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Interview: Kinder und Konsum

Interview mit Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Sogar Kinder im Grundschulalter wollen schon schicke Schuhe haben, Handys, Markenartikel. Ist das normal?

Es ist jedenfalls stark verbreitet. Und das ist auch kein Wunder: Denn Kinder werden bereits im Vorschulalter als begehrte Zielgruppe massiv beworben und dies in einer Phase, in der Geld und die Wertigkeit von Dingen noch nicht ausreichend reflektiert werden können, weil die dafür nötigen Hirnstrukturen noch im Aufbau sind. Da werden Geldgeschenke von Oma und anderen Verwandten leichtfertig ausgegeben und vor allem die Konsumwünsche der Kinder steigen. Sie glauben, man brauche all diese Dinge und es sei normal sie zu besitzen. Dazu kommt: Das Angebot an Konsumgütern ist in den letzten Jahren immer größer, bunter und vielfältiger geworden. Ständig kommt etwas Neues auf den Markt, das zum Kaufen und Besitzen wollen verführt.

Warum ist es den Kindern denn so wichtig, gerade auch eine bestimmte Marke zu besitzen?

Für Kinder ist es wichtig, zu einer Gruppe dazuzugehören und anerkannt zu sein. Diese Anerkennung können sie durch positive Erfolge in der Schule bekommen, durch besondere Leistungen im Sport, aber eben auch durch äußere Symbole, zu denen Markenartikel gehören. Da ist es dann nicht egal, welche Jeans man trägt. Früher waren Nike und Adidas angesagt, heute sind es andere Labels. Wer zu einer bestimmten Clique gehören will, der will haben, was in dieser Szene angesagt ist. Er will dazugehören und genauso cool und stylish sein wie die anderen. Das gehört für Kinder und Jugendliche auf ihrer Suche nach Orientierung und Identität einfach dazu. Die Frage ist eigentlich nur, wie ausgeprägt dieses Markenbewusstsein ist.

Was können Eltern denn tun, um der Fixierung auf Konsum entgegenzuwirken?

Eltern sollten sich zunächst an die eigene Nase fassen und sich fragen, was Prestige und Besitz für sie selbst bedeutet. Auch wenn die Werbung die Kinder stark beeinflusst: Das Vorbild der Eltern ist nach wie vor wichtig. Wenn Eltern unbedingt das neueste Auto fahren und die tollsten Klamotten tragen müssen, brauchen sie sich über das Konsumverhalten ihrer Kinder nicht zu wundern. Wir geben weiter, was wir vorleben. Und deshalb sollten Eltern mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Kindern zeigen, dass man intensive Momente des Glücks auch ohne Konsum erleben kann: Ausflüge in den Wald, eine Fahrradtour, spielen und sich Zeit füreinander nehmen anstatt shoppen gehen. So etwas schafft eine Basis dafür, dass Kinder nicht so anfällig werden für einen Konsumrausch, der häufig in der Pubertät beginnt. Sie erfahren auf diese Weise, dass es noch andere Werte im Leben gibt, dass persönliche Erfahrungen und Beziehungen wichtig sind. So bekommen Kinder die Chance zum Aufbau eines angemessenen Weltbildes und können auch dem Spott von Mitschülern selbstbewusst entgegentreten. Denn auch das gehört zu einer gesunden Sozialisation: etwas nicht tun zu müssen, nur weil „alle das tun“. 

Und das hilft, wenn doch alle anderen in der Schule mit Marken prahlen?

Natürlich ist niemand vor diesem Thema gefeit, alle Eltern haben damit zu tun. Die Frage ist doch nur: Wie diskutieren sie das mit den Kindern? Jeder kennt diese Erpressungsversuche, wenn die Kinder sagen ‘Alle haben das, ich bin die einzige, die das nicht hat’. Das sind beliebte Druckmittel. Eltern geben dann gerne nach, weil sie nicht wollen, dass ihr Kind gemobbt wird. Aber sie sollten sich da nicht so schnell unter Druck setzen lassen und die Wünsche der Kids hinterfragen. Sie müssen thematisieren, dass Dinge Geld kosten und dass man mit dem Budget, das man hat, nun einmal über die Runden kommen muss.

Das heißt: Grundsätzlich keine teuren Wünsche erfüllen?

Nein, das heißt es nicht. Wenn Kinder sich etwas Besonderes wünschen, dann können sie dafür auch sparen oder später einen kleinen Job annehmen. Eltern dürfen solche Vorhaben durchaus auch mit einem Zuschuss unterstützen. Aber es ist wichtig, dass Kinder lernen: ‘Ich kann nur konsumieren, wenn ich Geld habe.’ Eltern sollten nicht irgendwie Geld locker machen, um Kindern ihre Wünsche zu erfüllen. Sie sollten dafür sorgen, dass Kinder einen Begriff davon bekommen, was etwas wert ist, und auch, was es einem selbst wert ist. Wieviel muss man eigentlich dafür tun, um etwas Bestimmtes erwerben zu können? Und: Will ich das wirklich? Kinder müssen in die Lage versetzt werden, auf dieser Grundlage ihre Kaufentscheidungen zu treffen. 

Wie kommen Eltern aber gegen die Werbung an? 

Ich empfehle, Werbung gemeinsam mit Kindern zu gucken und mit ihnen darüber zu sprechen, welche Strategien genutzt werden, um uns zum Habenwollen zu motivieren. Das mit Kindern zu diskutieren, ist spannend und lehrreich. Ein kritischer Umgang mit Konsum tut not. Werbung verschlingt Unmengen von Geld und zwar Geld, das die Firmen woanders wieder einsparen. Manche gehen in Billiglohnländer, wo Menschen Tag und Nacht arbeiten müssen für ein paar Cent. Da kann man sich die Frage stellen: Was ist an solchen Produkten noch cool? Das sind Fragen, die man mit älteren Kindern besprechen kann. Auch über ökologische Zusammenhänge sollte man reden, über die Auswirkungen unseres Konsums auf die Umwelt. 

Es kommt also darauf an, Kinder fit zu machen für die Welt des Konsums?

Kinder müssen lernen, sich zu orientieren. Dabei wird es immer wichtiger, das gesunde Maß zu finden. Immer mehr Jugendliche verschulden sich - da geht es schon lange nicht mehr um Sammelbildheftchen. Sie laden sich Klingeltöne herunter, verschicken eine SMS nach der anderen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie sie das bezahlen. Mit Kindern über Geld und Konsum zu reden, ist deshalb auch eine Frage von Prävention. Und das ist eine ganz wichtige Aufgabe der Eltern.  

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