Elternkurs "Auf den Anfang kommt es an"
Der Elternkurs kann in Buchform (mit einer CD) über die LZG bezogen werden zum Preis von EUR 15.90 (einschließlich Versand):
Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Hölderlinstraße 8
55131 Mainz
www.lzg-rlp.de/
Inhalt
Die ersten Lebenmonate - großes Glück und große Aufgaben
Die kleine Jule fühlt sich pudelwohl. Das drei Monate alte Mädchen liegt auf dem Schoß ihres Vaters, umgreift seine Finger, schaut ihm interessiert in die Augen und gibt zarte Laute von sich. Ihr Vater lächelt sie an und spricht leise mit ihr. Aber es gibt auch Momente, in denen Jule lauthals weint und heftig mit Armen und Beinen strampelt. Dann wendet sie sich manchmal sogar protestierend ab, wenn ihre Mutter versucht, sie durch Stillen zu beruhigen. Seit Jules Geburt erleben ihre Eltern Anne und Tobias ein Wechselbad aus Glücksgefühlen und Freude einerseits, sowie Anstrengung und Hilflosigkeit andererseits. So schön, spannend und intensiv die erste Zeit mit einem Baby ist, so viel Kraft kostet sie auch.
Bis Jule "Mama" oder "Papa" sagen kann, werden noch ein paar Monate vergehen. Doch schon als Säugling, kann sie sich mit Mimik und Gestik vielfältig ausdrücken und zeigen, ob sie sich wohl fühlt, hungrig oder müde ist. Umgekehrt haben Eltern feine Antennen für ihr Kind und können meist spontan und intuitiv auf seine Bedürfnisse reagieren. Manchmal sind Eltern aber auch rat- und hilflos oder überfordert, weil sie beispielsweise nachts kaum geschlafen haben oder einfach nicht herausfinden, warum das Baby schreit.
Die Ausdrucksfähigkeit eines Babys ändert sich laufend. Von Tag zu Tag entwickelt es neue persönliche Eigenheiten. Wer sich Zeit nimmt und sein Kind genau beobachtet, wird seine Körpersprache bald verstehen. Augen, Hände, Körperhaltung und Laute verraten viel über die Stimmung: Ein gut gelauntes, zufriedenes und aufnahmebereites Kind hat einen wachen Blick und sucht auch den Blickkontakt. Die Baby-Hände sind leicht geöffnet, der Körper entspannt und die Beine strampeln fröhlich. Es macht mit dem Mund Sprechbewegungen oder gluckst und brabbelt. Mit zunehmendem Alter kann sich das Baby immer besser mitteilen. Im Alter von etwa sechs Wochen lächelt es die Eltern bewusst an, wenn ihm das Plaudern gerade Spaß macht. Um den fünften Lebensmonat herum bildet es Lautketten wie "dla-dla-dla", wenn es sich besonders wohl fühlt.
Starrt ein Baby ins Leere, dreht es den Kopf weg oder reibt sich die Augen, ist es häufig überangestrengt und braucht Ruhe. Das gleiche gilt, wenn es Finger und Zehen spreizt, die Hände zu Fäusten ballt, den Körper anspannt oder mit Armen und Beinen rudert. Der Gesichtsausdruck eines gestressten oder müden Kindes ist eher weinerlich und missmutig. Es beginnt zu quengeln und kann rote Flecken im Gesicht oder eine marmorierte Hautfarbe bekommen. In solchen Situationen braucht ein Baby seine Eltern. Oft genügt es schon, beruhigend mit ihm zu sprechen und ihm die Hand auf den Bauch oder den Kopf zu legen.
Weinen und Schreien ist das deutlichste und ein wichtiges Signal, mit dem ein Baby seine Bedürfnisse mitteilen kann. In den ersten Lebensmonaten weinen die meisten Babys relativ viel, meistens in den Abendstunden, weil sie müde und überreizt sind. Weinen kann auch ein Anzeichen von beginnender Krankheit sein oder das Baby ist frustriert, weil es nicht alles kann, was es will.
Wenn Jule lauthals weint, versuchen ihre Eltern, sie möglichst schnell durch ruhiges Zureden, streicheln, festhalten oder sanftem Wiegen zu beruhigen. Das ist im Babyalter auch sinnvoll. Das Kind dann erlebt, dass seine Signale beachtet werden. Das gibt Sicherheit und ist eine wichtige Basis für die weitere Entwicklung. Außerdem lassen sich Babys leichter beruhigen, wenn sie sich noch nicht ins Weinen hineingesteigert hat. Entgegen mancher Befürchtungen, ist es nicht möglich, Babys in den ersten Lebensmonaten zu verwöhnen, weil ihr Gedächtnis Informationen nur für sehr kurze Zeit speichert.
Manche Babys, so genannte "Schreikinder", schreien exzessiv. Die Ursachen sind noch immer nicht wirklich geklärt. Wahrscheinliche Gründe sind Stress in der Schwangerschaft, eine schwere Geburt oder Anpassungsschwierigkeiten des Babys an die neue Umgebung. Das Beste, was Eltern tun können, ist: Trotz der Anstrengung möglichst ruhig und gelassen zu bleiben. Betroffene Eltern sollten bei einer Hebamme, einem Kinderarzt, in einer Schreisprechstunde oder Babyambulanz Rat suchen. Schreibabys sind eine sehr hohe nervliche Belastung. Das Gefühl zu versagen und die Enttäuschung darüber können Eltern in schwere persönliche oder in Beziehungskrisen führen. Dem gilt es durch rechtzeitige professionelle Hilfe vorzubeugen.
Babys lernen aus den elterlichen Reaktionen auf ihr Verhalten. Deshalb ist es wichtig, dass sie eindeutige Signale bekommen. Wenn Eltern ihr Kind anlächeln, mit ihm reden und aufmerksam hinschauen, ermutigen sie es, eine Handlung zu wiederholen. Dagegen führen ein ernstes Gesicht, eine feste Stimme und eine kurze Zeit ohne Beachtung schnell dazu, dass ein Baby unerwünschtes Verhalten nicht wiederholt. Ab etwa sechs Monaten können Eltern ihrem Kind so Grenzen aufzeigen. Wichtig ist, dass Sie auf das gleiche Verhalten unmittelbar und konsequent reagieren, um dem Baby Sicherheit zu geben.
Dass Eltern ihr Baby nicht auf Anhieb perfekt verstehen, nicht jedes Mienenspiel und Weinen sofort richtig deuten, ist normal. Schließlich müssen sich Eltern und Kind erst kennen lernen. Anne und Tobias verstehen nach drei Monaten schon viel besser, was Jule ihnen mitteilen will und warum sie quengelt oder weint, als in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt. Ein Einschnitt war für sie der Moment als ihre Tochter sie zum ersten Mal anlächelte. Seitdem sind auch anstrengende Momente viel leichter zu meistern.
Literatur:
Elternkurs "Auf den Anfang kommt es an"
Der Elternkurs kann in Buchform (mit einer CD) über die LZG bezogen werden zum Preis von EUR 15.90 (einschließlich Versand):
Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Hölderlinstraße 8
55131 Mainz
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Remo H. Largo: Babyjahre - Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren, München: Piper 2007, ISBN 3-492-051-243, 544 Seiten, 19,90 Euro.
Gerda Pighin, Bernd Simon: Babys erstes Jahr, München: Gräfe und Unzer 2004, ISBN: 3-774-217-211, 192 Seiten, 16,90 Euro.



