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Wie viel Hobby braucht mein Kind?

Alexander Krug ist Kinderspieltherapeut beim Kinderschutzbund Mainz

Hobbies und Aktivitäten sind wichtig für Kinder. Warum?
Ausgewählte Freizeitaktivitäten sorgen dafür, dass die Kinder noch andere Dinge lernen als in der Schule. Sie bekommen im Verein oder beim Sport neue Kontakte, insbesondere wenn es sich um Gemeinschaftsaktivitäten handelt. Schach beispielsweise lässt die Spieler eher isoliert, Mannschaftssportarten fordern stärker die soziale Interaktion. Die Kinder lernen, wie sie mit neuen Menschen in Kontakt treten können, wie man mit jemanden redet und wie man Konflikte löst. Und sie erfahren, dass es an verschiedenen Orten ganz verschiedene Regeln gibt.

Weil Kinder ihr Hobby in der Regel sehr gerne machen, sind sie darin oft auch sehr gut. Das stärkt das Selbstbewusstsein und macht sie widerstandsfähiger gegen Kritik und Misserfolge in anderen Bereichen.

Bei neuen Freunden lernen die Kinder darüber hinaus andere Lebenswelten kennen, sehen wie andere Familien ihren Alltag bewältigen und bringen dadurch vielleicht neue Ideen in die eigene Familie.

Aber wie viel Hobby braucht ein Kind?
Am besten sollten die Eltern ihr Kind selbst fragen, was es verkraftet und was es sich zumuten möchte. Erfahrungsgemäß sind jedoch maximal drei feste Termine pro Woche ausreichend. Das Wochenende mit möglichen Turnieren oder Wettbewerben würde ich da mit einbeziehen. Freunde treffen und freies Spielen hingegen zählt nicht als Termin.

Was ist mit den Stubenhockern, mit Computer-Süchtigen und Fernseh-Junkies?
Wenn Kinder gar kein Hobby haben, sollte man sie natürlich anregen, sich gemeinsam umsehen und in verschiedene Angebote reinschnuppern. Für die Stadt Mainz gibt es beispielsweise einen dicken Führer, der alle möglichen Sportangebote listet.

Um Kinder vom Computer wegzubekommen, sollten die Eltern Aktivitäten anregen, die Computer und Bewegung miteinander verbinden. Ein neuer Trend ist beispielsweise Geo-Caching. Dabei sucht man mit Hilfe einer Website und einem GPS-Gerät Schätze in der freien Natur. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Kinder anzuregen, den Computer zur Recherche einzusetzen und beispielsweise Informationen zu bestimmten Orten oder Städten zusammenzustellen. Am Wochenende könnte die Familie dazu einen Reiseführertag ausrufen, damit die Kids auch mal vor die Tür kommen.

Was, wenn alles zuviel wird? Was belastet Kinder?
Es gibt verschiedene Stressquellen, die sich oft untereinander beeinflussen. So sind natürlich bestimmte familiäre Situationen wie Krankheit, Scheidung, Geldprobleme und ständige Streitigkeiten eine starke Belastung für Kinder, vor allem weil sie diese Probleme nicht selbst lösen können. Dazu kommt der Leistungsdruck, der häufig mit der Schule verbunden ist. Dem Konkurrenzdenken und der - bewussten oder unbewussten - Erwartungshaltung der Eltern sind die Kinder unterschiedlich gut gewachsen. Wenn dann auch noch die Freizeit zu einem Stressfaktor wird, können Kinder regelrecht krank werden. Leistungsdruck durch ehrgeizige Eltern in Bezug auf Menge der Hobbies oder auf zu erreichende Ziele ist eine besondere Belastung für den Nachwuchs.

Woran erkennen Eltern, dass ihre Kinder gestresst sind?
Stress bei Kindern äußert sich ganz unterschiedlich. Manche werden aggressiv, hibbelig, nervös und hyperaktiv, andere ziehen sich in sich zurück, erzählen wenig und wirken antriebslos, vor allem ältere können sogar Depressionen bekommen. Grundsätzlich ist es keine Seltenheit, dass Kinder mit körperlichen Symptomen wie Bauchweh und Kopfschmerzen oder Schlafstörungen reagieren. Manche Kinder haben von einem Jahr aufs nächste plötzlich dauernd Erkältungen oder andere Infektionskrankheiten.

Was ist Ihre Empfehlung?
Neben ausgewählten Hobbies sollten die Kinder so viel wie möglich frei spielen, mit Freunden Zeit und Ort für Treffen ausmachen. Wenn sie nicht alles vorserviert bekommen, lernen sie auch sehr viel, beispielsweise Regeln mit Freunden aushandeln und ihren Tagesablauf selbst zu organisieren. Für viele ist das mittlerweile nicht mehr selbstverständlich. Wir beobachten einen klaren Trend zur Bedienmentalität: Die Kinder können wunderbar konsumieren, zeigen aber kaum noch Eigeninitiative, weil viele Eltern den Animateur geben. Das ist aber gar nicht nötig: Manchmal ist es einfach gut, wenn die Kinder mal wieder Langeweile verspüren: Sie kommen dadurch zur Ruhe, und sie entwickeln Kreativität!

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