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Ulrich Heberger von der Alzheimer-Gesellschaft in Rheinland-Pfalz informiert darüber, wie sich Demenz oder Alzheimer auf die Beziehung zwischen Großeltern und Enkelkindern auswirken können und gibt Eltern Tipps, damit umzugehen
Welche Folgen hat es für Kinder, wenn der eigene Opa sie nicht mehr erkennt?
Kinder leiden extrem darunter, wenn sich die Großeltern durch eine Demenz verändern und sich sonderbar verhalten. Das macht gerade jüngeren Kindern große Angst. Denn man weiß, dass es zwischen den Enkeln und den Großeltern eine ganz besondere Beziehung gibt. Und die Kleinen können es dann nur sehr schwer verarbeiten, wenn der Opa sie nicht mehr kennt. Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder wissen, dass das kein böser Wille, sondern eine Krankheit ist.
Wie soll man diese Krankheit kleinen Kindern erklären?
Eltern sollten ihrem Kind sagen, dass die Großeltern eine Krankheit haben, die das Gehirn betrifft. Diese Krankheit führt dazu, dass die Großeltern zunehmend die Orientierung verlieren und viele Dinge nicht mehr erledigen können. Mit ganz einfachen Worten kann man das vermitteln: „Der Opa ist nicht bösartig und auch nicht eigenartig geworden - er ist einfach krank.“ Wenn Kinder das verstehen, ist es leichter für sie, diese Veränderungen zu ertragen.
... und wenn sie sich trotzdem zurückziehen und lieber nicht mehr zu den Großeltern gehen wollen?
Das kann passieren, und ich finde, Eltern sollten das akzeptieren. Zumal die Anwesenheit von kleinen Kindern auch für die Kranken sehr anstrengend sein kann. In den ersten beiden Phasen der Demenz verändert sich das Zeitgefühl, die Wahrnehmung wird langsamer, es ist ein tranceartiger Zustand. Da sind kleine Kinder, die lebhaft und laut sind, eher belastend. Sie überfordern die Wahrnehmung von Menschen mit Demenz, vor allem, wenn sie diese Kinder gar nicht mehr erkennen und zuordnen können. Das kann zu starken Abwehrreaktionen führen - und diese wiederum ängstigen die Kinder.
Wie kann man den Kindern diese Angst nehmen?
Eltern sollten über diese Angst sprechen und offensiv mit der Krankheit umgehen. Sie sollten immer wieder erklären, warum sich die Erkrankten so verhalten. Und das ist auch gar nicht so problematisch: Wir haben seit fünf Jahren ein Projekt, in dem Kindergartenkinder Kontakt zu Menschen haben, die an Demenz erkrankt sind. Die treffen sich regelmäßig, es gibt viele gemeinsame Aktivitäten. Defizite, die von den Kindern am Anfang noch als beängstigend oder spektakulär wahrgenommen wurden, spielen am Ende gar keine Rolle mehr. Man muss Kindern Möglichkeiten geben, sich darauf einzustellen, dass ein alter Mensch nun einmal so eine Krankheit bekommen kann.
Bei älteren Kindern ist das sicher einfacher?
Natürlich, wenn die Kinder älter sind, können sie das alles besser verstehen. Gerade bei den Heranwachsenden ist es oft so, dass sie fast einen Ehrgeiz darin entwickeln, sich um ihre Großeltern zu kümmern. Sie helfen ihnen gerne, pflegen ganz enge Kontakte. Und sie haben auch viel weniger Probleme damit, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist. Das fällt ihnen leichter als ihren Eltern.
Worauf sollten Eltern noch achten?
Ich erlebe es oft, dass sich erwachsene Töchter und Söhne um ihre alten, kranken Eltern kümmern und sich da sehr engagieren. Die eigenen Kinder und die eigene Familie werden da manchmal vernachlässigt. Da muss man aufpassen. Ich kann jedem nur empfehlen sich Hilfe zu holen, wenn es schwierig wird. Die Alzheimer Gesellschaft in Rheinland-Pfalz bietet Selbsthilfegruppen an, zu denen kann man auch Kinder mitbringen. Es gibt Beratungsangebote und Schulungen für Angehörige. Niemand sollte meinen, er muss das alles alleine hinkriegen. Darunter leidet man selbst, aber auch die eigene Familie.