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Kinderkrankheiten: Wie geht man damit um?

Von Krankheit bleibt kein Kind verschont. Weil das körpereigene Abwehrsystem von Kindern noch nicht voll ausgereift ist, sind sie besonders anfällig für Infektionen. Das Spektrum an Erkrankungen von Kindern ist breit gefächert: von den häufig auftretenden Erkältungskrankheiten, über Magen-DarmInfekte oder anderen Infektionskrankheiten, bis zu den klassischen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps oder Scharlach.

Vor allem kleine Kinder können oft nicht deutlich mitteilen, dass sie sich krank fühlen oder wo genau es ihnen weh tut. Beispielsweise zeigen Kleinkinder bei Nachfragen meist auf ihren Bauch - egal wo das Krankheitsgeschehen eigentlich sitzt. Erste Hinweise für eine Erkrankung sind bei Kindern oft auch Verhaltens- oder Gemütsveränderungen: Sie sind weinerlich, ängstlich, niedergeschlagen, unruhig, teilnahmslos oder launisch. Sie haben Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen oder keine Lust zu spielen. Manche Kinder sind besonders anschmiegsam und liebebedürftig, andere werden stiller und ziehen sich zurück. Zu den wichtigsten körperlichen Krankheitsanzeichen gehören Fieber, Appetitlosigkeit, Andeutungen von Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag, Husten und eine laufende Nase.

Wenn das Kind krank ist

Auch wenn es für Eltern manchmal bedrohlich wirkt: Kinder fiebern häufig und nicht selten sehr hoch. Fieber selbst ist keine Krankheit, sondern ein Symptom das anzeigt, dass der Körper auf Krankheitserreger reagiert und seine Abwehrkräfte mobilisiert. Denn bei hohen Körpertemperaturen können sich Viren und Bakterien nicht so gut vermehren. Fieber ist also ein wichtiger natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers und sollte nicht gleich durch fiebersenkende Mittel bekämpft werden. Hohes Fieber bei Kindern ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einer schweren Erkrankung.

Wenn es sich allerdings um einen Säugling handelt, sollte beim Auftreten einer oder mehrerer der beschriebenen Krankheitszeichen der Arzt aufgesucht werden. Denn bei Säuglingen ist es oft sehr schwierig zu beurteilen, ob es sich um eine leichte oder ernsthaftere Erkrankung handelt. Bei einem größeren Kind, sollten Eltern einen Arzt spätestens dann aufsuchen, wenn Fieber länger als drei Tage anhält, fiebersenkende Maßnahmen nicht wirken, weitere Krankheitszeichen oder Fieberkrämpfe auftreten oder das Kind nichts trinken will.

Kranke Kinder haben meist ein natürliches Bedürfnis nach Ruhe und wenig Hunger. Bieten Sie ihm kleine Portionen einer leicht verdaulichen Lieblingsspeise an, ohne das Kind zum Essen zu zwingen. Viel wichtiger ist, dass kranke Kinder genügend trinken - vor allem wenn sie Fieber oder Durchfall haben. Bei leichten Erkältungen geht es vor allem darum, Komplikationen wie eine Entzündung der Bronchien, des Mittelohrs oder der Nasennebenhöhlen zu verhindern. Das beste Mittel dafür ist frische Luft: Auch mit einem Schnupfen sollten Kinder täglich etwa eine Stunde im Freien verbringen- natürlich warm angezogen. Außerdem ausreichend trinken, am besten warme kindgerechte Kräuter- oder Erkältungstees. Falls nötig einen schleimlösenden Hustensaft geben. Bei verstopfter Nase helfen Nasentropfen, insbesondere um für eine ruhige Nacht zu sorgen. Wichtig ist, spezielle Präparate für Kinder zu nehmen und sie nicht länger als eine Woche zu benutzen, weil die Nasenschleimhaut sonst austrocknen kann. Wenn das Krankheitsbild oder der Krankheitsverlauf von einer typischen Erkältung abweicht oder auch hohes Fieber und starke Kopfschmerzen auftreten, sollte immer ein Arzt konsultiert werden.

Neben einer guten medizinischen Versorgung braucht ein krankes Kind vor allem Aufmerksamkeit und Zuwendung: Kuscheln, Geschichten vorlesen, am Bett sitzen und erzählen. Wenn keine akute Ansteckungsgefahr besteht, können Sie ihm zum Beispiel ein Krankenlager auf dem Sofa im Wohnzimmer einrichten, denn kranke Kinder sind meist nicht gern alleine.

Bei starken Beschwerden oder auffälligen körperlichen Veränderungen sollten Sie mit Ihrem Kind immer eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt aufsuchen. Das gleiche gilt, wenn Sie unsicher sind oder sich sorgen, ob und was Ihrem Kind fehlt. Außerdem sollten Eltern den Gesundheitszustand ihres Kindes im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen (U1 - U9) regelmäßig überprüfen lassen und es durch Impfungen vor schweren Infektionskrankheiten schützen.

Wenn das Kind ins Krankenhaus muss

Es kann immer einmal passieren, dass ein Kind stationär im Krankenhaus behandelt werden muss. Selbst wenn es nichts Schwerwiegendes ist, ist das für ein Kind - und die Eltern - eine Ausnahmesituation: Zur Erkrankung kommen noch die fremde Umgebung, viele unbekannte Menschen und beängstigende, vielleicht sogar schmerzhafte medizinische Eingriffe dazu. Kinder brauchen gerade im Krankenhaus Stabilität und Sicherheit. Das Beste, was Eltern in dieser Situation für ihr Kind tun können, ist, bei ihm zu sein. Deshalb kann in vielen Krankenhäusern ein Elternteil mit aufgenommen werden und auch einen Teil der Pflege übernehmen. Klären Sie dies vor dem Klinik-Aufenthalt ab.

Eltern helfen ihrem Kind außerdem, indem sie ehrlich sind. Erklären Sie Ihrem Kind, warum es ins Krankenhaus muss und was mit ihm gemacht wird. Vermeiden Sie, in seiner Gegenwart mit den Ärzten über seinen Kopf hinweg zu fachsimpeln. Wenn Sie Ihrem Kind beispielsweise ehrlich sagen, dass eine bestimmte Behandlung weh tun kann, weiß es, dass es sich auf Sie verlassen kann. Einem Kind gegen besseres Wissen zu versichern, dass zum Beispiel eine Spritze nicht schmerzt, schürt eher Misstrauen und Angst bei Ihrem Kind. 

Links: 

Auf der Website des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. findet sich das Online-Lexikon "Kinderkrankheiten von A bis Z" zusammengestellt mit ausführlichen Informationen zu häufigen Krankheitsbildern und Symptomen im Kindesalter: www.kinderaerzte-im-netz.de

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet auf ihrem Portal Kindergesundheit-Info ausführliche Informationen für Eltern in der Rubrik "Wenn das Kind krank ist": www.kindergesundheit-info.de

Ein Verzeichnis von Kinderkliniken in Deutschland hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. auf ihrer Internetseite zusammengestellt: www.dgkj.de

Das Aktionskomitee Kind im Krankenhaus e.V. engagiert sich seit 1968 für Kinder im Krankenhaus. Die Website informiert über Hintergründe und Ziele der Arbeit und bietet Informationen für Eltern: www.akik.de

Literatur: 

Ursula Keicher: Kinderkrankheiten: Schnell erkennen - gezielt behandeln, Gräfe & Unzer 1998, ISBN 3-7742-3028-5, 192 Seiten, 16,90 Euro.

Helmut Keudel, Barbara Capelle: Kinderkrankheiten, Gräfe & Unzer 2006, ISBN 3-8338-0224-3, 304 Seiten, 22,90 Euro.

Zum Interview: Kinderkrankheiten