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Soulfood - wann Essen glücklich macht

„Essen wie bei Muttern“ - damit werben viele Speisekarten. Bei ihrer Mutter hat es schließlich gut geschmeckt, die meisten Menschen denken gerne an die Mahlzeiten ihrer Kindheit zurück. Schon der Gedanke an ihr Lieblingsgericht lässt ihnen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Der Grießbrei, den es abends gab - er war eine Delikatesse. Oder auch der Käsekuchen, nie wieder hat er so gut geschmeckt wie bei der Oma. Unvergesslich ist vielen der Geruch des Sonntagsbratens. Essen ruft Erinnerungen wach, die Speisen, die wir in unserer Kindheit zu lieben gelernt haben, machen uns besonders glücklich. Sie sind Balsam für unsere Seele.

Essen kann ein Stück Heimat werden, ein Glücksbringer sein, ein Seelentröster: Soulfood, Seelenkost. So nennen die Afroamerikaner ihre traditionellen Gerichte. Der Begriff kam in den sechziger Jahren auf, in den USA öffneten die ersten „Soulfood“-Restaurants. Soulfood wurde zum Ausdruck des schwarzen Selbstbewusstseins, das Essen wurde Bestandteil der afroamerikanischen Identität.

Entstanden war Soulfood aus der Not, die erfinderisch macht: In den Zeiten der Sklaverei mussten sich die Schwarzen in den USA mit minderwertigen Lebensmitteln zufriedengeben. Das waren Innereien, aber auch Schweinefüße und Hühnerflügel. Daraus bereiteten sich die Sklaven von damals ihre Mahlzeiten zu – mit viel Fett und Zucker, um die minderwertigen Lebensmittel geschmacklich zu verbessern, aber auch mit vielen Gewürzen. Dazu gehören Cayennepfeffer, Muskatnuss, Piment, Zimt, Gewürznelken, Sesam, Safran, Thymian und Essig. Typisch für diese Küche sind auch Bohnen und Erbsen, Kohl, Kürbis und Speiserüben. Viele Speisen der Soulfood-Küche sind mittlerweile international bekannt und beliebt, Chicken Wings und Spareribs zum Beispiel, berüchtigt ist auch Chitterlings, der gekochte Schweinebauch. All diese Gerichte sind mittlerweile Tradition geworden, sie vermitteln mehr als Geschmack, sie vermitteln Zugehörigkeit und emotionale Heimat, sie gehören zur eigenen Geschichte.

Geruch und Geschmack von Speisen schreiben sich stark im Gedächtnis ein und werden ständig wieder aktiviert. „Die Erinnerungen und Gefühle, die mit bestimmten Gerichten oder Nahrungsmitteln verknüpft sind, wirken sich stark auf unsere Befindlichkeit aus“, erklärt die Trierer Psychologin Esther Hilterscheid von der Universität Trier. Wer zum Beispiel gelernt habe, dass eine heiße Schokolade über so manchen Kummer hinweghelfen kann, der behalte solche Gewohnheiten unter Umständen ein Leben lang bei.

Eine gute Hausmannskost kann uns glücklicher machen als jedes noch so raffiniert zubereitete Gericht. Das gilt für alle Kulturen und für alle regionalen Küchen. Es sind vor allem die einfachen Gerichte, die geliebt werden, so zum Beispiel Eintöpfe: „Sie wärmen im Winter nicht nur den Magen, sondern auch die Seele“, sagt ein altes Sprichwort und im russischen Raum heißt es „Wo Suppe ist, da ist Zuhause“. Ob Pfälzer Saumagen, Cevapcici, Blini oder Baklava, viele dieser Gerichte haben unseren Geschmack geprägt und sind mit Heimat und Geborgenheit verknüpft.

Doch der Geschmack der Speisen ist nicht das einzige was zählt, auch das Zubereiten und die gemeinsam verbrachte Zeit gehören zum Glücklich sein. Der liebevoll gedeckte Frühstückstisch und das ausgedehnte Frühstücken am Wochenende, die frischen Brötchen, das Rührei, die knusprigen Croissants: dieses Ritual ist häufig mit Entspannung verknüpft, mit Urlaub, mit Freizeit und erfüllt so eine ganz wichtige Funktion im Stressabbau.

Wer gemeinsam isst, bleibt außerdem schlanker. Kinder, die regelmäßig am Familientisch essen, werden seltener dick. Das haben Forscher der Harvard Medical School herausgefunden. Denn diese Kinder haben viel seltener Fertiggerichte oder Fastfood auf dem Teller als Kinder, die alleine essen. So haben Eltern einen starken Einfluss auf die Essgewohnheiten ihrer Kinder, denn die lernen am Vorbild der Eltern. Und das ist wichtig. Denn die Mahlzeiten der Kindheit prägen den Geschmack - für’s ganze Leben.

Literatur:

Lothar Bade. Soulfood - Glück für Leib und Seele. Plöger Medien GmbH, 2008. 16,80 Euro

Susanne Klug. Gesund essen mit Spaß. GU Ratgeber Kinder.,2009. 12,99 Euro

Hausmannskost. Zabert Sandmann, 2007. 4,95 Euro

Links:

www.gesundheit.de/ernaehrung/gesund-essen

www.gesundheit.de/familie/kindheit-und-jugend/essen-und-ernaehrung-fuer-kinder-und-jungendliche

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