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Dieter Zorbach aus dem Loreleydorf Bornich ist 66 Jahre alt, und er ist gesund und munter. Das betrachtet er als ein Geschenk: „Wir können unsere dritte Lebensphase heute so aktiv erleben wie nie zuvor.“ Die dritte Lebensphase, das ist für Zorbach die Zeit zwischen dem sechzigsten und dem fünfundachtzigsten Geburtstag. Er findet: Da gehört man noch nicht zum alten Eisen, keine Zeit, um faul herumzusitzen. „Man darf sich ruhig auch mal auf die Couch setzen“, lacht Zorbach. „Aber dann muss man wieder aufstehen.“
Vor sechs Jahren ging Zorbach erst in Altersteilzeit, seit zwei Jahren ist er in Pension. Er war früher Leiter einer Realschule, sein Beruf hat ihm Spaß gemacht und ihn ausgefüllt: „Ich war Schulleiter mit Leib und Seele“, erinnert er sich. Aber Zorbach ist keiner, der vergangenen Tagen nachtrauert. Er hat sich von Anfang an auf den Ruhestand gefreut: „Ich wollte mir noch einmal einen Traum erfüllen“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Nach all den Pflichten in Familie und Beruf wollte er frei sein, sich ehrenamtlich engagieren, seine Zeit sinnvoll für das Gemeinwohl einbringen. „Und ich wollte das gemeinsam mit anderen tun, Gleichgesinnte finden.“ Gleichgesinnte, das ist ein Wort, das Zorbach besonders gut gefällt: „Das ist doch das Schöne“, sagt er. „Wir machen das, was wir wollen miteinander, zusammen mit Menschen, die gleiche Ziele verfolgen, partnerschaftlich, auf Augenhöhe.“ Kein Chef mehr, der einem etwas vorschreibt - ein Vorteil des Älter- Werdens.
Hört man Dieter Zorbach zu, bekommt man richtig Lust aufs Alter. Zorbach ist kaum zu stoppen, wenn er erzählt, was man alles machen kann. „Wir Alten, wir haben viele Erfahrungen im Leben gemacht, und wir haben Talente, die wir vielleicht nie entfalten konnten. Und jetzt haben wir Zeit.“ sagt er, „Zeit, die genutzt werden will.“
Es ist beachtlich, was Zorbach zusammen mit anderen Bornichern auf die Beine gestellt hat. Die Initiative für Bornich zum Beispiel, sie gehört zu den Lokalen Bündnissen für Familien in Rheinland-Pfalz und wurde vor drei Jahren gegründet. Das war Zorbachs Idee. Mit der Initiative sollen die Dorfbewohner ermutigt werden, ihre Interessen, ihr Können und ihre Bedürfnisse einzubringen. „Alle, egal ob alt oder jung, können ihr Dorf mitgestalten“, sagt Zorbach. Er wünscht sich, dass Bornich und andere Gemeinden auch in Zukunft für Familien attraktiv bleiben, und dafür will er etwas tun. Infos unter www.bornich.de.
Einer der Arbeitsschwerpunkte der Initiative ist das Miteinander der Generationen. Das bedeutet keineswegs, dass man in Bornich nur zusammen Kaffee trinkt. Da gibt es Fahrdienste für Arztbesuche und Einkäufe, da werden Ferienprogramme für Jugendliche organisiert, generationsübergreifende Kulturprogramme auf die Beine gestellt. Die Bornicher haben auch einen „Voraushelfer-Dienst“ eingerichtet. Denn anders als in der Stadt kann es bei einem medizinischen Notfall im ländlichen Raum schon mal länger dauern, bis der Rettungswagen kommt. Ersthelfer, auch Voraushelfer oder wie in den USA ”First Responder” genannt, sind dann in Bornich schon vor Ort. Das sind Sanitäter, die sich haben ausbilden lassen, und die die Zeit bis zum Eintreffen eines Notarztes fachlich fundiert überbrücken können. „Um so etwas zu schaffen, braucht man erfahrene Leute, braucht man die ältere Generation“, freut sich Zorbach. Dabei sieht er den Erfolg nicht nur für Bornich, auch die Alten profitieren von ihrem Engagement: „Wer aktiv ist, bleibt jung, geistig fit und beweglich.“ Es ist gut, sich gerade im Alter noch einmal neue Welten zu erschließen, sich andere Kontakte zu verschaffen. „In der dritten Lebensphase sollte man noch einmal ganz andere Erfahrungen machen.“ Denn der Eintritt in die Rente verändert doch alles: Man muss morgens nicht mehr aufstehen, verliert seinen Beruf und die Kollegen. Auch zu Hause wird man meist nicht mehr gebraucht: die Kinder sind längst erwachsen und gehen eigene Wege. Wer da nicht in ein tiefes schwarzes Loch fallen will, muss sich rühren.
In diese Richtung geht auch Zorbachs Initiative 55 plus-minus. Sie will Menschen vernetzen, die sich weiterentwickeln wollen. „Wer sich mit anderen zusammentun will, um von und mit ihnen zu lernen, der ist hier an der richtigen Adresse.“ Das Programm reicht von Töpfern und Malen bis zum Englisch lernen. Da kommt die pensionierte Muttersprachlerin endlich zum Zug und hat eine Aufgabe, die sie begeistert, da können brachliegende Talente zum Blühen gebracht werden. „Es geht darum, selbstbestimmt und eigenverantwortlich Projekte zu bearbeiten und die eigene Kompetenz einzubringen,“ sagt Zorbach. Im Grunde ganz einfach: Interessen werden mit den entsprechenden Kompetenzen zusammengebracht und so haben alle etwas davon. Ein Beispiel: Da will jemand Ahnenforschung betreiben und fragt: wer ist noch daran interessiert? Wer hat da schon Erfahrungen gemacht? Und schon ist die nächste Idee geboren.
Dieter Zorbach hat noch viel vor - zusammen mit den anderen jungen Alten in Bornich und Umgebung. Mit sechsundsechzig Jahren? Da ist noch lange nicht Schluss.
Links:
http://www.familie-und-tipps.de/Senioren/Seniorensport/
http://www.senioren-blogger.de
http://www.bestager.org
http://www.senioren-ratgeber.de/
http://www.ehrenamt-im-sport.de/fileadmin/fm-ehrenamtimsport/pdf/seniorenbueros_vereine_a1518505.pdf