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Elisabeth Schuh ist die 2. Vorsitzende des Trierer Vereins Nestwärme e.V. Dort betreut die Psychologin unter anderem das Projekt ZeitSchenken, in dem sich ehrenamtliche Helfer in Familien mit chronisch kranken oder behinderten Kindern engagieren. In Zusammenarbeit mit der VIVA FAMILIA - Servicestelle für lokale Bündnisse der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. soll das Projekt ZeitSchenken vom kommenden Jahr an auch in anderen Regionen in Rheinland-Pfalz realisiert werden.
Mit welcher Art von Krankheiten oder Behinderungen haben Eltern und Helfer im Projekt ZeitSchenken zu kämpfen?
Die Kinder haben geistige oder körperliche Behinderungen, beispielsweise eine spastische Lähmung, die dazu führt, dass sie nicht laufen können. Das Gemeinsame an den Fällen ist, dass die Kinder sich nicht erholen und dauerhaft mit Behinderungen leben müssen. Sie sind im Alltagsleben eingeschränkt und brauchen Assistenzleistungen.
Wie können Außenstehende helfen?
Eltern von Nestwärme-Kindern stehen vor allem unter einer deutlich größeren zeitlichen Belastung. Eine große Hilfe ist es ihnen daher, wenn man ihnen die eigene Zeit zur Verfügung stellt.
Darüber hinaus können auch Geldspenden helfen. Der Verein Nestwärme stellt den betroffenen Eltern aus Fördergeldern und Spenden Gutscheine zur Verfügung. Viele organisieren sich auch selbst Unterstützung - in Form eines Pflegedienstes oder Zivildinstleistenden etwa. Mit einem Nestwärme-Gutschein können sie sich jemanden leisten, um mal einen freien Abend zu haben. Denn Zeit ist für die betroffenen Familien oft wichtiger als Geld.
Nicht zuletzt braucht der Verein selbst etwas Geld, um das Projekt ZeitSchenken zu finanzieren.
Wie sieht der Einsatz eines ZeitSchenkers konkret aus?
Das hängt in erster Linie davon ab, was der ZeitSchenker sich selbst zutraut. Er oder sie kann sich mit dem behinderten Kind beschäftigen, kann im Haushalt helfen oder Geschwisterkinder betreuen. Oder der Helfer übernimmt Behördengänge und Einkäufe, damit die Eltern selbst mal wieder in Ruhe Zeit mit ihren Kindern verbringen können.
Manchmal hilft es den Familien auch einfach, wenn jemand da ist, mit dem sie reden können. Gerade bei Alleinerziehenden kann ein Gesprächspartner eine große Unterstützung sein. Das Engagement darf für den ZeitSchenker jedenfalls keine Belastung werden. Medizinische Erfahrung ist nicht nötig.
Wie ist der Ablauf bei einem regulären Einsatz?
Zum ersten Besuch bei der Familie kommt ein Mitarbeiter von Nestwärme mit. Man beschnuppert sich ein wenig, trinkt einen Kaffee zusammen, um zu sehen, ob die Chemie stimmt. Nach dem Besuch befragt der Nestwärme-Mitarbeiter die Familie und den ZeitSchenker in gesonderten Gesprächen oder Telefonaten: Die Familie kann sagen, ob alle Beteiligten miteinander klar kommen und auch der ZeitSchenker muss signalisieren, ob er mit der Konstellation zurechtkommt oder sich überfordert fühlt.
Das Vertrauen zwischen allen Beteiligten muss mit der Zeit wachsen. Manchmal wandeln sich dann auch die Aufgaben des ZeitSchenkers: Hat er am Anfang hauptsächlich im Haushalt geholfen, hat er später vielleicht auch mal das behinderte Kind auf dem Arm.
Wie unterstützt der Verein Nestwärme das Engagement der Helfer?
Die ZeitSchenker werden vor Ort von den regionalen Gruppen der Nestwärme eV begleitet. Wenn sich ein freiwilliger Helfer bei uns meldet, bekommt er erstmal eine eintägige Vorbereitung: Welche Familien kommen überhaupt in Frage? Was für Behinderungen oder Krankheiten liegen vor? Wie kann die Hilfe aussehen? Und nicht zuletzt: Wie schaffe ich es, mich als ZeitSchenker nicht sehr zu vereinnahmen zu lassen und eine gesunde Distanz zu bewahren? Oder wie kann ich einen Abschied gestalten, wenn das Engagement einmal endet?
Während des Einsatzes gibt es für beide Seiten einen festen Ansprechpartner bei Nestwärme, der für Fragen zur Verfügung steht und bei Problemen vermitteln kann. Der ZeitSchenker nimmt außerdem an einer Supervision bei Nestwärme teil, entweder im persönlichen Gespräch oder in einer kleinen Gruppe, je nach den Gegebenheiten vor Ort.
Wie viel Zeit muss ein ZeitSchenker mitbringen?
Der ZeitSchenker entscheidet selbst, wie umfangreich er oder sie sich engagieren möchte. Auch die Dauer legt der ZeitSchenker selbst fest. Wer aufhören möchte, teilt uns seinen Entschluss mit und wir bereiten gemeinsam den Abschied von der Familie und den Kindern vor.
Was ist das Besondere an diesem Projekt?
Hilfsbedürftige Familien fühlen sich mit ihrem Schicksal oftmals alleingelassen. Die öffentlichen und anderen professionellen Hilfsangebote, die sich beispielsweise auf die medizinische Pflege konzentrieren, decken nicht alle Bedürfnisse der Familien ab. Hier greift das Projekt ZeitSchenken, das durch eine feste Bezugsperson, die in die Familie kommt, individuelle Entlastung schafft. Gleichzeitig gibt es den - oft älteren - Helfern eine erfüllende und sinnvolle Aufgabe. Weder der Familie noch den Helfern entstehen dabei Kosten.
Lesen Sie auch unseren Bericht "Zeit, Geduld und Geld - Familien mit behinderten Kindern brauchen von allem etwas mehr"