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Die fünfjährige Claudia geht seit gut einem Jahr begeistert zum Kindertanzen. Ihre Eltern waren zunächst etwas zögerlich, als die Mutter ihrer Kindergartenfreundin Petra fragte, ob Claudia nicht zu den Kursen mitkommen wolle. Organisiertes Sportprogramm schon für eine Vierjährige? Toben auf dem Spielplatz und Turnen im Kindergarten sind doch ausreichend, war die erste Reaktion von Milas Mutter. Doch nach einer Probestunde ist Claudia mit leuchtenden Augen bei der Sache. Seitdem Claudia zum Kindertanz geht liebt sie Musik. Sie hat Rhythmusgefühl und eine ganz andere Körperhaltung entwickelt.
Regelmäßige sportliche Aktivität ist eine Voraussetzung dafür, dass Kinder und Jugendliche gesund aufwachsen. Sport stärkt das Herz-Kreislauf-System, fördert die motorische Entwicklung, beugt chronischen Krankheiten sowie Übergewicht und Haltungsschäden vor.
Sport unterstützt auch die geistige Entwicklung: Bewegung trainiert die körperliche Ausdauer und das Koordinationsvermögen. Beides sind wichtige Grundlagen für Konzentrationsfähigkeit und optimales Lernen.
Im Sportverein können Kinder und Jugendliche darüber hinaus viele wichtige Erfahrungen sammeln: Sie erleben gemeinsam Erfolg und Misserfolg, entwickeln Teamgeist, lernen Fairplay, holen sich Anerkennung und Selbstvertrauen. Sportliche aktive Menschen können ihre Leistungsfähigkeit besser einschätzen, weil sie ihre Stärken und Schwächen kennen, und können besser mit Konkurrenz, Erfolgen und Niederlagen umgehen.
Im Kleinkind- und Vorschulalter sollen Kinder spielerisch vielseitige Bewegungserfahrungen machen, z.B. Hüpfen, Klettern, Laufen, Balancieren. Kinderturnen oder tänzerisch-musikalische Früherziehung sind gute Angebote für diese Altersgruppe. Auch an Bewegung im Wasser können sich die Kinder in diesem Alter schön gewöhnen.
Spiel und Spaß steht dabei im Vordergrund. Es geht noch nicht um ernsthaftes Training oder Höchstleistungen. Auch sollten sich die Kinder noch nicht auf eine Sportart spezialisieren.
Im Grundschulalter, etwa ab dem 8. Lebensjahr, sind Kinder in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung so weit, eine richtige Sportart zu erlernen. Sie haben dann Spaß daran, sich sportliche Techniken anzueignen und sich mit anderen zu messen.
Grundsätzlich ist es unerheblich, für welche Sportart sich Kinder und Jugendliche entscheiden. Ob Turnen, eine Ballsportart, Leichtathletik, Schwimmen, Tanzen oder Gymnastik - Sport tut gut und macht fit. Häufig begeistern sich Kinder für den Sport, den ihre Freundinnen und Freunde ausüben.
Die Integration in die Gruppe fällt leichter, wenn man schon jemanden kennt. Auch Claudia hatte vom ersten Moment an keine Scheu in ihrer Tanzgruppe, denn sie hatte ja ihre Freundin Petra. Und für die Eltern der Mädchen ist es eine Entlastung, dass sie sich mit dem Hinbringen und Abholen abwechseln können.
Bei manchen Sportarten ist es allerdings wichtig, dass Kinder bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wie beispielsweise Musikalität und Rhythmusgefühl beim Ballett, eine bestimmte Körpergröße z.B. beim Tischtennis oder Ballgefühl bei Ballsportarten.
Auch das Naturell des Kindes spielt eine Rolle: Ist es eher lebhaft oder ruhig? Möchte es lieber im Team spielen oder alleine? Mag es Wasser? Sehr schüchterne Kinder werden es wahrscheinlich beim Hand- oder Fußball schwerer haben als beim Turnen oder Schwimmen.
Kinder mit weniger Bewegungstalent erleben bei leistungsbetonten Sportarten oft Enttäuschungen, weil sie nicht mithalten können. Für sie eignen sich eher Tanzen oder Schwimmen oder auch Kampfsportarten wie Judo oder Taekwon-Do, weil sie die Motorik fördern, aber der Wettbewerb nicht im Vordergrund steht. Sind Eltern oder ihre Kinder unsicher, welcher Sport der richtige ist, sollten sie das Kind ruhig ein paar Sachen ausprobieren lassen und ihnen keine Vorwürfe machen, wenn ein Wechsel der Sportart ansteht.
Bevor Eltern ihren Nachwuchs in einem Sportverein anmelden, ist eine genaue Information ratsam: Wie lange ist die Laufzeit der Mitgliedschaft? Welche Kosten fallen an? Ist eventuell neben der Mitgliedsgebühr auch die Sportausrüstung ein größerer Kostenfaktor. Ist eine Probezeit möglich, so dass das Kind ein paar Mal am Kurs teilnehmen kann, bevor es sich entscheidet?
Gut ist, wenn das Gesamtprogramm eines Sportvereins bereit gefächert ist, damit das Kind nicht gleich den Verein wechseln muss, wenn die zunächst ausgesuchte Sportart doch nicht die richtige war. Haben die Trainer eine Lizenz des Deutschen Sportbundes, sind sie in der Regel gut qualifiziert.
Außerdem sollten Eltern darauf achten, dass die Trainerinnen und Trainer gut mit Kindern umgehen können und Spaß an der Bewegung vermitteln. Sportangebote für kleinere Kinder unter zehn Jahren sollten möglichst vielseitig sein, unbedingt auch spielerische Elemente enthalten und Raum zum Toben lassen.
Für welche Sportart und welchen Verein sich Eltern und Kind schließlich entscheiden ist nicht wirklich wichtig. Die Hauptsache ist, dass das Kind Spaß hat und dadurch lange am Ball bleibt. Und auch wenn ein Kind nach einer gewissen Zeit die Disziplin wechseln will, ist das kein Drama. Nicht jede Sportart eignet sich auf Dauer für jedes Kind.
Linktipps
Adressen von Vereinen in Rheinland-Pfalz gibt es beim Landessportbund Rheinland-Pfalz:
Die AOK Hessen hat auf ihrer Website ein Dossier zum Thema "Sport und Bewegung für Kinder" zusammengestellt:
Die Bewegungskampagne der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V.
Buchtipps:
Anna Sax: Familienratgeber Sport. Zürich: Atlantis/Orell Füssli Verlag 2006, ISBN: 3-715-210-508 128 Seiten, 12,90 Euro.
Das Buch bietet Ratschläge, wie viel und welcher Sport sich für welches Kind empfiehlt und wie man kleine Sportmuffel von der Couch bekommen kann.