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Wäsche waschen, Staubsaugen, Einkaufen – der Familienhaushalt hält Sie ganz schön auf Trab, zumal Sie nur selten auf helfende Hände hoffen dürfen. Vor allem Ihre Kinder sind von häuslichen Pflichten wenig angetan, und Ihr Ordnungssinn trifft ohnehin auf taube Ohren, erst recht mit der Pubertät. In solchen Situationen sind Sie gewiss: Es wird Zeit, dass die Kinder selbständig werden und ihr eigenes Leben in die Hand nehmen!
Doch wehe dem, es ist soweit: Spätestens mit Nesthäkchens Auszug ändert sich Ihre Ansicht. „Deine Wäsche kann ich doch waschen, wenn du am Wochenende kommst!“, hören Sie sich sagen, und vorgekocht haben Sie auch schon, damit Ihr Spross auch ja zu Essen hat in der ersten eigenen Bleibe. Zum Fensterputzen könnten Sie natürlich auch mal vorbeischauen...
„Für viele Eltern ist es eine schmerzliche Erfahrung, wenn die Kinder das Haus verlassen“, weiß unser Experte Rolf Schüler-Brandenburger, der als Diplom-Psychologe in der Kinder- und Jugendhilfe der Diakonissen Speyer-Mannheim tätig ist. „Der Auszug führt uns unmissverständlich vor Augen, dass unsere Kinder erwachsen geworden sind und die Kindheit unwiederbringlich vorüber ist. Auch wenn uns vordergründig die ungewohnte Leere oder Ruhe im Haus schmerzen, ist es letztlich der Verlust der Familien-Kinderzeit, um die wir – mitunter unbewusst – trauern“.
Schätzungsweise liegt das Durchschnittsalter, in dem Jugendliche von Zuhause ausziehen, zwischen 20 und 25 Jahren. Allerdings gibt es bedeutsame kulturelle, historische oder regionale Unterschiede. In Italien beispielsweise leben Kinder häufig bis weit über das dreißigste Lebensjahr bei ihren Eltern. Auf Deutschland bezogen, haben sich im Laufe der Jahrzehnte merkliche Änderungen ergeben, wie unser Experte erläutert: Während in den 50er und 60er Jahren Kinder ebenfalls im Durchschnittsalter von Anfang bis Mitte 20 das Elternhaus verließen, um dann – auch vor dem Hintergrund des Kuppelei-Paragraphen – unmittelbar die Ehe einzugehen, suchten Jugendliche in den 70er Jahren oft früher die räumliche Distanz in der Absicht, sich bewusst vom elterlichen und bürgerlichen Umfeld abzugrenzen. „Heute hingegen ist diese „Rebellion“ weniger stark ausgeprägt“, so Schüler-Brandenburger, „wir beobachten gegenteilig die Tendenz, dass Kinder länger dem Elternhaus verbunden bleiben (Stichwort: Hotel Mama). Als Gründe lassen sich verschiedene Faktoren heranziehen, die von der finanziellen Situation in der Ausbildung bis zu einem konservativ orientierten Wertekanon vor dem Hintergrund von Flexibilisierung und Globalisierung reichen. Ausschlaggebend ist natürlich auch die Infrastruktur in den Regionen oder Ballungsgebieten.
Wichtig für Eltern ist, sich zu vergegenwärtigen, dass mit dem Auszug der Kinder im Regelfall kein Verlust der Bindung einhergeht. Das Familienleben endet nicht, sondern findet unter neuen Prämissen statt und bedarf einer veränderten Gestaltung. Abschied und Neubeginn bedingen einander. „Ein neuer Lebensabschnitt bringt grundsätzlich neue Möglichkeiten und Chancen mit sich“, betont Schüler-Brandenburger. „Entscheidend ist auch die Frage, wie wir als Eltern frei werdende Räume für uns persönlich und als Paar nutzen“. Wesentlich hängt dies auch davon ab, in welchem Lebensabschnitt Eltern sich bei Auszug der Kinder befinden. Während vergleichsweise junge Eltern in der Mitte ihrer Berufstätigkeit stehen, erreichen vergleichsweise ältere Eltern bereits das Rentenalter. Ebenso macht es einen Unterschied, ob sich jemand ausschließlich dem Haushalt und den Kindern gewidmet hat oder ob die erziehenden Personen außerdem berufstätig waren.
Ungeachtet aller Unterschiede gilt aber: Wer sich im Vorfeld intensiv mit dem Auszug der Kinder auseinandersetzt und Perspektiven für die Zukunft entwickelt, ist gut aufgestellt, um den neuen Lebensabschnitt erfolgreich und gewinnbringend zu gestalten.
Mehr Tipps und Hintergrundinformationen lesen Sie in unserem Experteninterview mit Diplom-Psychologe Rolf Schüler-Brandenburger.
Literaturtipps:
Wissenschaftliche Fachliteratur:
Link-Tipps:
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Familienforschung/s_1349.html
https://www.elternimnetz.de/cms/paracms.php?site_id=5&page_id=131
http://www.erziehung.net/entwicklungsphasen/nach-der-schule-uebersicht/auszug-loslassen.html
http://woman.brigitte.de/leben-lieben/familie/auszug-1024715/