen Bezug zum anderen aufzeigt. Eine liebevoll eingepackte Kleinigkeit wirkt beleibe mehr als ein materiell teures Geschenk. Setzen Sie sich einen finanziellen Rahmen und versuchen Sie, gerade unter den Kindern oder bei Geschenken für Eltern und Schwiegereltern, ausgewogen zu bleiben bei der Geschenkgröße.“

Mit am wichtigsten ist allerdings, selbst gelassen zu bleiben und die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen. Haben Sie keine zu hohen Erwartungen an die Festtage und versuchen Sie nicht, alles perfekt zu machen. Stefan Ewald rät in dieser Hinsicht: „Viele Menschen reiben sich innerlich auf aus Sorge, etwas vergessen zu haben, oder schlichtweg deswegen, weil Details scheinbar nicht stimmen. Man sollte die Festtage vor allem dazu nutzen, sich auf sich selbst zu besinnen, und nicht so sehr auf äußere Perfektion achten“. Dies ist vor allem dann hinderlich, wenn es darum geht, Weihnachten als Familienfest zu begreifen und Freiräume zu schaffen, um zu sich selbst zurück zu kommen und im Konsumgüterrausch durch eigene, klare Grenzziehungen die Oberhand zu behalten.

Es gilt also, Erledigungen und Vorbereitungen in möglichst positiven Stress umzuwandeln, sich zu organisieren und sich mit der Familie über Erwartungen und Notwendigkeiten zu verständigen, damit Weihnachten zu einem freudigen Ereignis wird. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, alles perfekt präsentieren zu wollen, gerade wenn Verwandte, Schwiegereltern oder gute Freunde zum Fest geladen sind. Bleiben Sie möglichst gelassen und lösen Sie sich von der Vorstellung, dass Sie für jede Kleinigkeit und das Wohlbefinden Aller verantwortlich sind. So bringen Sie sich entspannter ein und sorgen automatisch für eine behagliche und gelöste Stimmung an Weihnachten.

Unbewusst kann vielleicht auch die Hoffnung bestehen, dass alte Konflikte und grundlegende Streitpunkte in der Familie zum Fest der Liebe gelöst werden. Versuchen Sie, sich von dieser hohen Erwartung möglichst frei zu machen.

Machen Sie sich klar, dass Weihnachten ein Familienfest ist mit klaren Ritualen und Werten, die sich sinnvoll ausfüllen und vorleben lassen, gerade den Kindern gegenüber.

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