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Eigentlich könnten die Masern bei uns längst ausgerottet sein. Schließlich kann man sich und seine Kinder dagegen impfen lassen. Trotzdem: Europa hat in den vergangenen Monaten einen großen Ausbruch der gefährlichen Krankheit erlebt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind die Masern vor allem in Frankreich aufgetreten: Fast 5.000 Fälle waren es in den ersten drei Monaten dieses Jahres, das sind so viele Fälle wie im gesamten Vorjahr zusammen. Und auch in Spanien, in den Niederlanden und in Deutschland ist die Zahl der Masern-Erkrankungen angestiegen. Das müsste nicht passieren. Aber immer noch nehmen viele Menschen solche Impfungen nicht ernst.
Es klingt so harmlos: Kinderkrankheiten. Doch sie sind gefährlich, sie sind hochansteckend und früher bekam sie jedes Kind. Dank der Impfungen ist das heute nicht mehr so. Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken sind heutzutage selten geworden. Das Abwehrsystem vieler Erwachsener kennt daher die Krankheitserreger nicht mehr, was gefährlich ist. Denn der Krankheitsverlauf kann besonders bei Erwachsenen zu schweren Komplikationen führen. Wer als Kind weder Krankheit noch Impfung bekommen hat, ist also besonders gefährdet. Umso wichtiger ist es, sich impfen zu lassen, sagt Dr. Lothar Maurer, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Frankenthal und Mitglied der rheinland-pfälzischen Impfkommission.
Schwere Masernverläufe gelten als eine der häufigen Todesursachen bei kleinen Kindern. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher zwei Impfungen. Die Erstimpfung sollte bei Kindern im Alter von elf bis vierzehn Monaten erfolgen. Dann sollte nach vier bis sechs Wochen ein zweites Mal geimpft werden. Auf diese Empfehlungen, meint Maurer, sollte man sich unbedingt verlassen. Die STIKO gibt es seit 1972, sie ist beim Robert-Koch-Institut des Bundes angesiedelt. Die Wissenschaftler prüfen die Risiken und den Nutzen der verschiedenen Impfungen und entscheiden dann, ob und für wen eine Immunisierung zu empfehlen ist. Eine STIKO-Empfehlung ist auch die Voraussetzung dafür, dass eine Schutzimpfung von der Krankenkasse übernommen wird. Ein sicheres Verfahren, findet Maurer: Impfungen werden erst nach gründlicher Prüfung empfohlen und sie kosten nichts.
Dennoch sind manche Eltern skeptisch. So manche Mutter denkt, Kinderkrankheiten seien doch gut für die Entwicklung von Kindern. „Früher gab’s das doch auch“, sagen die einen. Andere hatten vielleicht selbst als Kind Masern oder Keuchhusten und ziehen daraus den Schluss, dass das alles doch gar nicht so dramatisch sei. Doch solche Erfahrungen sagen nichts darüber aus, wie gefährlich eine Infektionskrankheit sein kann.
Die Angst vor Impfschäden hält auch Dr. Martin Fuchs, Vorsitzender der Bezirksärztekammer Koblenz, für völlig unbegründet. Die Zahlen gingen zurück, praktisch gebe es kein Impfrisiko mehr.
"Aber wenn ein Kind wenige Tage nach einer Impfung krank wird, denken die Eltern natürlich: Das kommt von der Impfung.“, erklärt Dr. Maurer. Doch jeder werde mal krank, Krankheiten könnten selbstverständlich auch nach Impfungen auftreten. „Da gibt es dann aber nur einen zeitlichen Zusammenhang“, betont Maurer. Erst wenn nach einer Impfung vermehrt bestimmte Krankheiten auftreten, könne angenommen werden, dass diese durch den Impfstoff verursacht wurden. Wer seine Kinder nachhaltig schützen wolle, sollte sich auf jeden Fall auf die Empfehlungen der STIKO verlassen.
Links:
www.lsjv.rlp.de/gesundheit/impfkommission-rheinland-pfalz
Literatur:
Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz: Elterninfo 19: Impfen. 2010. Kostenlose Bestellung gegen Rückporto.
Martina Lenzen-Schulte: Impfungen. Trias 2008. EUR 14,95
Nicole Schaenzler / Brigitte Strasser-Vogel: 300 Fragen zum Impfen. Graefe und Unzer 2008. EUR 4,99