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Wie viel Hobby braucht mein Kind? Von Stubenhockern und Terminjunkies

Montags Schwimm AG, dienstags Schach, mittwochs Klavier, dazu die täglichen Hausaufgaben und am Wochenende Turniere und Meisterschaften: Der Terminkalender von manchen Kindern hat mittlerweile Managerqualitäten. Eltern übernehmen fleißig die Rolle von Sekretär und Chauffeur für ihren Nachwuchs.

Wie bei der 12-jährigen Nina: Im gemischten Chor darf sie schon bei den Erwachsenen mitsingen, spielt Querflöte im Musikverein, der ebenso wie der Chor regelmäßig Konzerte gibt, bekommt zusätzlich Flöten-Einzelunterricht und geht Turnen im Nachbarort. "Seit unsere Sportlehrerin in der Schule weiß, dass ich auch nachmittags turnen gehe, muss ich an den Geräten immer ganz viel vormachen", erzählt das Energiebündel stolz. Zum Glück hat sie noch einen älteren Bruder mit Führerschein, der sie abwechselnd mit den Eltern zu den verschiedenen Stunden und Auftritten bringt.

Doch längst nicht alle Kinder kommen mit einem prall gefüllten Terminkalender so gut zurecht: Mit dem neuen Freizeitstress erreichen auch die Krankheiten der Erwachsenen die Grundschule. Auch wenn ein handfester Burnout im Kinderzimmer noch nicht so häufig sein mag, haben doch 72 Prozent der Kinder in einer aktuellen Umfrage angegeben, einmal oder mehrmals die Woche unter Erschöpfungszuständen zu leiden. Knapp 60 Prozent berichteten von stressbedingten regelmäßigen Schlafstörungen.

Bauchweh, Kopfschmerzen und Probleme beim Einschlafen sind keine Seltenheit, weiß auch Kinderspieltherapeut Alexander Krug vom Kinderschutzbund Mainz. Aus seiner Praxis kennt er darüber hinaus Einzelfälle mit Hörsturz oder einer seltenen Regression in frühere Entwicklungsstufen: Im Alter von fünf oder sechs fangen gestresste Kinder wieder an mit Bettnässen.

Ballett, Karate, Fußball, Töpfern, Sportklettern, Modern Dance und Hip Hop: Während die Möglichkeiten heute so groß sind wie noch nie und der Leistungsdruck auch außerhalb der Schule stetig steigt, kämpfen manche Familien mit dem Gegenteil: Ihre Kinder gehen nie vor die Tür, hocken zu Hause und lassen sich vielfach einfach nur "bedröhnen", berichtet Krug. Sie sitzen stundenlang vor dem Computer, dem Fernseher oder hören viel Musik. Für Erwachsene schwer nachvollziehbar sind dabei meist mehrere Gerät gleichzeitig an: Neben dem PC läuft gleichzeitig der Fernseher oder die Musikanlage.

Das Hobby Computer beschränkt sich dabei schon lange nicht mehr auf männliche Jugendliche, erzählt Krug. Spezielle Spiele und Konsolen in pink sprechen immer mehr Mädchen an, die beliebtesten Chats wie www.knuddels.de werden nach der Schule von Mädchen und Jungs aller Alterstufen bevölkert.

Um computersüchtige Kinder auch mal aus dem Haus zu bekommen, sollten die Eltern Aktivitäten anregen, die Computer und Bewegung miteinander verbinden, regt Krug an. "Ein neuer Trend ist beispielsweise Geo-Caching. Dabei sucht man mit Hilfe einer Website und einem GPS-Gerät Schätze in der freien Natur."

"Die Eltern sollten in jedem Fall mit anschauen, was ihre Kinder am Computer machen", empfiehlt Krug. "Natürlich sollen sie nicht spionieren, aber offen darüber sprechen, welche Spiele die Kinder mögen und in welchen Chaträumen sie sich aufhalten. Schließlich gibt es nicht wenige Fälle von Erwachsenen, die Teen- und Kinderchats missbrauchen, um sich den Kids sexuell zu nähern."

Das offene Gespräch hält der Experte grundsätzlich für die beste Methode, um mit den Kindern gemeinsam die passenden Freizeitaktivitäten auszuwählen. "Kinder brauchen Hobbies, und sie wissen selbst am besten, was sie mengenmäßig verkraften."

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