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Interview: gut und günstig

Im Interview gibt die Ernährungsberaterin Ilona Berg aus Wiesbaden zahlreiche Ratschläge, wie man mit Geschick und Planung gut über die Runden kommt und dabei noch gesund kocht.

Eine gesunde Ernährung, die auch noch günstig sein soll - geht das überhaupt?

Wenn man selbst kocht und sich ein bißchen intensiver mit dem Thema beschäftigt, kann man sehr gesund und auch sehr günstig leben. Greift man aber ständig zu Fertigprodukten, und das machen leider viele, dann wird’s teurer. Da muss man sich nicht wundern, wenn das Geld hinten und vorne nicht reicht. Nehmen Sie Pizza: Bei einer vierköpfigen Familie mit älteren Kindern will jeder eine haben. Das sind gleich mal vier Pizzen, die man für circa zwei, drei Euro kaufen muss. Dabei könnte man das viel günstiger selbst machen: Ein Hefeteig, die Zutaten dazu - und fertig! Das kostet höchstens sechs Euro, je nach Belag. Und das ist auch gesünder: Keine unnötigen Zusatzstoffe, weniger Salz, weniger Fett - man hat alles selbst in der Hand.

Das klingt aber nach viel Zeit, die man da aufbringen muss. Wer hat die denn?

Natürlich dauert es länger, einen Hefeteig selbst zu machen, als schnell mal eine Pizza in den Ofen zu schieben. Wenn man das im Notfall mal macht, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Aber wenn solche Fertigprodukte täglich auf den Tisch kommen, ist das ein Problem - nicht nur für den Geldbeutel, auch für die Gesundheit.

Wie lässt sich das vermeiden, wenn beide Elternteile berufstätig sind?

Viele wissen morgens noch nicht, was sie abends auf den Tisch bringen. Wenn man das Essen aber für die ganze Woche plant und dafür einkaufen geht, spart man sehr viel Zeit. Und Geld. Gibt es Fleisch im Sonderangebot, kann man die doppelte Menge einkaufen, sich einen schönen Eintopf machen und die Hälfte einfrieren. Das ist alles eine Frage der Organisation. Man muss ein bisschen vorausdenken, sich Vorräte anlegen, vielleicht auch mal für den nächsten Tag vorkochen.

Was verstehen Sie unter gesunder Ernährung?

Ganz wichtig ist es, dass immer genug Gemüse und Obst auf dem Speiseplan stehen. Fünfmal am Tag eine Portion, das wäre optimal. Davon sind viele weit entfernt, man kann die Menge ja langsam steigern. Denn ein Apfel oder eine Portion Gemüse täglich ist immer noch besser als kein Apfel und kein Gemüse. Bei Fleisch und Wurst ist weniger mehr: Lieber seltener Fleisch essen und sich dafür dann ab und zu mal einen richtig guten Braten leisten. Bei Kindern sind Milchprodukte ganz wichtig, die sind ja auch durchaus erschwinglich. Und natürlich Vollkornprodukte. Davon wird man wenigstens satt. Anders als von Toastbrot, das so viele kaufen, weil es billig ist. Aber von diesen weichen Weißbrotscheiben muss man viel mehr essen, als von einem guten Vollkornbrot.

... was aber erheblich teurer ist. Und Obst und Gemüse sind auch nicht gerade billig...

Durch geschicktes Einkaufen lässt sich viel einsparen. Brot bekommt man günstig, wenn man beim Bäcker nach der Ware vom Vortag fragt, oder man backt es selbst. Auch da gibt es mittlerweile selbst im Discounter gute Mischungen ohne künstliche Zusätze. Bei Gemüse und Obst kann man richtig gute Schnäppchen machen, wenn man kurz vor Schluss auf den Markt geht. Dann wollen die Bauern ihre Ware nämlich loswerden und geben sie oft besonders günstig ab. Auch ganz wichtig: Saisonprodukte kaufen! Gemüse und Obst, das gerade wächst, ist am günstigsten. Schön ist es auch, wenn man in der Nähe einen Bauern hat. Da sollte man sich auf jeden Fall mal das Angebot anschauen. Aber auch der Einkauf beim Discounter kann sinnvoll sein: Wenn die Ware täglich frisch reinkommt, kann man guten Gewissens auch sein Obst und Gemüse dort kaufen. Auch wenn der Bioladen oder der Hofladen noch besser ist, muss natürlich das Preis-Leistungsverhältnis berücksichtigt werden.

Bleiben die Getränke - wo kann man da sparen?

In jeder Hinsicht am günstigsten ist Leitungswasser, das ist in Deutschland hygienisch und chemisch einwandfrei und schmeckt gekühlt sehr gut. Mit einem Wasserbereiter kann man auch noch Kohlensäure zusetzen. Für geschmackliche Abwechslung kann man mit Kräuter- und Früchtetees sorgen, für die Kinder auch leicht gesüßt. Zuckerhaltige Getränke wie Cola und Limonade sind auf Dauer nicht nur teuer, sondern auch sehr kalorienreich. 

Und was machen die, die nicht so viel Routine in der Küche haben?

Selbst kochen ist kein Hexenwerk. Das ist gar nicht so schwer und macht sogar Spaß. Besonders wenn man die Kinder mit einbezieht, und nicht nur in der Küche, auch schon beim Einkaufen. Kindern macht so etwas Spaß, Zitronen auspressen, Teig rühren, Gemüse schnippeln, sie lernen sogar noch etwas dabei. Und es ist Zeit, die die Familie gemeinsam miteinander verbringt. Das finde ich ganz wichtig. Die Küche und der Familientisch waren schon immer Orte des Austauschs. Es ist schön, wenn das wiederbelebt wird.

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