Sie befinden sich auf den Internetseiten von VIVA FAMILIA - Servicestelle für Lokale Bündnisse in Rheinland-Pfalz.
direkt zur Hauptnavigation direkt zum Inhalt


Hildegard K. ist seit zwei Jahren Rentnerin. Nicht mehr zu arbeiten, war für sie ein großer Einschnitt. Hildegard K. hat zwar viele Freunde, mit denen sie gerne etwas unternimmt und auch die Zeit für sich kann sie genießen. Doch eine Aufgabe, das hat ihr gefehlt. Bis sie die dreijährige Ines und ihre Eltern Ralf und Sabine W. kennen lernte, die nebenan wohnen.
Dass ihre eigenen Eltern weit entfernt wohnen haben Ralf und Sabine schon häufig vermisst - weil sie es schade finden, dass Ines Oma und Opa so selten sieht, aber auch weil sie sich manchmal Unterstützung wünschen. Seit einem Jahr ist Hildegard Ines "Leihomi". Einmal in der Woche holt sie Ines vom Kindergarten ab, sie gehen dann Eis essen oder auf den Spielplatz, erzählen miteinander und machen Quatsch. Manchmal übernachtet Ines auch bei Hildegard. Dann schauen sich beide das "Sandmännchen" an und Ines darf bei einer Gute-Nacht-Geschichte auf Hildegards Schoß einschlafen.
Viele ältere Menschen haben heute keine Kinder oder Enkel, die in der Nähe wohnen. Bei der Hälfte aller Kinder wohnen Oma oder Opa relativ weit weg. Doch viele Seniorinnen und Senioren wünschen sich Kontakt zu Kindern und jüngeren Menschen. Umgekehrt vermissen viele Familien die Unterstützung durch Oma und Opa. Und liebevolle ältere Menschen mit Zeit und Geduld sind auch für Kinder unersetzlich - selbst wenn es nicht die eigenen Großeltern sind.
Unbelastet von Alltagshektik und Termindruck und weil sie nicht tagtäglich die volle Verantwortung übernehmen müssen, sehen (Leih-)Großeltern vieles gelassener und widmen sich Kindern mit großer Geduld: Hildegard beispielsweise kauft viele Male und mit Freude in Ines Kaufladen ein und lässt sich auch gerne überreden, immer wieder dasselbe Bilderbuch anzuschauen. Mal länger aufbleiben, eine doppelte Portion Nachtisch essen - bei Oma und Opa sind die Regeln meist etwas lockerer. Für Kinder ist das einfach paradiesisch - und später oft eine besonders schöne Erinnerung an die Kindheit.
Großeltern bieten auch Zuflucht bei Konflikten. Kinder können ihren Ärger über Mama oder Papa oder auch anderen Kummer oft besonders gut bei Oma und Opa loswerden. Und Großeltern bilden die Brücke zur Vergangenheit. Sie können von einer Zeit erzählen, die Kinder sonst nur noch aus Büchern oder Filmen kennen. Sie sind ein unerschöpflicher Fundus an guten und schlechten Erfahrungen, an kleinen und großen Geschichten: "Opa, erzähl doch noch mal, wie du als Kind im Hühnerstall Eier geholt hast" oder "Oma, wie war das, als Mama mit dem Fahrrad hingefallen ist" - von solchen alltäglichen Erzählungen können Kinder gar nicht genug bekommen.
Umgekehrt bieten Enkelkinder Großeltern die Chance, das, was sie mit den eigenen Kindern warum auch immer nicht gemacht haben oder nicht machen konnten, heute noch einmal neu auszuprobieren. Außerdem hält der Umgang mit Kindern und jüngeren Menschen auch einen selbst jung: Sich vom Enkelkind das neue Computerspiel erklären lassen oder gemeinsam im Garten Fußball spielen.
Generationen übergreifende Patenschaftsprojekte zwischen "Leih-Omas bzw.-Opas" und "Leih-Enkeln" werden in Rheinland-Pfalz an vielen Stellen gestartet, um die Folgen von demografischem Wandel und zunehmender Mobilität zu mindern.
Lokale Bündnisse für Familie, Mehrgenerationenhäuser und Familienzentren sowie Ehrenamtsagenturen und Ehrenamtsbörsen vermitteln Kontakte sowohl für ältere Menschen, die sich Kindern zuwenden wollen wie auch für Eltern, die für ihren Nachwuchs eine Leih-Oma oder einen Leih-Opa suchen. Augen auf heißt die Devise, manchmal genügt schon ein Blick in die Nachbarschaft oder ein Besuch auf dem Spielplatz.
Hildegard freut sich jede Woche von neuem auf die Zeit mit Ines: "Ich mache viele Dinge mit ihr, die würde ich alleine nie machen. Das hält mich jung und fit. Und es ist eine Aufgabe, die ich habe - alleine schon, mir jedes Mal zu überlegen, was wir unternehmen können." Ihre eigene Großmutter sei für sie ein sehr wichtiger Mensch gewesen "und ich möchte so eine Erfahrung gerne weitergeben", sagt Hildegard.
Für Ralf und Sabine ist Hildegard nicht nur eine wichtige Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Wenn sie sich manchmal Gedanken um erzieherische Fragen machen oder Ines etwas Neues gelernt hat, ist es schön, sich mit jemandem auszutauschen, der ihre Tochter ebenfalls gut kennt, die Dinge aber auch mit etwas mehr Abstand sieht.
Good Practice Beispiele aus Rheinland-Pfalz:
Oma-Opa-Service Kaiserslautern
http://www.familienservice-rlp.de/index.php?id=450
Mehrgenerationenhaus MütZe Ingelheim im Lokalen Bündnis für Familie Kreis Mainz Bingen
http://www.muetze-ingelheim.de/html/haus_der_generationen.html
Netzwerk Engagement im Kreis Mainz-Bingen
http://www.netzwerk-engagement.de
Ehrenamtsbörse des Bad Kreuznacher Familienbündnis
http://www.familien-kreuznach.de/ehrenamtsboerse/index.php4
VEhra: Ehrenamtsbörse Ludwigshafen
www.vehra-lu.de
Patenschaftsprogramm "Big Brothers Big Sisters Deutschland"
www.bbbsd.org
Familienzentren in Rheinland-Pfalz
http://www.familienservice-rlp.de/index.php?id=148
Lokale Ehrenamtsbörsen in Rheinland-Pfalz
http://www.wir-tun-was.de/lokale_ehrenamtsboersen.html
Die rheinland-pf?lzische Ehrenamts-Initiative
www.wir-tun-was.de
Weiterführende Links
VIVA FAMILIA: Häuser der Familie - Mehrgenerationenhäuser
http://www.vivafamilia.de/Saeule_I/Mehrgenerationenhaeuser.htm
Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (BaS)
www.seniorenbueros.org
Informations- und Ideenpool der BaS
www.senioren-initiativen.de
Mehrgenerationenhäuser
www.mehrgenerationenhaeuser.de
Literatur:
Helga Gürtler: Das Glück einer besonderen Beziehung. Großeltern und ihre Enkelkinder, Herder Verlag 2004, ISBN: 3-451-05529-5, 9,90 Euro
Zum Interview: was junge und alte Menschen einander geben können