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Die Eltern von Christoph und etwa 40.000 anderen Viertklässlern in Rheinland-Pfalz erhalten nach den Weihnachtsferien die Empfehlung, in welche weiterführende Schule ihr Kind nach den Sommerferien gehen sollte. Christoph macht die Schule Spaß, er lernt schnell, macht gerne und freiwillig Hausaufgaben und hat gute Noten. Seine Eltern blicken der Schullaufbahnempfehlung zuversichtlich entgegen. Luisas Eltern dagegen sind sehr angespannt, ob ihre Tochter in Mathe noch eine Drei schaffen wird? Luisa fühlt sich zwar auch wohl in der Schule, aber mit dem Lernen und den Hausaufgaben tut sie sich manchmal schwer, vor allem in den Hauptfächern.
In vielen Fällen ist die Entscheidung über die weiterführende Schule überhaupt kein Problem. Die Leistungen des Kindes, die Empfehlung der Grundschule, der Wunsch von Eltern und Kind, die Akzeptanz bei der aufnehmenden Schule - alles passt zusammen. Aktuelle Untersuchungen bestätigen immer wieder, dass die Schullaufbahnempfehlung tatsächlich der anschließenden Schullaufbahn der Kinder entsprochen hat.
Aber es gibt natürlich auch schwierige Situationen, wenn die Potenziale eines Kindes nicht so deutlich sind, Eltern und Lehrkräfte die Möglichkeiten des Kindes unterschiedlich einschätzen oder die Ansichten innerhalb der Familie auseinandergehen. Hinzu kommt die Sorge vieler Eltern, für ihr Kind keine gute Startbasis zu schaffen, wenn die Schullaufbahn nicht direkt zum Abitur oder einem anderen hochwertigen Schulabschluss führt.
Laut rheinland-pfälzischem Schulgesetz empfiehlt die Grundschule nach einem gründlichen Entscheidungsprozess eine weiterführende Schulart und berät die Eltern entsprechend. Doch die letztendliche Entscheidung, an welcher weiterführenden Schule ein Kind angemeldet wird, liegt allein bei den Eltern.
Über die Schullaufbahnempfehlung hinaus können Eltern über Einschätzungen zum Lernverhalten Hinweise für die Entscheidung erhalten: Wie selbständig arbeitet das Kind? Welche Einstellung hat es zum Lernen, zur Schule und zu den Hausaufgaben? Wie viel Unterstützung hat es in der Grundschule benötigt? Welche Interessen, Stärken und Schwächen hat das Kind bezogen auf die Anforderungen der künftigen Schule?
Vor der Anmeldung ist es ratsam, die weiterführende Schule in Augenschein zu nehmen. In der Regel informieren Schulen auf eigenen Internetseiten und bieten Informationstage an oder man verabredet einen Besuchs- und Gesprächstermin. Eine Orientierung für Eltern bietet das pädagogische Konzept einer Schule. Ferner können Eltern darauf achten, inwieweit äußeres Erscheinungsbild und Ausstattung zum Beispiel im naturwissenschaftlichen, sportlichen, musischen oder EDV-Bereich ihren Vorstellungen entsprechen und welche Arbeitsgemeinschaften ergänzend zum Unterricht angeboten werden. An Tagen der offenen Tür können sich Eltern und ihre zukünftigen Fünftklässler informieren, zum Beispiel auch darüber wie der Start in die weiterführende Schule verläuft. Für die Auswahl der Schule ist auch wichtig, ob sie gut erreichbar ist. Dann können soziale Kontakte zu Mitschülerinnen und Mitschülern auch nach der Schule leichter aufgebaut und gehalten werden.
Ein Kinderleben sollte nicht nur von der Schule bestimmt sein. Kinder brauchen Freiheit und Freizeit. Ein Kind, das die Schule nur mit größter Anstrengung, übermäßigem Arbeitsaufwand und dauernder Hilfe durch die Eltern schafft, wird kaum glücklich sein. Auch das Familienleben leidet unter solchem Stress und Druck. Und wenn ein Kind eine Schulform verlassen muss, weil es die Anforderungen nicht erfüllt, ist das nicht nur ein Schulwechsel. Die meisten Kinder erleben das als Niederlage und leiden darunter. Dies kann auch längerfristige psychische Belastungen zur Folge haben. Häufig fassen die Kinder auch an der neuen Schule nicht so schnell Tritt, weil sie Frust aufgebaut und Angst vor Misserfolgen haben. Die Schulform sollte so gewählt sein, dass Kinder die Schulzeit möglichst selbständig und erfolgreich durchlaufen können.
Eltern sollten sich nicht ausschließlich an dem höchsten Schulabschluss und die späteren Berufsaussichten fixieren. Wichtige Beweggründe für die Schulwahl sollten sein: Was ist für mein Kind wichtig, damit es Erfolg haben kann? Wie kann die Schulwahl dazu beitragen, dass mein Kind Leistungsmotivation und Selbstsicherheit entwickelt? Wo gibt es ein Schulklima, das meinem Sohn oder meiner Tochter entgegen kommt.
Obwohl die Entscheidung über die weiterführende Schule schwierig sein kann, sollten Eltern sich erst im vierten Schuljahr damit befassen. Die Grundschulzeit kann für Kinder eine lange Leidenszeit werden, wenn dieses Thema von Anfang an über ihnen schwebt. Und Eltern sollten sich immer klar machen, dass die Schullaufbahn keine Sackgasse ist, sondern flexibel und durchlässig ist und auch Umwege zum Ziel führen.
Marie (18), die große Cousine von Lisa, hat das Gymnasium beispielsweise im ersten Anlauf nach nur einem Jahr verlassen. Sie war dort unglücklich, hatte schlechte Leistungen und wollte sehnlichst auf die Realschule, auf die auch ihre Freundinnen gingen. Ihre Eltern haben das - trotz Bauchschmerzen - mitgetragen. In der 9. Klasse kamen Marie erste Zweifel an der eigenen Schulwahl, sie wollte gerne studieren. Marie fing an zu büffeln und geht nun nach dem Realschulabschluss wieder aufs Gymnasium.
Tipps zu Schullaufbahnentscheidung aus Nordrhein-Westfalen - sie sind in vielen Aspekten auch für Rheinland-Pfalz hilfreich
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