Sie befinden sich auf den Internetseiten von VIVA FAMILIA - Servicestelle für Lokale Bündnisse in Rheinland-Pfalz.



Drucken

Seite durchsuchen zurück zu letzten Seite Seite ausdrucken

Inhalt

Sechzig plus - Interview mit Michaela Hofmann

Seniorenbeauftragte beim Sportkreis Neuwied

Frau Hoffmann, Sie engagieren sich als Seniorenbeauftragte beim Sportkreis Neuwied. Warum?

Ich war mein Leben lang ein sehr aktiver und interessierter Mensch. Und ich habe mir eine Menge Wissen angeeignet in den letzten Jahrzehnten. Und ich habe Zeit. Ich sage Ihnen was: Mir wäre schlicht und ergreifend viel zu langweilig, wenn ich meine Tage faul im Sessel verbringen sollte. Ich möchte lieber etwas Interessantes erleben und Kontakt mit anderen Menschen haben. Und Sport ist gesund, macht Spaß und bringt Menschen in Kontakt – ideal also. Im Sport kann ich mein Hobby ausleben und anderen Menschen etwas Gutes tun. Das finde ich toll.

Viele Menschen haben ihr Leben lang keinen Sport getrieben. Können die denn mit sechzig Jahren noch anfangen?

Natürlich. Es ist nie zu spät für Sport. Früher hat man ja gesagt, so ab sechzig geht’s nur noch bergab, aber das stimmt nicht. Auch in diesem Alter kann man seine körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Das ist sogar bei hochbetagten Menschen, also bei über Achtzigjährigen, noch der Fall. Es wurden Studien durchgeführt, bei denen Neunzigjährige ein Muskelaufbautraining bekommen haben. Sie wurden im Rollstuhl zum Training gefahren. Durch den Sport konnten sie ihr Muskelsystem stärken und lernten wieder am Rollator zu laufen. Sie sehen: Es ist nie zu spät, und es geht immer noch was. Und sechzig - das ist ja nun überhaupt kein Alter.

Eignet sich denn jede Sportart fürs Alter?

Wer immer auf der Couch gesessen hat und nicht besonders sportlich ist, der sollte langsam anfangen. Mit Nordic Walking zum Beispiel, das ist ein idealer Sport für Einsteiger. Die Kondition wird gefördert, die Muskeln werden trainiert, damit kommt eigentlich jeder klar. Es gibt Gymnastik für Senioren, Rückengymnastik, Herz-Kreislauftraining. Auch Ballspiele eignen sich. Da gibt es Sitzhockersportarten für Menschen, die nicht gut laufen können, oder Sturzprophylaxe. Das ist gerade jetzt im Winter ein Thema. Hier werden Fähigkeiten wie der sichere Stand trainiert. Es gibt keine Sportart, die man im Alter nicht machen könnte. Dabei kommt es nur auf die körperliche Fitness des einzelnen an, und auch auf die Erfahrung, die er mitbringt. Wer sein ganzes Leben lang Ski gefahren ist, der schafft das manchmal auch noch mit siebzig Jahren.

Wie fängt man denn am besten an? Einfach loslaufen?

Auf keinen Fall sollte man auf eigene Faust damit beginnen. Man kann nämlich viel  verkehrt machen. Beim Laufen oder Radfahren neigen die Leute dazu, alles viel zu schnell zu machen und sich zu überfordern. Sie schaffen den einen Berg, den zweiten vielleicht auch noch, sie brauchen dann aber Tage, um sich wieder aufzurappeln. Wer Sport machen will, sollte sich an die Sportvereine wenden. Es ist Sache der Übungsleiter, auf das richtige Tempo zu achten und die Leistungsfähigkeit des einzelnen Schritt für Schritt aufzubauen. Was man auch nicht vergessen darf: Jeder, der sich sportlich betätigen will, sollte sich unbedingt vorher vom Arzt untersuchen lassen.

Wie lange braucht man dafür, seine Leistungsfähigkeit zu steigern?

Das geht sehr schnell, die körperliche Fitness bessert sich stark, wenn man regelmäßig trainiert. Der Körper merkt „Hallo, hier wird ja wieder was bewegt“ und baut seine Muskeln wieder auf. Es ist so: Muskeln, die zu wenig bewegt werden, werden abgebaut. „Brauchen wir nicht“ - sagt sich der Körper. Wir sehen das bei Verletzungen, wie schnell die Muskelmasse abnimmt. Deshalb ist es sehr, sehr wichtig, sich zu bewegen und etwas für sich zu tun, gerade wenn man älter wird.

Nur wer seine Beweglichkeit trainiert, verhindert, dass Muskeln abgebaut werden und sorgt dafür, dass er sich noch lange die Schuhe selbst binden und eine Tasse aus dem Schrank nehmen kann.

Es spricht also gar nichts dagegen - man muss nur den inneren Schweinehund überwinden?

Das klingt anstrengend, ist es aber gar nicht. Jeder, der Sport macht, merkt schnell, wie gut ihm das tut. Regelmäßige Bewegung steigert ja nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sie sorgt auch für Lebensfreude. Ich sehe das immer wieder: Wer Sport macht, ist gut drauf und sprüht vor Energie. Dazu kommt die Geselligkeit, man treibt den Sport ja in der Regel mit anderen. Auch das macht Spaß. Man kann tanzen gehen, zusammen Bowling spielen. Deshalb einfach den ersten Schritt machen. Und dann den zweiten. Und dann immer weiter.

Wo kann man denn Angebote, die sich für Senioren eignen, finden?

Am besten wendet man sich an die Sportvereine und fragt nach, was die in diesem Bereich machen. Da tut sich im Moment recht viel, die Vereine bieten immer mehr Sport für Ältere an, bei uns der Region zum Beispiel eine ganze Reihe an Präventionsangeboten oder auch Skilanglauf. Aber auch in der örtlichen Presse kann man fündig werden. Und wer mehr wissen möchte: Beim nächsten Treffen des Lokalen Bündnisses für die Familie in der Verbandsgemeinde Rengsdorf werde ich über das Thema „Generationen 60plus – Aktiv im Alter“ referieren. Infos unter www.rengsdorfer-land.de.

Zum Bericht...