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Sabine Kolter, Fachberaterin für Innenarchitektur und Raumgestaltung
Was ist am Anfang für das "Babyzimmer" des Nachwuchses wichtig?
In den ersten Monaten braucht ein Baby einen Platz zum Schlafen, einen Wickelplatz und eine Kommode oder einen Schrank für Kleidung. Ein Gitterbett, das dann zum Kinderbett umbaubar ist, ist in der Regel eine bessere Wahl als eine Wiege, in die das Baby meist nur ein paar Monate passt. Für die Kleidung ist am Anfang eine Kommode ausreichend. Kauft man gleich einen Kleiderschrank, kann man den aber für lange Zeit nutzen. Ein eigenes Zimmer benötigt ein Baby eigentlich noch nicht. Der Schlafplatz kann auch im Elternschlafzimmer sein. Das Kinderzimmer ist eher der Ort, wo die Möbel stehen. Wenn das Kind krabbelt oder läuft und spielen möchte, bietet sich ein richtiges Kinderzimmer an.
Wie sollte das Zimmer für kleine Kinder eingerichtet sein?
Zunächst mal der Bodenbelag: Ein Teppich macht in meinen Augen wenig Sinn, weil er zu schnell verschleißt und schlecht zu reinigen ist. Ich empfehle einen Kork- oder Linoleumboden. Beides hält relativ warm und lässt sich gut säubern. In Spielecken kann man kleine Teppiche als Sitzinseln auslegen. Die sollten idealerweise waschbar sein und in eine normale Waschmaschine passen.
Für Spielsachen sind offene Kisten sinnvoll, denn was Kleinkinder nicht sehen, holen sie sich auch nicht. Man kann auch ein offenes Regal aufstellen, in das man unten die Spielzeugkisten stellt und weiter oben Sachen wie Stifte oder Knete lagert, die Eltern nur gemeinsam mit ihrem Kind benutzen. Wenn Kinder beginnen zu malen, ist ein kleiner Tisch gut, vielleicht mit einer Sitztruhe, in der Mal- und Bastelsachen Platz haben. Besonders wichtig ist, die Möbel an der Wand zu verankern, denn irgendwann wird immer drauf geturnt.
Zwischen allen Möbeln sollte natürlich genügend Platz zum Spielen frei bleiben. Ein Kinderzimmer sollte deshalb wenigstens neun Quadratmeter groß sein, ideal wären zwischen zwölf und 20 Quadratmetern.
Was brauchen Schulkinder?
Zu den vorhandenen Möbeln braucht ein Schulkind als Erstes einen Schreibtisch für die Hausaufgaben. Der sollte so groß sein, dass später auch ein Computer mit drauf passt. Bis dahin kann man den Tisch in einen Mal- und einen Schulbereich trennen. Dann ist ein Aufbewahrungsort für die Schulsachen wichtig, damit diese nicht zwischen anderen Büchern und Spielsachen landen. Gut ist beispielsweise ein Rollcontainer unter dem Schreibtisch.
Jetzt ist auch ein größeres Bett angesagt, sonst werden Kinder spätestens ausgelacht, wenn Schulfreunde zum Spielen kommen. Wenn ein neues Bett gekauft wird, dann vielleicht eines mit Schubladen drunter als Stauraum. Schulkinder sollten selber aufräumen können. Solange sie noch nicht so weit sind, dass sie alles einzeln wegsortieren, ist verschließbarer Stauraum wichtig. Hier können Kinder dann auch private Dinge, die ersten kleinen Geheimnisse, hinräumen.
Wie sieht ein kindgerecht gestaltetes Kinderzimmer abgesehen von Möbeln aus?
Wenn der Raum es zulässt, sollte man nicht alle Möbel an der Wand entlang aufstellen, sondern mit einem Regal oder Schrank den Schlaf- vom Spielbereich abtrennen. Dann kann man die Spielsachen auch mal ein paar Tage stehen lassen und das Kind hat noch einen Platz zum Ausweichen.
Die Farbgestaltung ist sehr altersabhängig. Deshalb rate ich fürs Babyzimmer erst mal zu weißen Wänden, die man mit Bildern oder Bordüren farbig gestaltet. Für Babys sind die Ampelfarben Rot, Gelb und Grün ein optischer Reiz. Im Bereich des Bettes sollte die Farbgebung aber zurückhaltender sein.
Ältere Kinder und ihre Eltern können mit Handabdrücken selbst eine Bordüre gestalten. Oder man klebt bunte Kreise aus Moosgummi an die Wand, die sind auch leicht wieder zu entfernen. Solche Deko-Materialien müssen aber außerhalb der Reichweite des Kleinkindes bleiben. Eltern, die sich viel zutrauen, können auch ein Prinzessinnen-, Ritter- oder Piratenzimmer gestalten. Das braucht aber Fantasie und andere Deko-Artikel außer Farbe.
Grundsätzlich darf man mit Farbe nicht übertreiben und sollte sich auf maximal drei bis vier Töne beschränken, sonst wird es zu unruhig. Das gilt auch für die Dekoration und deren Muster. Wichtig ist auch, sich zu fragen, wie lange man mit der Farbe leben möchte. Gerade für kleine Kinder sollten Eltern beim Einkauf von Farbe und Tapete unbedingt auf die Inhaltsstoffe achten und sich beraten lassen.
Wie sieht es mit dem Licht aus?
Im Babyzimmer darf das Deckenlicht spärlich sein, damit es nicht blendet, und sollte nicht direkt auf das Bett oder den Wickeltisch gerichtet sein. Gut ist ein Deckenfluter, der macht indirektes Licht und ist frei positionierbar. Im Kleinkindalter sollte man die Spielbereiche mit Deckenlampen ausleuchten. Stehlampen sind dann zu unsicher, da sie umkippen können. Beim Bett ist ein Wandlicht wichtig, dass das Kind selbst anmachen kann, wenn es aufstehen möchte.
Worauf sollten Eltern beim Kauf von Möbeln achten?
Beim ersten Möbelkauf sollte man sehr vorsichtig sein, weil Babys und Kleinkinder alles in den Mund nehmen. Ich rate deshalb zu Naturholzmöbeln, zumindest beim Bett. Auch Matratze, Bettdecke und Bezug dürfen nichts ausdünsten. Sinnvoll ist auch, flexible Möbel zu kaufen. Schreibtisch und -stuhl sollten verstellbar sein, damit sie individuell an die Größe des Kindes angepasst werden können. Grundsätzlich sollten Eltern beim Kauf auf die Verarbeitung und Standsicherheit achten. Wenn Möbel nach und nach angeschafft werden, muss man aufs Design achten, damit man auch in einigen Jahren etwas dazu passendes bekommt, und sich überlegen, ob das Möbelstück auch einem Teenager noch gefallen könnte.
Nicht immer haben Eltern die Möglichkeit, jedem Kind ein eigens Zimmer zu überlassen...
Wenn das Zimmer groß genug ist, sollten Eltern mit einer Raumteilung Möglichkeiten schaffen, dass beide Kinder getrennt spielen können. Praktisch ist ein nach beiden Seiten offenes Regal, dann kann jedes Kind die Spielsachen erreichen. Genauso gut sind zwei Kleiderschränke, einer linksherum, einer rechtsherum gestellt. In jedem Teil des Raumes muss genug Licht sein. Wenn es nur ein Fenster gibt, wird so eine Raumteilung schon schwierig. Dann kann man aber wenigstens durch farbliche Gestaltung für Trennung sorgen und jedem Kind und seinen Möbeln eine oder zwei Wände zuweisen und in der Lieblingsfarbe Akzente setzen.