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Die gesundheitliche Verfassung eines Menschen hängt häufig mit seinem Bildungsstand und seinem soziokulturellen Status zusammen, da sich dahinter unterschiedliche Lebensstile verbergen. Doch das ist es nicht allein – auch der kulturelle Hintergrund eines Menschen kann seine Chancen auf ein gesundes Leben beeinflussen. Dies fängt bei der Sprache an: Wenn sich Arzt und Patient beispielsweise nicht richtig verständigen können, ist ein Vertrauensverhältnis – die Basis für eine gute Behandlung – gar nicht möglich. Für Migrantinnen und Migranten ist dies oft ein Problem. Der Arzt spricht ihre Muttersprache nicht und ihnen wiederum mangelt es möglicherweise an deutschen Sprachkenntnissen. Gerade wenn es um komplizierte medizinische Sachverhalte geht, sind die Sprachbarrieren hoch. Diagnosen sind dann schwieriger zu stellen und wichtige Anweisungen zur Genesung werden eventuell nicht richtig verstanden. Dies ist ein möglicher Grund dafür, warum es um die Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund teilweise schlechter bestellt ist.
Hinzu kommt, dass weitere soziale und kulturelle Barrieren dafür sorgen, dass ein Teil der Migrantinnen und Migranten von den Angeboten des deutschen Gesundheitssystems ungenügend erreicht werden. „Sie wissen einfach zu wenig über Prävention und Vorsorge, und manchmal gibt es auch Berührungsängste“, weiß Selim Özen von der Koblenzer Arbeiterwohlfahrt (AWO). Dies bestätigt eine aktuelle Untersuchung aus Bayern: Im Durchschnitt besuchen Migrantinnen und Migranten mindestens genauso häufig einen Arzt wie Menschen ohne Migrationshintergrund, nehmen allerdings seltener Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch.
Menschen mit Migrationshintergrund können im Vergleich zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund erhöhte Gesundheitsrisiken aufweisen, wie der Bericht „Migration und Gesundheit“ des Robert-Koch-Institutes aus dem Jahr 2008 zeigt. Gründe und Umstände sind möglicherweise die Erlebnisse im Zusammenhang mit der Migration sowie die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland sein.
Um die Situation von Migrantinnen und Migranten zu verbessern, müssen die Angebote des Gesundheitssystems für sie besser zugänglich sein. Es braucht Strukturen, die transparent und verständlich sind. Die Informationen und die Angebote des Gesundheitswesens, so Selim Özen, müssen besser auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund abgestimmt werden. Erreicht werden kann dies zum einen durch bessere Deutschkenntnisse auf Seiten der Betroffenen selbst, zum anderen aber auch durch spezielle Dolmetscher und Schulungen in kultursensibler Kompetenz für das medizinische Fachpersonal.
Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) hat für spezielle Zielgruppen muttersprachliche Informationsbroschüren herausgegeben. Mehrere Broschüren aus der Reihe „Elterninfos“ sind nun in türkischer und russischer Sprache erhältlich. Migrantinnen und Migranten können sich hier in ihrer Muttersprache beispielsweise über Themen wie „Impfen“ oder „Adipositas“ informieren. Darüber hinaus können türkisch- und russischsprachige Muttersprachler über die dreisprachige Internetseite www.gesund-in-rlp.de Informationen über die verschiedenen Gesundheitsangebote in Rheinland-Pfalz erhalten. Passend dazu ist die Broschüre: „Wegweiser Gesundheit für Menschen mit Migrationshintergrund in Rheinland-Pfalz" bei der LZG erhältlich. Sie enthält praxisorientierte Informationen, die helfen, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden.
Ein weiterer Schritt der Landeszentrale für Gesundheitsförderung zur Verbesserung der Gesundheit von Migrantinnen und Migranten ist die Ausbildung von ehrenamtlichen Gesundheitsmediatoren. Menschen mit Migrationshintergrund werden zu verschiedenen Gesundheitsthemen geschult und verbreiten ihr erworbenes Wissen anschließend in ihrem Umfeld. Und nicht nur das: Zusätzlich unterstützen sie diese konkret bei Arztbesuchen und Kontakten mit Ämtern. „Das ist ganz sicher ein guter Weg, die Angebote des deutschen Gesundheitswesens unter Menschen mit Migrationshintergrund bekannter zu machen“, hofft Selim Özen.
Links:
www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=62423
Http://www.lzg-rlp.de/projekte/sonderprojekte/llp-migration-und-gesundheit/
http://www.lzg-rlp.de/service/neuerscheinungen/
Http://www.migration-boell.de/web/integration/47_2075.asp
Literatur:
Hans Jörg Assion (Hrsg.): „Migration und seelische Gesundheit“. Springer, Berlin 2009. Euro 12,95.
Matthias David; Theda Borde; Heribert Kentenich: „Migration und Gesundheit: Zustandsbeschreibung und Zukunftsmodelle“. Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 1998. Euro 19,90.
Alexander Krämer; Luise Prüfer-Krämer: „Gesundheit von Migranten: Internationale Bestandsaufnahme und Perspektiven“. Juventa, Weinheim 2004. Euro 22,00.
Oliver Razum; Uta Meesmann; Maren Bredehorst; Patrick Brzoska; Tanja Dercks; Susanne Glodny; Hajo Zeeb; Liane Schenk; Ramazan Salman; Björn Menkhaus; Ralf Ulrich; Anke-Christine Saß: „Schwerpunktbericht: Migration und Gesundheit“. Robert-Koch-Institut 2008.
Liane Schenk; Hannelore Neuhauser; Ute Ellert; Christina Poethko-Müller; Christina Kleiser; Gert Mensink: „Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS 2003-2006): Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland“. Robert-Koch-Institut 2006.
Ulrich Thamer; Michael Wüstenbecker: „Gesundheit von Migranten“. Peter Lang, Frankfurt am Main 2011. Euro 24,80.