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Bei Oma und Opa liegt das Telefon im Kühlschrank

 

Noch im letzten Jahr war die sechsjährige Nora immer gerne mit ihrer Oma zusammen. Sie haben viel gespielt, gebastelt und manchmal Ausflüge in den Tierpark gemacht. Dann wurde die Oma immer vergesslicher. Und jetzt geht das alles gar nicht mehr. Noras Großmutter ist an Demenz erkrankt, sie ist zunehmend verwirrt und erkennt an manchen Tagen ihre Familie nicht. „Sie ist komisch geworden“, sagt Nora traurig. „Sie denkt, dass die Oma sie nicht mehr lieb hat“, erzählt Noras Mutter.

„Es ist wichtig, dass Kinder verstehen, warum die Großeltern sich auf einmal so anders verhalten“, sagt Ulrich Heberger von der Alzheimer-Gesellschaft in Rheinland-Pfalz. Wie auch bei Erwachsenen erleichtern ihnen Informationen den Umgang mit der Krankheit erheblich. Deshalb sollten auch kleine Kinder schon umfassend über die Krankheit aufgeklärt werden. Einfach nur zu sagen, dass die Großmutter krank ist, reicht dabei nicht: „Wann wird sie denn wieder gesund?“ fragen sich Kinder - denn unter einer Krankheit verstehen sie so etwas wie Schnupfen oder Husten. Doch Kinder müssen wissen: Demenz geht nicht einfach wieder vorbei, im Gegenteil, die Krankheit wird die Familie immer weiter begleiten. 

Demenz ist eine Belastung für die ganze Familie, insbesondere wenn die Großeltern bei ihren Kindern gepflegt werden. Dann erleben die Enkel täglich, wie der geliebte Opa, oder die Oma, mit der sie früher so viel Spaß hatten, sich immer eigenartiger verhält. Das macht ihnen Angst, es ist bedrohlich. Sie empfinden es als Zurückweisung, wenn sie nicht mehr erkannt werden, und sie fühlen sich persönlich getroffen von Ablehnung und Aggressionen, die bei einer Demenz auftreten können. Dazu kommt, dass die Eltern durch die Pflege der Großeltern immer weniger Zeit für ihre Kinder haben. Die ganze Familie ist emotional stark belastet. In so einer Situation neigen Kinder dazu, sich zurückzuziehen und nicht auch noch Probleme zu machen. Vor allem bei sehr jungen Kindern kommt es auch vor, dass sie sich an der Situation die Schuld geben.

Ulrich Heberger warnt deshalb davor, es soweit kommen zu lassen, dass sich alles nur noch um die Krankheit der Großeltern dreht: „Natürlich fühlen sich Kinder oft verpflichtet, sich um ihre alt gewordenen Eltern zu kümmern. Aber sie müssen darauf achten, dass ihre eigenen Kinder dabei nicht auf der Strecke bleiben.“ Empfehlenswert sei es, sich immer wieder einmal Tage für die Familie zu nehmen und auch Zeiten festzulegen, an denen das Thema ausgeklammert wird. Weitere Informationen dazu gibt es bei der Alzheimer Gesellschaft in Rheinland-Pfalz. Diese bietet z.B. Selbsthilfegruppen an, in die man auch Kinder mitbringen kann.

Wenn die Kinder die Situation einschätzen und über ihre Gefühle und Ängste sprechen können, können sie sehr gut mit an Demenz erkrankten Menschen  umgehen, weiß Heberger: „Kinder verstehen schnell, dass sie über Missgeschicke der Großeltern nicht lachen dürfen, weil die sich sonst schämen.“ Sie sehen es schnell als selbstverständlich an, den Großeltern ein bisschen zu helfen. Das beobachtet Heberger vor allem bei älteren Kindern, die auch viele gesunde Jahre mit den Großeltern erleben durften und daher ein enges Verhältnis zu ihnen haben: „Sie kümmern sich oft geradezu vorbildlich um die Erkrankten.“ Sie stehen ihren an Demenz erkrankten Großeltern zur Seite, sie suchen nach Aktivitäten, die sie noch gemeinsam unternehmen können, sie korrigieren sie nicht, sie nehmen sie, so wie sie sind. Das sei wichtig, sagt Heberger: „Menschen mit Demenz so zu akzeptieren, wie sie sind und ihm Liebe und Wertschätzung entgegenzubringen.“

 

Links:

www.demenz-rlp.de

www.alzheimer-gesellschaft-rhpf.de

www.deutsche-alzheimer.de

Literatur:

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: Wenn die Großmutter demenzkrank ist. Hilfen für Eltern und Kinder. Zu bestellen unter: http://www.deutsche-alzheimer.de.

Kieslich, Sabine: Demenz. Der Angehörigenratgeber. Südwest Verlag. 2008, 20 Euro.

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Begegnung mit an Demenz erkrankten Menschen. Zu bestellen unter: http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Damals und Heute. Biografieheft und Datenblatt. Zu bestellen unter: http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Demenz - Was ist denn das? Eine Broschüre für Kinder. Zu bestellen unter: http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/  

Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.: Zeit für mich - Erholung von der Pflege. Zu bestellen unter: http://www.lzg-rlp.de/service/lzg-shop/

Musgrove, Marianne. Als Opa alles auf den Kopf stellte. Beltz, 2010, 9,95 Euro.

Nilsson, U.: Als Oma seltsam wurde. Audio CD, empf. Alter 4 bis 8 Jahre. Der Audio Verlag 2011. 9,99 Euro.

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