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Meistens ist der Lehrer schuld. Oder die "blöden Aufgaben". Oder die "schlechten Erklärungen". Lena hat schon Bauchschmerzen, wenn sie nur an die Schule denkt. "Du musst Dich einfach nur ein bisschen mehr anstrengen", meint die Mutter. Doch die 11-jährige Gymnasiastin kann so viel lernen, wie sie will - in den Klassenarbeiten kommt sie mit den Aufgaben nicht klar. Das Schlimmste ist danach der Weg nach Hause und die Frage der Eltern, wie es denn gelaufen sei.
Oft sind es tatsächlich die hohen Erwartungen der Eltern, die viele Schüler massiv unter Druck setzen, und nicht der Leistungsdruck aus der Schule, weiß Franziska Plän, Schulpsychologin des Landes Rheinland-Pfalz am Beratungszentrum in Mainz. "Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet mein Kind so doof ist", sagt sich so manches Elternteil. Wird der Druck gar zu groß, reagieren die Kinder mit Schuleschwänzen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder gar Selbstmorddrohungen. Das kann auch gute Schüler treffen.
""Und was haben die anderen für eine Note?", ist alles, was meine Mutter interessiert", klagt die 13-jährige Seline. Die Schülerin schreibt Einsen und Zweien, aber das alleine scheint nicht zu reichen. Zuhause regiert der Vergleich, der Leistungsdruck ist enorm. Gerade für Kinder in der Pubertät kann da ein enormer Zwiespalt entstehen. "In dieser Zeit haben sie meist ganz andere Themen als die Schulnoten", so Plän. "Wenn die Eltern nur noch nach den Noten fragen, fühlt sich das Kind gar nicht mehr als Mensch wahrgenommen."
Probleme in der Schule können die verschiedensten Ursachen haben. Zum Lernen gehört beispielsweise ein gutes Arbeitsklima. Die Schüler sollten vernünftig miteinander klar kommen und ein gutes Verhältnis zu den Lehrern haben. "Wenn das Klassenklima schlecht ist, geht der Spaß am Lernen flöten", bemerkt Plän. Und Spaß und Motivation tragen entscheidend zur Leistung der Schüler bei. Auch außerschulische Belastungen wie Vorpubertät, Pubertät, Ärger in der Familie wie eine Scheidung oder Liebeskummer können Leistungswillen und Konzentrationsvermögen einschränken. Nach Pläns Erfahrungen ist beispielsweise die Trennung der Eltern jedoch viel seltener ein Grund für schlechte Leistungen als gedacht. Die Ursachen für schlechte Schulleistungen liegen laut Plän häufig woanders: bei den hohen Erwartungen durch die Eltern und damit verbunden nicht selten in der Wahl der falschen Schule.
Denn eines ist für die Schulpsychologin ganz klar: "Die Vorstellung, dass heutzutage jeder Abitur machen kann, stimmt einfach nicht." In ihrer Beratungspraxis hat sie nicht selten Familien mit Kindern sitzen, die schlicht in der falschen Schulform sind. Hauptschule, Realschule und Gymnasium stellen höchst unterschiedliche Anforderungen an Auffassungsgabe und Lerntempo der Schüler.
Auf dem Gymnasium wird der Lernstoff in der Regel eher theoretisch-abstrakt vermittelt, was vor allem Kindern schwer fällt, die anschaulich dargestellte Sachverhalte besser verstehen. Und während bei Klassenarbeiten in der Realschule oder Hauptschule eher das Geübte reproduziert werden muss, ist im Gymnasium nicht die Wiederholung gefordert, sondern die Anwendung oder Übertragung des Gelernten auf andere Bereiche.
Der Einbruch in der Schule kommt für die meisten mit der zweiten Fremdsprache in der siebten Klasse. An dieser Stelle sollten Schüler und Eltern gemeinsam überlegen, ob sich beispielsweise die Geldinvestition in eine Form von Nachhilfe lohnt. Die Eltern müssen sich fragen, wie viel sie bis zum Abitur investieren wollen, und ob die Schulform tatsächlich den Interessen des Kindes entspricht.
In jedem Fall muss das Kind seine Leistung selbst verantworten und sollte daher immer in die Entscheidungen und Gespräche einbezogen werden. "Denn erfolgreiches Lernen hängt eng mit dem eigenen Willen und der eigenen Motivation zusammen", weiß Plän. Und daran könne auch Druck von außen nichts ändern. Eine Erfahrung, die viele Eltern teilen: Nur selten nimmt ein Kind Rat und Hilfe von den Eltern an - auch wenn es schon lange selbst erwachsen ist!