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Kinder braucht man nicht zu erziehen, sie machen einem sowieso alles nach. Der Münchner Komiker Karl Valentin soll das einmal gesagt haben. Das ist unter Erziehungswissenschaftlern unumstritten: Vorbilder, an denen man sich orientieren kann, sind für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wichtig.
In der frühen Kindheit sind es vor allem die Eltern, die dem Kind diese Orientierung geben. Wenn die Kinder aber älter werden, verlieren die Eltern immer mehr diesen Einfluss. Sie spielen für die Kinder als Vorbilder kaum noch eine Rolle. Auf einmal sind es andere, denen die Kinder nacheifern.
„Meine Tochter schwärmt von Lena Meyer-Landrut“, erzählt die 40-jährige Ellen kopfschüttelnd. Anfänglich konnte sie diese Begeisterung noch verstehen, doch die Zwölfjährige habe sich immer mehr in diese Bewunderung hineingesteigert. Wo bis vor kurzem noch Poster von Ponys und Katzen an den Wänden hingen, kleben jetzt Bilder von Lena. Und sobald das Mädchen aus der Schule kommt: Sie hört Lena. Sie dreht die Musik auf, stellt sich vor den Spiegel im Schlafzimmer und macht die Tanzbewegungen der jungen Sängerin nach. Sie kann alle ihre Lieder auswendig mitsingen, weiß alles über sie. Und sie will genauso sein wie sie. Jetzt will sie sich die Haare färben lassen. Schwarz, dabei ist sie hellblond. Ihre Mutter erlaubt es nicht, sie ist genervt. Und sie findet das nicht mehr normal: „Wenn jemand was gegen Lena sagt, wird sie fast hysterisch.“
Der Alzeyer Pädagoge Klaus Becker findet das nicht ungewöhnlich: „In diesem Alter sind Jugendliche noch so begeisterungsfähig wie kleine Kinder. Sie können sich von diesen Gefühlen völlig hin- und wegreißen lassen.“ Das sei auch nichts Neues, es sei schon immer so gewesen - ob bei den Rolling Stones oder noch früher bei Bill Haley: „Es sind heftige Gefühlsduschen, die Jugendliche in diesem Alter angesichts ihrer Idole erleben.“ Das habe, meint Becker, sicher auch körperliche Ursachen: „In der Frühphase der Pubertät steht alles auf dem Kopf.“
Kein Mensch kommt ohne Vorbilder aus, immer orientiert man sich an anderen. Aber gerade junge Menschen brauchen ihre Helden, Vorbilder und Idole. Sie geben ihnen Orientierung, sie stehen ihnen Modell für das eigene Leben und helfen ihnen beim Erwachsenwerden. Nur wer sich vergleiche mit anderen, könne seine eigene Identität finden, weiß Becker.
Vorbilder sind auch Projektionsflächen für Träume von Erfolg. Das kann für Jugendliche sehr frustrierend sein: „Viele sind entsetzt, wenn sie irgendwann sehen, wie schlecht ihre Ausgangsposition eigentlich ist, wie weit entfernt sie von ihrem Idol sind“, sagt Klaus Becker. Er hält es für ein Problem, dass die Gesellschaft jungen Menschen zwar eine Vielzahl von Idolen, aber nur noch wenig Entwicklungschancen bietet.
Gerade junge Menschen brauchen ihre Helden, Vorbilder und Idole. Sie geben ihnen Orientierung, sie stehen ihnen Modell für das eigene Leben und helfen ihnen beim Erwachsenwerden. Nur wer sich vergleiche mit anderen, könne seine eigene Identität finden, weiß Becker. Das gelte nicht nur für die Jungen, Vorbilder brauche man ein Leben lang: "Kein Mensch kommt ohne Vorbilder aus, immer orientiert man sich an anderen."
Links:
www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Erziehungsfragen/s_1668.html
Literaturtipps:
Beate Großegger / Bernhard Heinzlmaier. Die neuen vorBilder der Jugend: Stil- und Sinnwelten im neuen Jahrtausend. G & G Verlagsgesellschaft 2007. 18,-- Euro.
Shell Jugendstudie 2010 (Hrsg: Shell). Fischer 2010. 16,95 Euro.