Sie befinden sich auf den Internetseiten von VIVA FAMILIA - Servicestelle für Lokale Bündnisse in Rheinland-Pfalz.
direkt zur Hauptnavigation direkt zum Inhalt


Hildegard Wagner ist mit 87 Jahren noch einmal umgezogen. Seit einer Operation und einem längeren Krankenhausaufenthalt wohnt sie bei ihrer Tochter und deren Familie. Obwohl es für alle eine Umstellung im Alltag bedeutete, hat die Familie sich gut organisiert und wird bei der häuslichen Pflege von einem ambulanten Pflegeservice, einer Nachbarinn und einem ehrenamtlichen Seniorenbetreuer unterstützt.
Wie Hildegard Wagner geht es vielen Menschen im Alter, derzeit mehr als zwei Millionen Deutsche mit steigender Tendenz. Durch einen Unfall oder eine Erkrankung, z.B. des Herz- und Kreislaufsystems, einem Schlaganfall, Parkinson und Demenz können sie sich nicht mehr alleine versorgen und sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Erwa die Hälfte wird durch Angehörige gepflegt, weitere 500.000 gemeinsam durch Familienangehörige und ambulantem Pflegedienst. Das verbleibende Viertel lebt in Pflegeheimen und Seniorenresidenzen.
Für pflegende Kinder ist das eine große Herausforderung und auch eine starke psychische Belastung. Die Entscheidung für eine ambulante Pflege ist ein Einschnitt für alle Beteiligten und sollte in jedem Fall gemeinsam und sehr bewusst getroffen werden, dazu rät Claudia Müller-Schmitt, Diplom-Sozialarbeiterin und Beraterin im Pflegestützpunkt Ludwigshafen-Oggersheim/Ruchheim: „Das Pflegen eines Angehörigen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Je größer dabei das Unterstützersystem ist, desto länger kann eine gute Betreuung daheim stattfinden“. Wer sich unter dieser Prämisse für eine Pflege zu Hause entscheidet, kann dabei aber eine breite Palette an Hilfsangeboten nutzen.
Eine erste Anlaufstation sind dabei die lokalen Pflegestützpunkte, bei denen Angehörige zusammen mit einem geschulten Berater kostenlos und trägerneutral den individuellen Pflegebedarf klären und weitere Schritte einleiten können. Diese Unterstützung wird von den Ratsuchenden als äußerst erleichternd wahrgenommen, bekommt man hier doch viele Insiderinformationen, die den eigenen Pflegealltag und dessen Finanzierung deutlich erleichtern. Zum Beispiel dazu, wie es immer noch möglich ist, vorhandene Potentiale des Pflegebedürftigen zu entdecken, diesen so gut wie möglich zu aktivieren und in das Familienleben einzubinden. Und auch der Wunsch nach Selbstbestimmung von Seniorinnen und Seniorenkann in weiten Teilen berücksichtigt werden.
Viele Pflegedienste und Pflegekassen bieten Kurse für Angehörige an. Dort werden Tipps und Hilfestellungen für den Umgang mit pflegebedürftigen Menschen vermittelt. Darüber hinaus sind in vielen Städten und Gemeinden Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise aktiv, bei denen sich die Angehörigen austauschen und entlasten können. Weitere Unterstützung für gestresste Angehörige bieten zahlreiche ehrenamtliche Besuchsdienste und spezielle Betreuungsgruppen für Pflegebedürftige. Ambulante Pflegedienste bieten Hilfen u. a. bei der Körperpflege, im Bereich der Hauswirtschaft oder auch der Behandlungspflege wie beispielsweise beim Anlegen von Verbänden, Verabreichen von Injektionen und Medikamentengabe. Leistungen der Behandlungspflege können ärztlich verordnet werden. Wird ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt und stellt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MdK) eine Pflegebedürftigkeit der Stufe 1, 2, oder 3 fest, kann der Pflegebedürftige je nach Inanspruchnahme von Hilfen zwischen Geld-, Sach- und Kombinationsleistungen wählen.
Tages- und Nachtpflege sowie Kurzzeit- und Verhinderungspflege sind weitere Möglichkeiten der Entlastung, vor denen bei Bedarf nicht zurückgeschreckt werden sollte. Denn Claudia Müller-Schmitt weiß: „Meistens warten Angehörige zu lange, bis sie zu uns in die Beratung kommen. Wenn sie dann endlich Hilfe suchen, sind sie meist schon am Ende ihrer Kräfte. Wir freuen uns immer sehr, wenn jemand von Anfang an unsere Unterstützung sucht, denn so kann die Lebensqualität für alle am besten erhalten bleiben. Schließlich ist man neben der Pflege auch immer noch Mensch und braucht auch selbst einmal ein wenig Pause.“
Literatur-Tipps
Link-Tipps